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Vitamin-B3-Mangel (Niacin) behandeln & vorbeugen

Niacin ist für viele Stoffwechseltätigkeiten des Körpers verantwortlich. Ein Mangel des Vitamin B3 ist eher selten. Einige Krankheitsbilder oder bestimmte Lebensumstände erfordern dennoch eine höhere Zufuhr, die sich in der Regel jedoch über die Ernährung sicherstellen lässt und keiner Supplementierung bedarf.

In diesem Ratgeber erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:

  1. Vorkommen & Funktion im Körper
  2. Ursachen für Vitamin B3-Mangel
  3. Symptome
  4. Tägliche Vitamin-B3-Zufuhrhempfehlung
  5. Mögliche Risikogruppen
  6. Ernährung bei Vitamin-B3-Mangel
  7. Folgeerkrankungen durch Vitamin-B3-Mangel
  8. Vitamin-B3-Mangel behandeln
  9. Vitamin-B3-Mangel vorbeugen

Vorkommen & Funktion im Körper

Niacin, früher auch als Vitamin B3 oder Pellagra-Preventing Factor ("PP-Faktor") bekannt, gehört zur Gruppe der wasserlöslichen B-Vitamine und umfasst die Substanzen Nicotinsäure, Nicotinsäureamid und Pyridinnukleotid-Coenzyme. Im Gegensatz zu anderen Vitaminen kann der menschliche Körper mithilfe von Vitamin B6 selbst Vitamin B3 aus der Aminosäure Tryptophan herstellen. Im Darm erfolgt die Umwandlung von Nicotinamid in Nicotinsäure, die anschließend ins Blut gelangt und zur Leber transportiert wird.

Funktionen von Vitamin B3

Die Niacinzufuhr über die Nahrung ist trotz Eigensynthese notwendig

Niacin befindet sich überall im Organismus, wo eine hohe Stoffwechselaktivität herrscht, d. h., in Muskeln, Immunsystem oder im Herzen. Die Menge des selbst produzierten Niacins ist jedoch nicht ausreichend, sodass zudem eine Zufuhr des Vitamins über die Nahrung erforderlich ist.

Vitamin B3 unterstützt viele wichtige Funktionen im Körper, u. a.:

Ursachen für Vitamin B3-Mangel

Folgende Ursachen können für einen Vitamin B3-Mangel in Frage kommen:

Ursachen für Vitamin B3-Mangel

Symptome

Ein Vitamin-B3-Mangel entsteht nur selten, äußert sich jedoch folgendermaßen:

Tägliche Vitamin-B3-Zufuhrempfehlung

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt folgende Richtwerte für die Niacin-mg-Äquivalente* pro Tag an:

Täglicher Vitamin B3-Bedarf

Säuglinge

Kinder bis 7 Jahre

Kinder/Jugendliche, weiblich

Erwachsene, weiblich

Kinder/Jugendliche, männlich

Erwachsene, männlich

Schwangerschaft & Stillzeit

*1mg Niacinäquivalent = 1 mg Niacin = 60 mg Tryptophan

Der tägliche Niacinbedarf hängt von der aufgenommenen Menge an Tryptophan ab. Aus 60mg Tryptophan kann der Körper ein Milligramm Niacin gewinnen; dies entspricht einem Niacinäquivalent.

Mögliche Risikogruppen

Einige Personengruppen sollten besonders auf eine ausreichende Vitamin-B3-Zufuhr achten:

Schwangere und Stillende

Bei Frauen steigt der Niacinbedarf im zweiten Trimester und erneut im dritten Trimester der Schwangerschaft an. Da Stillende sämtliche Nährstoffe und Vitamine über die Muttermilch an ihr Kind weitergeben, ist der Bedarf an Vitamin B3 auch während der Stillzeit erhöht.

Gesundheitlich vorbelastete Menschen

Personen, die an

bzw. an Stoffwechsel- oder chronischen Dünndarmerkrankungen leiden, können durch die eingeschränkte Absorptionsfähigkeit des Körpers ebenfalls anfällig für einen Vitamin-B3- Mangel sein.

Mangel- oder Fehlernährung

Ein Vitamin-B3-Mangel kann die Folge einer sehr einseitigen Ernährung, einer strengen Diät oder einer langen Fastenzeit sein. Personen, die nicht ausreichend Vitamin B2 und B6 zu sich nehmen, gehören ebenfalls zur Risikogruppe. Da an Eiweiß gebundenes Niacin (z. B. bei Mais und Hirse) zunächst aufgespalten werden muss und schlechter verfügbar ist, sind zudem Bevölkerungsgruppen gefährdet, die sich überwiegend von diesen Lebensmitteln ernähren.

Niacinmangel durch Medikamenteneinnahme

Auch einige Medikamente können zu einer Unterversorgung mit Vitamin B3 führen, so z. B.:

Alkoholkranke

Betroffene sind häufig nicht mehr in der Lage, ihre Ernährung ausgewogen zusammenzustellen und somit gefährdet, einen Mangel an Vitaminen und anderen Nährstoffen zu erleiden. Ein erhöhter Alkoholkonsum kann zudem zu Leberschäden und infolgedessen ebenfalls zu einem Niacinmangel führen.

Ernährung bei Vitamin-B3-Mangel

Die folgenden Lebensmittel eignen sich, um den täglichen Bedarf an Niacin zu decken:

Pflanzliche niacinreiche Lebensmittel

Verschiedene Obst- und Gemüsesorten, aber auch Nüsse und Hülsenfrüchte enthalten Vitamin B3 (Angabe je 100g pro Lebensmittel):

Obst/Gemüse

Nüsse

Hülsenfrüchte

Tierische niacinreiche Lebensmittel

Verschiedene Fleisch-, Wurst- und Fischsorten sowie Milchprodukte können - regelmäßig in den Speiseplan integriert - den Vitamin-B3-Bedarf decken (Angaben je 100g pro Lebensmittel):

Fleisch/Wurst

Fisch

Milchprodukte

Ernährungsvorschläge zur Deckung des täglichen Vitamin-B3-Bedarfs

Die folgende Grafik zeigt, wie Sie den täglichen Vitamin-B3-Normalbedarf eines gesunden Erwachsenen decken können:

Täglichen Bedarf an Vitamin B3 decken

Vitamin B3-Aufnahme hemmende Stoffe

Folgende Stoffe können die Aufnahme von Vitamin B3 hemmen:

Vitamin B3-Aufnahme fördernde Stoffe

Folgende Stoffe fördern die Aufnahme von Vitamin B3:

Folgeerkrankungen durch einen Vitamin-B3-Mangel

Ein ausgeprägter Mangel kann die Hauterkrankung Pellagra zur Folge haben, die sich in der sogenannten 3-D-Symptomatik äußert:

Vitamin-B3-Mangel behandeln

In vielen Fällen lässt sich ein Vitamin-B3-Mangel über die Ernährung ausgleichen. Da ein Defizit eines B-Vitamins häufig mit einem Mangel weiterer Vitamine dieser Gruppe einhergeht, ist von der Gabe eines reinen Niacinpräparats anstelle eines Komplexes abzuraten. Beim Verdacht auf einen Niacinmangel empfiehlt es sich jedoch in jedem Falle, einen Arzt hinzuzuziehen, um gegebenenfalls andere Defizite aufzuspüren und die geeignete Dosis und Darreichungsform einer Supplementierung zu ermitteln.

Mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Niacinpräparaten

Von einer zeitgleichen geringen Niacingabe zusammen mit Tryptophan zum Ausgleich von Mangelerscheinungen ist abzuraten, da Niacin das Enzym TDO aktiviert - dieses ist in der Leber für den Tryptophanabbau zuständig. Somit sollte die Behandlung eines Vitamin-B3-Mangels vor einer Tryptophantherapie abgeschlossen sein.

Überdosierung

In hohen Dosen kann die Zufuhr von Niacinpräparaten zu einem Überschuss führen. Die Gefahr einer Niacinüberdosierung ist zwar äußerst gering, aber nicht unmöglich. Insbesondere bei hohen Dosen Nicotinsäure können gesundheitliche Probleme auftreten, vor allem die sogenannten Flush-Symptome:

Erhöhte Dosen von bis zu mehreren Gramm Nicotinsäure können zu

führen.

BfR warnt vor Überdosierung von Nicotinsäurepräparaten

Nicotinsäurepräparate mit Verzehrsempfehlungen von bis zu mehreren Gramm täglich stuft das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) als nicht sicher ein; Nicotinsäure in diversen Medikamenten zur Behandlung diverser Stoffwechselstörungen unter ärztlicher Aufsicht ist hiervon ausgeschlossen.1

Risikogruppen für eine Überdosierung

Menschen, die abnorme Leberwerte aufweisen oder an einer Lebererkrankung, Diabetes, Gicht, Herzrhythmusstörungen, Darmerkrankungen, Migräne oder Alkoholismus leiden, sind mitunter empfänglicher für die Folgen einer zu hohen Nikotinsäuredosis.

Gezielte Überdosierung zur medizinischen Behandlung

Hohe Dosen Niacin finden in Form von Nicotinsäure allerdings pharmazeutisch Verwendung, denn die Substanz wirkt - im Gegensatz zu Nicotinamid - cholesterinsenkend. Nicotinamid hingegen kommt bei einem reinen Vitamin-B3-Mangel zum Einsatz.

Das Amid der Nicotinsäure, Nicotinamid, kann einer australischen klinischen Studie zufolge zudem möglicherweise vor nicht-Melanom-bedingten, durch UV-Strahlung ausgelösten Hauttumoren schützen.2

Vitamin-B3-Mangel vorbeugen

Nicotinsäure ist überwiegend in pflanzlichen Lebensmitteln enthalten, während Nicotinsäureamid vor allem über tierische Nahrungsmittel aufgenommen wird. Das wasserlösliche Vitamin B3 geht beim Kochen in das Wasser über, daher kann es bei einem tendenziellen Mangel sinnvoll sein, das Kochwasser weiter zu verwenden. Ein ausgeprägter Niacinmangel entsteht in der Regel jedoch nur bei gesundheitlicher Vorbelastung oder durch eine einseitige bzw. Fehlernährung, die niacinarm ist oder hauptsächlich aus unbehandelten Mais- oder Hirseprodukten besteht.

Autorin - Tina Reschke
Autorin: Tina Reschke

Tina Reschke, freiberufliche Redakteurin und Lektorin, entschied sich 2010 aus ethischen und gesundheitlichen Gründen für die vegane Lebensweise. Sie wirkt unter anderem im Welt Vegan Magazin, im Onlinemagazin Herbaversum sowie bei der Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. mit und verfasste verschiedene Ratgeberartikel rund um die vegane Ernährung für vegpool.de.


Quellen

1http://www.bfr.bund.de/cm/343/die-einnahme-von-nicotinsaeure-in-ueberhoehter-dosierung-kann-die-gesundheit-schaedigen.pdf 2http://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1506197

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