Sparmedo Ratgeber

Hilfe bei Diabetes mellitus

Aktualisiert am 28.02.22

Der Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) gehört zu den häufigsten chronischen Krankheiten. Nach den neuesten Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) leiden global mehr als 500 Millionen Menschen unter dieser Krankheit. In Deutschland gibt es gemäß neuesten Schätzungen mehr als 7 Millionen an Diabetes mellitus Erkrankte, wobei eine Vielzahl der Betroffenen gar nicht über ihre Diagnose informiert sind.

Diabetes mellitus Typ 2 tritt häufiger auf
Die Mehrzahl der Diabetiker (über 90%) leiden unter einem Diabetes mellitus Typ 2, dem früher genannten 'Alters-Diabetes'. Die Ursachen für diesen Diabetes sind meist genetisch bedingt. Übergewicht und Bewegungsmangel sind jedoch begünstigende Faktoren, die das Risiko für diese Erkrankung deutlich erhöhen. Entsprechend leiden auch mehr als 70% aller Diabetiker an Übergewicht oder sogar Fettsucht.

In diesem Ratgeber erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:

  1. Was ist Diabetes mellitus?
  2. Diabetes Formen
  3. Diabetes mellitus Typ 1
  4. Diabetes mellitus Typ 2
  5. Wie häufig ist Diabetes mellitus?
  6. Was ist Prädiabetes?
  7. Ursachen und Risikofaktoren
  8. Symptome für Diabetes mellitus
  9. Diagnoseverfahren
  10. Früherkennung des Diabetes mellitus
  11. Diagnose Diabetes mellitus - So gehen Betroffene damit um
  12. Prognose und mögliche Folgeschäden
    1. Behandlung von Diabetes-Begleiterkrankungen
  13. Behandlung des Diabetes mellitus
    1. Gewichtsreduktion durch Ernährungsumstellung
    2. Verhaltens- und Ernährungsmodifikation
    3. Ernährung bei Diabetes Typ 1
    4. Ernährung bei Diabetes Typ 2
  14. Bariatrische & metabolische Chirugie zur Behandlung des Diabetes
    1. Magenbypass Y-Roux
    2. Sleeve-Gastrektomie
    3. Resultate in Bezug auf den Typ 2 Diabetes nach bariatrischer und metabolischer Chirurgie 
  15. Diabetes und Sport
  16. Stress und Diabetes
  17. Diabetes und Alkohol
  18. Moderne Hilfsmittel für insulinpflichtige Diabetiker
  19. Studien und Erkenntnisse

Was ist Diabetes mellitus?

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselkrankheit, die durch einen dauerhaft erhöhten Zuckerspiegel im Blutplasma gekennzeichnet ist. Frühformen dieser Krankheit werden auch Prädiabetes mellitus (Diabetes-Vorstadium) genannt.

Diabetes Formen

Zwei Formen von Diabetes mellitus werden neben vielen verschiedenen Spezialformen unterschieden:

Diabetes mellitus Typ 1

Der Diabetes mellitus Typ 1 ist verursacht durch einen absoluten Insulinmangel, der durch eine autoimmunbedingte Zerstörung der Insulin-produzierenden Beta-Zellen innerhalb der Inseln der Bauchspeicheldrüse entsteht. Die Krankheit entwickelt sich über Jahre hinweg bis spürbare Symptome auftreten. Erst wenn die Mehrzahl der Beta-Zellen untergegangen sind, reicht das noch von ihnen produzierte Insulin nicht mehr aus, um genug Blutzucker in die Zellen zu schaffen um den Blutzuckerspiegel konstant zu halten. Innerhalb von kurzer Zeit treten dann die typischen Zeichen eines Typ 1 Diabetes mellitus auf.

Langfristige Folgen Typ 1

Langfristig entstehen durch die Überzuckerung (Hyperglykämie) Gefäßschäden im Bereich der großen und kleinen Arterien, Augen und Nieren. Zudem kann es zu akut gefährlichen Stoffwechselentgleisungen mit massiver Über- oder Unterzuckerung (glykämisches Koma) kommen. Maßgebend für die Diagnose ist das im Blut gemessene und beim Diabetes mellitus Typ 1 fehlende C-Peptid, einem im Syntheseprozess abgespaltenes Peptid des Vorläuferhormons Pro-Insulin.

Obwohl der Anteil an Typ 1 erkrankter Diabetikern nur etwa 10% der generell an Diabetes mellitus erkrankten Patienten ausmacht, nimmt die Zahl von Typ 1 Diabetikern stetig zu. Die Gründe dafür sind nicht bekannt.

Diabetes mellitus Typ 2

Beim Diabetes mellitus Typ 2 steht zwar genügend produziertes Insulin von der Bauchspeicheldrüse zur Verfügung, aber die übrigen Körperzellen reagieren immer weniger gut auf Insulin, bis sie schließlich unempfindlich (resistent) werden und nicht mehr auf Insulin ansprechen. Wenn dieses Stadium erreicht ist, redet man von einer 'Insulinresistenz'. In Wahrheit ist der Diabetes mellitus Typ 2 jedoch eine Mischung zwischen ungenügender Insulinproduktion (vor allem bei krankhaftem Übergewicht und Bewegungsmangel) und der oben beschriebenen 'Insulinresistenz', weswegen man auch verschiedene Unterformen unterscheidet.

Häufigste Formen des Typ 2 Diabetes

Diabetes mellitus Typ 2 tritt häufig während der Schwangerschaft auf (Schwangerschafts-Diabetes) und nimmt an Häufigkeit mit zunehmendem Alter zu (Alters-Diabetes). Trotz dieses Umstandes treten jedoch auch immer mehr Fälle von Typ 2 Diabetes unter Jugendlichen und sogar Kindern auf.

Langfristige Folgen Typ 2

Im Vordergrund stehen weniger akute Stoffwechselentgleisungen wie massive Über- oder Unterzuckerung, sondern die chronischen Folgekrankheiten wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Netzhautschaden und Nierenversagen. Diese sind im Endstadium jedoch gleich wie beim Diabetes mellitus Typ 1. Maßgebend für die Diagnose ist der Blutzuckerwert in nüchternem Zustand, der orale Glukosetoleranztest (oGTT) und der Langzeitblutzucker (HbA1C-Wert).

Schwangerschaftsdiabetes

Durch die veränderte Hormonzusammenstellung in der Schwangerschaft und ansteigendes Gewicht kann es zur Symptomatik des Schwangerschaftsdiabetes kommen. Hierbei wird grundsätzlich eine Therapie mittels Ernährung und Insulin erfolgen. Medikamente in Tablettenform sind bei Schwangerschaft kontraindiziert. Die Ernährung bei dieser Diabetesform gestaltet sich wie die beim Diabetes Typ 1.

Auch hier gilt es die Blutzuckerwerte in einem niedrigen Normbereich zu halten. Dies ist ideal für den Schutz von Mutter und Kind. Wird ein Schwangerschaftsdiabetes nicht erkannt oder behandelt, kann es zu einer Megalie des Fötus kommen. Das Baby wird größer und schwerer als normal. Spätfolgen können ein ebenfalls frühzeitiger Diabetes sowie andere Stoffwechselerkrankungen wie Bluthochdruck und eine Präposition für Übergewicht sein. Schäden an Organen wie Leber oder Niere sind ebenfalls möglich, da der Fötus an den Blutkreislauf der Mutter gekoppelt ist und entsprechend hohe Werte schlechter kompensieren kann als ein ausgewachsener Körper.

Wie häufig ist Diabetes mellitus?

Heute geht man weltweit von einer Zahl von über 525 Millionen Menschen aus, die an einer Form des Diabetes mellitus leiden. Dabei sind vor allem die Industrienationen, zunehmend aber auch die Schwellenländer davon betroffen.

Typ 2 Diabetes betrifft 8 Millionen Menschen in Deutschland

In Deutschland nimmt man an, dass fast 10% der Gesamtbevölkerung an Diabetes mellitus, vornehmlich der Typ 2 Form, leidet. Dies sind aktuell knapp 8 Millionen Einwohner. Diese Zahlen werden in den nächsten Jahren weiter zunehmen, was vor allem auch mit der zunehmenden Häufigkeit von Übergewicht (Adipositas mit einem Body Mass Index; BMI >30kg/m2) und dem damit verbundenen Bewegungsmangel gekoppelt ist. Sozioökonomisch stehen jedoch die durch den Diabetes mellitus verursachten Folgekrankheiten wie Schlaganfall, Herzinfarkt, Netzhautschaden und Nierenversagen im Vordergrund, die weltweit jährlich über 23.5 Billionen Euro Gesundheitskosten verursachen.

Anzahl der Erkrankten wird noch weiter steigen

Laut der Internationale Diabetes Föderation (IDF), einer weltweit agierenden Organisation zur Erforschung und Behandlung des Diabetes mellitus, wird die Anzahl der Typ 2 Diabetiker weltweit in den nächsten 20 Jahren von 525 Millionen auf mehr als 750 Millionen ansteigen, was überproportional zum Weltbevölkerungswachstum ist. Eine Erklärung für diese rasante Zunahme ist, dass neu erkrankte Typ 2 Diabetiker immer jünger werden, was bei der zunehmenden Zahl von übergewichtigen Kindern und Jugendlichen jetzt schon zu einem zusätzlichen Anstieg von Typ 2 Diabetes Neuerkrankungen geführt hat.

Was ist Prädiabetes?

Von einem Prädiabetes (Diabetes-Vorstadium) spricht man, wenn die Blutzuckerwerte in nüchternem Zustand erhöht sind, aber noch kein eigentlicher Diabetes mellitus gemessen am Langzeitblutzucker (HbA1C-Wert) vorliegt. Häufig sind die Patienten nur wenig übergewichtig und fühlen sich auch ansonsten gesund, weswegen dieses Stadium oft verpasst oder nur zufällig diagnostiziert wird. Prädiabetes oder auch Diabetes mellitus Typ 3, ist eine Vorstufe des Diabetes Typ 2. Charakteristisch für diese Vorstufe ist der schnelle Anstieg des Blutzuckers nach einer Gabe von Traubenzuckerlösung nach einer bzw. 2 Stunden. Ein Nüchternwert zwischen 100 und 125 mg/dl (5,6 bis 6,9 mmol/l) kann auf ein Typ-2-Diabetes-Vorstadium hinweisen.

Normale Werte

  • Blutzuckerkonzentration nüchtern: unter 100 mg/dl bzw. 5.6 mmol/l
  • Blutzuckerkonzentration 2 Stunden nach Gabe von Glukose bzw. nach dem Essen: nicht über 140 mg/dl bzw. 7.8 mmol/l
  • Langzeitblutzucker (HbA1C-Wert) unter 6.0%

Diabetes Werte

  • Blutzuckerkonzentration nüchtern: über 126 mg/dl bzw. 7,0 mmol/l
  • Blutzuckerkonzentration zu einem beliebigen Zeitpunkt (z. B. nach dem Essen): über 180 mg/dl bzw. 10,0 mmol/l
  • Langzeitblutzucker (HbA1C-Wert) über 7,5%

Abnorme Blutzuckerkonzentration 1 bzw. 2 Stunden nach Gabe von Glukose oder oraler Glukosetoleranztest werden verwendet, um die Kapazität der Insulinantwort auf eine definierten Glucoseexposition zu testen und liefern ein sehr feines Messinstrument für die Diagnose Diabetes mellitus. 

Diagnose des Diabetes Vorstadiums kann Diabetes Typ 2 verhindern

Die Erfassung eines Prädiabetes ist deswegen so wichtig, weil betroffene Patienten in mehr als 90% der Fälle innerhalb von wenigen Monaten an einem Diabetes mellitus Typ 2 erkranken werden. Und da die daraus resultierenden Folgekrankheiten langfristig gesehen schwere Schäden zur Folge haben und ein etablierter Diabetes mellitus Typ 2 nur sehr schwierig zu heilen ist, versucht man möglichst früh ein mögliches Diabetes-Vorstadium zu erfassen. Ist ein Prädiabetes diagnostiziert, so ist es wesentlich einfacher durch ausgewogene Ernährung und Bewegung diesen Zustand wieder zu normalisieren. Nur schon durch vermehrte Bewegung oder Sport (2- bis 3mal mehr als insgesamt 2 Stunden pro Woche) verbessert sich die Empfindlichkeit der Körperzellen gegenüber Insulin.

Mögliche Ursachen oder Risikofaktoren für einen Diabetes mellitus

Bevor wir Ursachen beziehungsweise Risikofaktoren für den Diabetes mellitus besprechen, schauen wir uns den normalen Zuckerstoffwechsel in unserem Organismus an:

Normaler Zuckerstoffwechsel im Organismus

Der Zucker wird nach der Nahrungsaufnahme bereits schon im Magen und später im Dünndarm durch das Enzym Amylase in seine kleinstmöglichen Bestandteile (Glucose) abgebaut, sodass diese Stoffe problemlos im Darm durch die Dünndarmschleimhautzellen resorbiert werden können. Von dort aus gelangt die Glucose über das Blut zuerst in die Leber und dann zu den Muskeln und zum Gehirn, wo er entweder gespeichert, umgebaut oder für die Energiegewinnung der Zellen verstoffwechselt wird.

Wichtiges Zusammenspiel zwischen Insulin & Glukagon

Für die wichtige Erhaltung eines stabilen Blutzuckerspiegels benötigt der Körper ein feines Zusammenspiel, um gefährliche Über- oder Unterzuckerungen (glykämisches Koma) zu verhindern. Dies steuert der Körper mit den Hormonen Insulin und Glukagon, die beide eine gegenteilige Wirkung auf den Blutzuckerspiegel haben. Währendem Insulin dafür sorgt, dass die Glucose in die Körperzellen gelangt und sich dadurch der Blutzuckerspiegel absenkt, mobilisiert Glukagon Glucose aus den Zellen und verursacht kurzfristig einen Blutzuckeranstieg. Durch dieses feine Zusammenspiel dieser beiden Hormone ist der Körper in der Lage kurzfristig genügend Energie für das Gehirn und die Muskeln auch über einen langen Zeitraum hin zur Verfügung zu stellen. Notfalls greift der Körper auf Eiweiß und Fette zurück, aus dem er falls nötig auch Glucose herstellen kann.

Wenn Störungen in diesem feinen Zusammenspiel entstehen, kann es zu Diabetes mellitus kommen. Dabei können aber auch andere Ursachen begünstigend schon über längere Zeit bestehen oder zusätzlich dazukommen, die schlussendlich Diabetes mellitus verursachen:

Die wichtigen Ursachen oder Risikofaktoren für Diabetes mellitus:

Familiäre Prädisposition

Bei der familiären Prädisposition für einen Diabetes mellitus sind genetische, aber auch epigenetische Phänomene wichtig. Genetisch gesehen sind fehlerhafte Gene oder Varianten von Genen bekannt, die eine wesentliche Funktion bei der Insulinproduktion und -freisetzung durch die Beta-Zellen spielen. Diese können einen Diabetes mellitus Typ 1 oder 2 begünstigen oder sogar mitverantworten. Da die Steuerung des Blutzuckerspiegels ebenfalls sehr eng genetisch mit dem Entstehen von Übergewicht verknüpft ist, sind auch hier verschiedene Genveränderungen bekannt (zum Beispiel das TCF7L2- oder das FTO-Gen), die bei der Freisetzung von Insulin eine wichtige Rolle spielen und Diabetes mellitus mitverursachen können. 

Bestimmte Genveränderungen erhöhen das Diabetesrisiko

Insgesamt sind mehr als hundert Gene bislang bekannt, die mit Diabetes mellitus Typ 2 und zum Teil auch Typ 1 in Verbindung gebracht werden können. Eine einzelne solche Genveränderung muss jedoch noch keinen eigentlichen Krankheitswert haben. Kommen aber viele solcher Veränderungen zusammen, erhöht sich natürlich das Risiko für Diabetes mellitus, insbesondere bei Belastungs- oder Ausnahmesituationen für den Stoffwechsel, wie zum Beispiel während einer Schwangerschaft. Ein nicht unerheblicher Teil von Schwangeren, die an 'Schwangerschafts-Diabetes' erkranken, entwickelt innerhalb weniger Jahre nach Ende einer Schwangerschaft ein Diabetes mellitus Typ 2.

Übergewicht und Bewegungsmangel

Übergewicht (Body Mass Index; BMI >30kg/m2) oder Adipositas kombiniert mit Bewegungsmangel führt in der Regel im Alter zu einer verminderten Muskelmasse und sind wesentliche Risikofaktoren für die Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2. Übergewicht, wie auch vermehrtes Bauchfett (viszerales Fett) erhöhen das Diabetesrisiko signifikant. Das Diabetesrisiko erhöht sich mit zunehmendem Übergewicht, besonders ab einem BMI von 27kg/m2. Ein Maß für das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 ist deshalb nicht nur der BMI, sondern auch der Bauchumfang (Taillenumfang). Bei Männern mit einem Taillenumfang von mehr als 102cm, ist das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2 wesentlich erhöht.

Rauchen

Nikotin (Rauchen) erhöht das Risiko für Diabetes mellitus Typ 2, was vor allem für Männer gilt. Die Mechanismen dazu sind nicht vollständig verstanden, aber wahrscheinlich wirken bestimmte Substanzen aus der Zigarette (Nikotin und Kohlenmonoxid) auf die Funktion der Bauchspeicheldrüse und die Insulinrezeptoren, aus. Zusätzlich erhöht das Rauchen die Freisetzung von freien Radikalen und den oxidativen Stress.

Medikamente und psychosoziale Risikofaktoren

Viele Medikamente fördern die Entstehung von Diabetes mellitus Typ 2 oder tragen zur Verschlechterung bei. Vor allem bei blutdrucksenkenden Medikamenten, Kortison und Antidepressiva wurde dieses Phänomen beobachtet. Aber auch chronischer Stress, Depressionen und eine hohe Arbeitsbelastung können zusammen mit den oben beschriebenen Faktoren die Erkrankung an Diabetes mellitus Typ 2 auslösen oder zumindest begünstigen.

Symptome für Diabetes mellitus

Anzeichen, an denen Sie eine Zuckerkrankheit erkennen können sind

Diagnoseverfahren, um Diabetes festzustellen

Die Diagnose Diabetes mellitus wird durch die Kombination einer nüchtern gemessenen überhöhten Blutzuckerkonzentration (Blutzuckertest), einem pathologischen oralen Glukosetoleranztest (Zuckerbelastungstest)und/oder einem erhöhten Langzeitblutzucker (HbA1C-Wert) gestellt.

Gestörte Glukosetoleranz bei Werten zwischen 140 - 200 mg/dl

Liegen die nüchtern gemessene Blutzuckerkonzentration unterhalb der Grenzwerte für einen Diabetes mellitus, sind aber dennoch höher als normal, spricht man von einer abnormen Nüchternglukose. Ist die Blutzuckerkonzentration zwei Stunden nach dem Trinken einer standardisierten Testlösung mit Glukose (oraler Glukosetoleranztest) zwar wieder unter 200mg/dl (Schwellenwert für einen Diabetes mellitus), aber nicht auf unter 140mg/dl normalisiert, so bezeichnet man dies als gestörte Glukosetoleranz.

Früherkennung des Diabetes mellitus

Diabetes mellitus ist eine sich langsam entwickelnde und schleichende Erkrankung. Eine frühe Erkennung dieser Krankheit ist deswegen enorm wichtig, um frühzeitig die notwendigen Therapien einleiten zu können. Es gilt vor allem das Risiko für einen Typ 2 Diabetes mellitus zu erkennen und dieses zu behandeln:

Diagnose Diabetes mellitus - So gehen Betroffene damit um

Wenn der Patient die Diagnose eines Diabetes mellitus erhält, so reagiert er häufig geschockt und verunsichert. Er sollte aber wissen, dass dieser Zustand zum Teil heilbar oder mindestens verbesserbar ist. Daran sollen sich die eigentlichen Behandlungen ableiten. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass der Patient die Diagnose akzeptiert und sich bewusst wird. Denn nur so wird es ihm gelingen zusammen mit einem Behandlungsteam entsprechende Therapien oder Änderungen im Lebensstil auch langfristig durchzuführen. Der Betroffene durchläuft dabei automatisch verschiedene Stadien der Diabetes mellitus Behandlung, die oft über den Therapieerfolg entscheiden:

Prognose und mögliche Folgeschäden

Unbehandelter oder schlecht eingestellter Typ 2 Diabetes mellitus führt über kurz oder lang zu mikro- und makrovaskulär bedingte Komplikationen, wie

Das Risiko für einen übergewichtigen Typ 2 Diabetiker an einem Hirnschlag oder Myokardinfarkt zu sterben ist um den Faktor 3 bis 5 höher im Vergleich zu gleichaltrigen Normalgewichtigen. 

Behandlung von Diabetes-Begleiterkrankungen

Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen gehören zu den häufigsten Begleiterkrankungen bei Diabetes Typ 2. Nutzen Sie daher die regelmäßigen Kontrolluntersuchungen beim Arzt, um ihr Risiko für Folgekrankheiten bei Diabetes mellitus zu verringern.

Bluthochdruck

Viele Diabetiker leiden an Bluthochdruck. Ein dauerhaft zu hoher Blutdruck schädigt jedoch zusätzlich und meist unbemerkt die großen und kleinen Blutgefäße und einige andere Organe, wie das Herz, die Augen und die Nieren. Für Diabetiker sollten die Blutdruckwerte deshalb etwas niedriger liegen als für gesunde Menschen. Die Zielwerte können je nach Alter variieren. Sprechen Sie in jedem Fall mit Ihrem Arzt darüber, welchen Blutdruckwert Sie anstreben sollten. Von Bluthochdruck spricht man, wenn die Werte bei mehreren Blutdruckmessungen an unterschiedlichen Tagen erhöht sind. Die Behandlung des Bluthochdrucks besteht aus zwei Maßnahmen: Zum einen ist dies die Basistherapie, die wie bei Diabetes aus einer möglichst gesunden Lebensführung besteht, das heißt:

Zum anderen gehört die medikamentöse Behandlung des Blutdrucks dazu. Es gibt heute eine Reihe von sehr gut wirksamen Bluthochdruck-Medikamenten. Als Medikamente der ersten Wahl zur Blutdrucksenkung für Diabetiker gelten bisher ACE-Hemmer, da sie den Verlauf einer diabetischen Nierenschädigung verlangsamen können. Sie sollten daher frühzeitig bei bereits bestehender Mikroalbuminurie (Eiweißausscheidung im Urin) gegeben werden. Außerdem gelten sie als bevorzugte Medikamente bei Diabetikern mit bereits eingetretener Herzinsuffizienz (Herzschwäche).

Diabetische Retinopathie

Die häufigste Augenerkrankung bei Diabetikern ist die sogenannte diabetische Retinopathie. Bei bis zu 80 % der Typ 2 Diabetiker sind bereits 15 bis 20 Jahre nach Beginn der Erkrankung Schäden an der Netzhaut festzustellen. Meistens entwickeln sich diese schleichend, sodass sie häufig erst spät entdeckt werden. Werden die Schäden früh erkannt, lassen sich die Augenerkrankungen und eine mögliche Erblindung aufhalten. Deshalb sollte jeder Diabetiker mindestens einmal im Jahr eine Spiegelung des Augenhintergrunds durchführen lassen. Die häufigste Behandlungsmethode bei diabetischer Retinopathie ist die sogenannte panretinale Laserkoagulation. Dabei werden mit einem Laser eingewachsene Blutgefäße verödet. Ist die Erkrankung fortgeschritten und droht eine Netzhautablösung oder Blutung, wird der das Augeninnere ausfüllende Glaskörper entfernt und gegen eine Ersatzsubstanz ausgetauscht.

Fettstoffwechselstörungen

Da Fettstoffwechselstörungen bei Diabetikern das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen stark erhöhen, müssen sie besonders sorgfältig behandelt werden. Wie genau die Therapie aussieht, ist von verschiedenen Faktoren abhängig, unter anderem von begleitenden Erkrankungen. Die Einteilung der Fettstoffwechselstörungen hängt von der Konzentration von Cholesterin und der Triglyzeride im Blut ab.

Man unterscheidet folgende Formen:

Jede Therapie der Fettstoffwechselstörung steht auf den gleichen drei Grundpfeilern:

In vielen Fällen kommt zusätzlich eine medikamentöse Therapie der Fettstoffwechselstörungen zum Einsatz. Als Medikamente werden dabei häufig sogenannte Statine angewendet.

Behandlung des Diabetes mellitus

Die klassische Behandlung des Typ 2 Diabetes mellitus umfasst eine Stufentherapie:

Erst, wenn durch diese konservativen Maßnahmen nicht gelingt den Blutzuckerspiegel zu normalisieren, folgen weitere medikamentöse Behandlungsschritte:

Antidiabetikum
Bereits schon heute diskutiert man in dieser Behandlungsphase den Einsatz von metabolischer Chirurgie (siehe 'chirurgische Verfahren zur Behandlung des Diabetes mellitus)

Mehrere orale Antidiabetika und/oder Insulin
Verschlechtert sich der Diabetes mellitus oder wird er erst in einem sehr späten Stadium erkannt, so bedarf es einer intensiven Kombinationstherapie:

Insulin- und Kombinationstherapieform

Gewichtsreduktion, aber wie? - Ansätze durch die Ernährungsberatung

Mangelndes Ernährungswissen, sowie ein Überangebot an fettreichen und süßen Nahrungsmitteln, fördern eine ungünstige, zu Übergewicht führende Ernährung. Essen zur Beruhigung oder Ablenkung oder Essen zur Belohnung begünstigen die Gewichtszunahme und erschweren eine Gewichtsreduktion, die nur auf Selbstkontrollstrategien und Restriktion beruht. 

Voraussetzungen für eine erfolgreiche Gewichtsreduktion

Essgewohnheiten entwickeln sich individuell im Laufe des Lebens unter kulturellem, familialem und sozialem Einfluss und werden von der jeweiligen Lebenssituation bestimmt. Zu den Essgewohnheiten zählen:

Versagen Strategien der durch die Ernährungsberatung implementierten Verhaltens- und Ernährungsmodifikation, so kommt immer häufiger die bariatrische und metabolische Chirurgie zur Anwendung. Hier spielt die begleitende Ernährungsberatung eine zentrale Rolle. 

Inhalte der Ernährungsberatung

Das Prinzip der Gewichtsreduktion basiert auf einer negativen Energiebilanz. In der Theorie ist eine Gewichtsreduktion relativ einfach zu erklären. Eine negative Energiebilanz aber langfristig aufrecht zu erhalten, bedingt wie erwähnt grundlegende Veränderungen im Lebensstil und viel Durchhaltevermögen, auch bei Rückschlägen.

Verhaltens- und Ernährungsmodifikation

Das Ernährungswissen von Übergewichtigen und Adipösen deckt sich oft nicht mit ihrem Essverhalten. Dies kommt daher, dass das Essverhalten nicht nur vom Wissen über Ernährung, sondern auch durch viele andere Faktoren wie Erziehung, Gewohnheiten, Stimmung oder Stress beeinflusst wird. Diesem Umstand muss in der Ernährungsberatung Rechnung getragen werden. Grundvoraussetzung zur Veränderung von Problemverhalten stellt die Selbstbeobachtung dar.

Ernährungsprotokoll deckt die Gewichtsfallen auf

In der Ernährungsberatung kann dazu ein Essprotokoll eingesetzt werden. Dies ist sowohl in der präbariatrischen, sowie auch postbariatrischen Phase sehr hilfreich, wenn der Patient ungewollt wieder deutlich an Gewicht zunimmt. Dabei ist es wichtig, dass die Patienten dazu angeleitet werden, die Realität zu protokollieren, beziehungsweise alles möglichst wahrheitsgetreu zu notieren, was sie über einen bestimmten Zeitraum essen. Um den Druck, bereits ein perfektes Protokoll abliefern zu müssen, etwas zu schmälern, kann man die Patienten auch bitten, schlechte Tage zu protokollieren. Mit dem Protokoll können einerseits Stimmungen oder Tätigkeiten, welche zum Essen veranlassen und andererseits auch die Konsummenge und Konsumhäufigkeit sämtlicher Lebensmittel erfasst und analysiert und daraus konkrete Optimierungsmöglichkeiten abgeleitet werden.

Auf diese Weise können in der Beratung konkrete Strategien zur Bewältigung schwieriger Situationen, wie beispielsweise stress- oder stimmungsabhängiges Essen, Verlangen nach Süßigkeiten, Umgang mit Einladungen und Auswärtsessen besprochen werden.

Ziele einer erfolgreichen Ernährungsberatung

Anzustreben sind eine gesunde, ausgewogene Ernährung und keine restriktive Diät mit rigiden Vorgaben wie Listen oder Plänen. Es werden keine Lebensmittel verboten, sondern aufgezeigt, welche Lebensmittel kalorienreicher oder -ärmer sind und wie kalorienreiche Lebensmittel betreffend Konsummenge und Konsumhäufigkeit in den Alltag eingebaut und auch ausgeglichen werden können. Weiter wird besprochen, wie eine ausgewogene Mahlzeit zusammengestellt ist, welche Vorteile ein individuell angepasster Mahlzeitenrhythmus auf das Sättigungsgefühl haben kann und wie eine höher ausfallende Kalorienzufuhr, durch eine bewusste Einkaufs- und Menü Planung ausgeglichen werden kann.

Das Wesentliche für eine langfristig erfolgreiche Gewichtsreduktion ist jedoch, dass das Essen für den Patienten genussvoll ist und nach wie vor Spaß macht.

Ernährung bei Diabetes Typ 1

Als Typ 1 Diabetiker ist eine ausgewogene Ernährung mit Schwerpunkt auf die Kohlenhydratzufuhr unablässig. Dabei werden Einfachzucker wie

den Blutzuckerspiegel stärker ansteigen lassen, als komplexe Zuckervarianten aus Vollkorn und Gemüse.

Komplexe Kohlenhydrate halten die Blutzuckerspiegel im Normbereich

Daher sollten komplexe Kohlenhydrate stets bevorzugt werden. Diese werden langsamer verdaut, gehen entsprechend langsam und verzögert ins Blut über und erzeugen so einen sanften Anstieg des Blutzuckers in den Normwerten.

Vorsicht! Schneller Blutzuckeranstieg bei Weißmehlprodukten & Obst

Vorsichtig zu genießen sind Produkte wie Nudeln aus hellem Mehl, Reis und Kartoffeln sowie helles Brot, Weintrauben, Birnen, Bananen und Hülsenfrüchte wie Mais und Erbsen. All diese Lebensmittel führen zu einem schnellen Blutzuckeranstieg und können eine Über- und (bei Abfall der Konzentration) eine Unterzuckerung begünstigen.

Laktose gehört auch zu den ungünstigen Einfachzuckern

Ebenfalls zu beachten sind Milchprodukte die Laktose, also Milchzucker enthalten. Auch dieser zählt zu den bereits erwähnten Einfachzuckern und findet sich in "flüssigen" Produkten wie Milch und Joghurt.

Lebensmittel speziell für Diabetiker mit Zuckeraustauschstoffen

Des Weiteren bietet der Markt spezielle Lebensmittel, eigens für Diabetiker. In diesen Produkten, die vor allem den Ersatz beim Genuss von Süßwaren dienen, wurden Zuckeraustauschstoffe verwendet, die den Blutzuckerspiegel nicht zusätzlich belasten. Somit kann das ein oder andere Stück Schokolade sinnvoll ausgetauscht werden. Wer diese recht teuren Hilfsmittel meiden will, dem sei zu dunklen Schokoladen mit einem hohen Kakaoanteil von mindestens 70% geraten.

Ernährung bei Diabetes Typ 2

Bei der Lebensmittelauswahl und Nahrungszusammenstellung bei einem bestehenden Diabetes Typ 2 ist es oftmals sinnvoll, nicht nur die Kohlenhydrate, wie bereits beim Typ 1 Diabetes besprochen, zu beherzigen. Häufig geht dieser Diabetestyp mit Übergewicht einher, welches möglichst gemindert werden sollte. Denn eine Abnahme an Körpergewicht kann zur deutlichen Verbesserung der Symptomatik beitragen und somit die Medikamentendosierung verringern oder ganz unnötig werden lassen.

Kohlenhydrate werden nach einem BE-Schema über den Tag verteilt

Beim Typ 2 Diabetes wird der behandelnde Arzt oder der betreuende Diätassistent darauf aus sein, eine bestimmte Kohlenhydratmenge sinnvoll über den Tag zu verteilen. Dies geschieht in einem BE-Schema. Darin finden Sie die individuelle Empfehlung für sich, wie viele Kohlenhydrate (angegeben in Broteinheiten - BE oder Kohlenhydrateinheiten - KE) pro Mahlzeit konsumiert werden sollten. Dabei hat ein BE = 12g Kohlenhydrate, die vereinfachte Form KE weist 10g Kohlenhydrate pro Einheit auf.

Dadurch soll der Blutzuckerspiegel über den Tag möglichst konstant gehalten werden.

Unterstützung der Gewichtsreduktion durch weniger Kalorien

Des Weiteren kann es sinnvoll sein, einen Blick auf die tägliche Energiemenge zu werfen. Mithilfe der Ermittlung der täglich benötigten Kalorien kann eine Planung erfolgen, die eine Gewichtsreduktion unterstützt. Wichtig hierfür: Weniger Fett, weniger süß, weniger salzig. Letzteres wird vor allem angeraten, um unnötige und belastende Wassereinlagerungen zu verhindern und einem Bluthochdruck, der sich gern zu Adipositas und Diabetes gesellt, zu vermeiden oder in seiner Entstehung einzudämmen.

Gewichtsabnahme im Rahmen einer Diabetesbehandlung verlangt keine Light-Produkte

Wird das Gewicht im Rahmen der Diabetesbehandlung reduziert, ist es völlig unnötig auf Light-Produkte zurückzugreifen. Diese weisen einen geringeren Fettanteil auf - besonders bei Wurstwaren, Käse und Joghurt. Dafür wird der dadurch verminderte Geschmack jedoch häufig über ein Plus an zugesetztem Zucker wettgemacht. Für einen bestehenden Diabetes mellitus also kontraproduktiv.

Chirurgische Verfahren zur Behandlung des Diabetes mellitus - Bariatrische und metabolische Chirurgie

Der Anteil von Patienten mit gestörter Glukosetoleranz oder Typ 2 Diabetes mellitus unter den Übergewichtigen beträgt in etwa ein Drittel aller operierter bariatrischer Patienten. Die dabei beobachtete rasche Verbesserung des Blutzuckerstoffwechsels tritt zum Teil schon innerhalb der ersten Tage nach der Operation auf, was mit den Inkretinhormonen wie zum Beispiel das Glucacon-like peptide (GLP)-1 im Zusammenhang steht.

Erklärungsversuche
Die Gewichtsreduktion nach bariatrischen und metabolischen Operationen alleine kann diese Verbesserung nicht erklären. Inkretine werden besonders im unteren Dünndarm gebildet. Werden diese Darmabschnitte in den oberen Magen-Darm-Trakt verpflanzt oder die Transitzeit des Nahrungsbreis verkürzt, so kommen sie nach dem Essen schneller mit Nahrung in Kontakt, was eine starke Ausschüttung von Inkretinhormonen zur Folge hat. Dies führt zu einer Verbesserung des Glucosestoffwechsels. Die metabolische Chirurgie zielt grundsätzlich darauf ab, spezifisch diesen hormonellen Mechanismus für die Behandlung von Typ 2-Diabetes zu nutzen. Sie ist also nicht primär auf die Induktion einer Gewichtsreduktion ausgerichtet, sondern auf eine Verbesserung des Metabolismus.

Der proximale Magenbypass Y-Roux oder die Sleeve-Gastrektomie gehören zu den heute am häufigsten durchgeführten bariatrischen und metabolischen Operationen.

Magenbypass Y-Roux

Beim Magenbypass Y-Roux erfolgt die Bildung eines kleinen (ca. 20-30 ml) Magenpouches, der vom restlichen Magen abgetrennt und mit einer nach Roux-Y ausgeschalteten Jejunalschlinge verbunden wird (Gastrojejunostomie). Dadurch wird das Duodenum komplett vom Nahrungsbrei ausgeschlossen, was auch zu einer erhöhten Sekretion von GLP-1 führt. Die Fußpunktanastomose erfolgt in der Regel 50 bis 100cm distal des Ligamentum Treitz und 150cm distal der Gastrojejunostomie. Beim Magenbypass Y-Roux beträgt dadurch die Länge der resorptiven Dünndarmstrecke in der Regel weit mehr als 200cm.

Sleeve-Gastrektomie

Bei der Sleeve-Gastrektomie wird mehr als die Hälfte des Magens großkurvarturseits reseziert, was einerseits zu einer Nahrungsrestriktion, aber auch durch den beschleunigten Transit des Nahrungsbreis zu hormonellen Umstellungen ähnlich wie beim Magenbypass Y-Roux führt. Wesentlicher Präparationsschritt der Sleeve-Gastrektomie ist die gesamte Dissektion der großen Magenkurvatur magenwandnah unter Durchtrennung des Ligamentum gastrocolicum und gastrosplenicum mitsamt den Vasa gastricae breves. Nach Vervollständigung der Präparation bis zum linken Zwerchfellschenkel beginnt die Staplerresektion ungefähr 4 bis 6cm oral des Pylorus unter entsprechender Kalibrierung mit einer Sonde (32-40French). Die Bergung des Magenresektates erfolgt über eine Erweiterung einer Trokarinzision.

Resultate in Bezug auf den Typ 2 Diabetes nach bariatrischer und metabolischer Chirurgie

Neuste Studien berichten, dass die bariatrische und metabolische Chirurgie zusammen mit einer intensiven antidiabetischen Therapie nach 5 Jahren in 38% (Magenbypass Y-Roux) und 24% (Sleeve-Gastrektomie) der Patienten eine komplette Remission des Typ 2 Diabetes bewirkt. Dies war statistisch klar besser als eine intensive antidiabetische Therapie alleine, die nur in 5% dieser Fälle eine Remission erreichte. Zusätzlich war auch Gewichtsabnahme, der Einsatz an antidiabetischer Medikation, sowie die Lebensqualität in der Gruppe der operierten Patienten deutlich besser.

Nachhaltigkeit der bariatrischen und metabolischen Chirurgie

In einer kürzlich veröffentlichten Studie konnte zudem der nachhaltige Effekt der bariatrischen und metabolischen Chirurgie auf die Remissionrate des Typ 2 Diabetes mellitus bewiesen werden. Bei Patienten unter alleiniger intensiver antidiabetischer Therapie hatten alle nach 5 Jahren erneut Typ 2 Diabetes mellitus, wohingegen die operierten Patienten zu 50% auch keine Antidiabetika mehr einnehmen mussten. Diese Studie unterstreicht vor allem die Nachhaltigkeit der bariatrischen und metabolischen Chirurgie gegenüber einer intensiven antidiabetischen Therapie in Bezug auf den Typ 2 Diabetes mellitus.

In der Swedish Obesity Study (SOS) konnten die obigen Resultate auch auf einen Zeithorizont von 15 Jahren hin reproduziert werden. Interessanterweise waren jedoch deutliche Unterschiede in Bezug auf die Diabetesdauer und der verbliebenen Insulinrestfunktion zu sehen. So schnitt Patienten mit einer kürzeren Diabetesdauer deutlich besser als Langzeitpatienten mit installierter Insulintherapie.

Stellenwert der bariatrischen und metabolischen Chirurgie in der Diabetestherapie

Die bariatrische und metabolische Chirurgie ist nicht nur eine, sondern die effektivste Therapieoption bei übergewichtigen Typ 2 Diabetikern. Für die wichtigsten heute durchgeführten Eingriffe (Magenbypass Y-Roux oder Sleeve-Gastrektomie) liegen hochwertige randomisierte Untersuchungen vor, die einen eindeutigen Vorteil für die chirurgische Therapie nachweisen konnten. Zahlreiche Studien belegen, dass bariatrische und metabolische Operationen sowohl durch gewichtsreduktionsabhängige als auch -unabhängige Mechanismen zu einer deutlichen Verbesserung der glykämischen Kontrolle führen können.

Kurzzeitdiabetiker eignen sich besser für eine bariatrische Operation

Eines der wichtigsten Kriterien für einen chirurgischen Eingriff ist die Bereitschaft des Patienten, seinen Lebensstil zu ändern und den Eingriff als Hilfestellung anzunehmen, sowie eine möglichst kurze Diabetesdauer. In Frage kommen in erster Linie Patienten mit einer Diabetesdauer von weniger als 5 Jahren und ausreichender Insulinrestfunktion (ablesbar an einem relativ geringen Bedarf an antidiabetischer Therapie). Patienten mit langjähriger Insulintherapie sind aus diabetologischer Sicht weitaus weniger für eine bariatrische Operation geeignet, weil die Remissionswahrscheinlichkeit nur noch gering ist.

Die Nachsorge von bariatrisch und metabolisch operierten Patienten ist von immenser Bedeutung für den Behandlungserfolg und die Zufriedenheit der Patienten. Daher kommt der Compliance der Patienten bei der präoperativen Evaluierung eine wichtige Rolle zu. 

Diabetes und Sport

Sport ist gesund und kann dabei helfen, den eigenen Blutzucker in den Griff zu bekommen. Besonders Typ 2 Diabetiker mit bestehendem Übergewicht profitieren davon. Denn wird sich körperlich betätigt zieht der Körper zuerst Energie aus dem verstoffwechselten Zucker. Somit senkt Sport den Blutzucker aktiv.

Zu viel Sport kann eine Unterzuckerung auslösen

Hier verbirgt sich jedoch auch ein gewisses Risiko. Wird die körperliche Betätigung übertrieben, kann es dabei schnell zu einer Unterzuckerung kommen. Besonders Leistungssportler mit Typ 1 Diabetes gehören zur Risikogruppe. Daher sollte vor dem Sport eine kohlenhydratreiche Mahlzeit auf dem Speiseplan stehen. Während der Einheit können isotonische Getränke oder Traubenzucker, bei den ersten Symptomen des Unterzuckerns, schnelle Abhilfe schaffen.

Langsamer Einstieg hält Blutzuckerspiegel konstant

Untrainierte sollten es vor allem ruhig und langsam angehen lassen und dabei stets ein Augenmerk auf ihren Körper haben. Ideal sind zu Beginn eine halbe Stunde moderate Bewegung wie Spazierengehen oder Walken. Dies regt den Stoffwechsel an, senkt auf Dauer den Blutdruck, schützt das Herz und sorgt für einen ausgeglichenen Blutzuckerspiegel.

Stress und Diabetes - Der wunde Punkt

Stress und die entsprechende Hormonreaktion und Diabetes stehen in einem unmittelbaren Wechselspiel. Gerät der Körper in Stress wird schlagartig gespeicherter Zucker frei. Dieser Mechanismus stellt seit Urzeiten die Energie bereit, um dem Organismus schnelle Energie für den Kampf oder die Flucht bereitzustellen. In modernen Zeiten sieht der Stress des Menschen natürlich anders aus. Büroalltag, nervige Kollegen, anderweitige Überforderung im Job - dies sind die Feinde, die den Stresspegel in die Höhe schnellen lassen.

Stressmanagement als Teil der Diabetes-Therapie

Daher ist ein geeignetes Stressmanagement ebenso Teil der Diabetes-Therapie. Dabei stehen Sport als Ausgleich und gezieltes erlernen von Entspannungstechniken auf dem Plan. Besonders häufig wird dabei die progressive Muskelrelaxion angesetzt. Minimale Bewegungen und Affirmationen sorgen dabei für Entspannung und helfen den Stress aktiv abzubauen.

Diabetes und Alkohol

Alkohol als Genussmittel sollte wahrlich sparsam und in nur kleinen Mengen konsumiert werden. Die bestehende Gefahr bei allen Diabetestypen: Unterzuckerung. Besonders hochprozentige Spirituosen belasten die Leber stark und solange Alkohol abgebaut wird, ist die Verdauung von Kohlenhydraten gehemmt. Dies führt über einen bestimmten Zeitraum zu einer geringen Blutzuckerkonzentration. Besonders nachts besteht hierbei die Gefahr einer Unterzuckerung, ohne diese zu bemerken.

Ist der Alkohol jedoch abgebaut, steigt der Blutzucker rapide an und führt zu einer Zuckerspitze. Dieser Überzuckerung muss mittels Gabe von Insulin eingedämmt werden bzw. sollten Diabetiker mit Tabletten hier darauf achten, besonders am Morgen nicht zu viele einfache Kohlenhydrate zusätzlich aufzunehmen.

Moderne Hilfen für insulinpflichtige Diabetiker

Die permanente Kontrolle des Blutzuckers und die entsprechende Gabe von Insulin können auf lange Sicht stark belastend wirken. Besonders bei der Blutzuckerkontrolle gibt es bereits Hilfsmittel, die das ständige Stechen für den Blutstropfen zur Prüfung entfallen lassen. Mithilfe eines keinen Implantats oder Pflasters und einer App fürs Smartphone kann beispielsweise auf moderne und schmerzfreie Art der Blutzuckerspiegel geprüft werden.

Insulinpumpe für Typ 1 Diabetes

Für schwer einstellbare Diabetes Typ 1 Patienten hat sich eine Insulinpumpe bewährt. Dieses System erkennt die Blutzuckerkonzentration und führt entsprechend die benötigte Insulinmenge zu. Dadurch können Patienten, die zu häufigen und unkontrollierbaren Schwankungen neigen, ein beruhigteres und sicheres Leben führen. Die Angst vor beiden Extremen der Blutzuckerentgleisung entfällt.

Studien und Erkenntnisse

Schwangerschaftsdiabetes mittels HbA1c-Bestimmung ("Langzeitzucker") früher erkennbar
Schwangerschaftsdiabetes und Übergewicht nehmen in der Bevölkerung zu. Bekannt ist, dass ein schlecht eingestellter Diabetes oder ein spät erkannter Schwangerschaftsdiabetes zur Makrosomie (gesteigertes Größenwachstum) des ungeborenen Kindes führen kann. Zusätzlich hat ein solches Kind später ein erhöhtes Risiko für Übergewicht. Bislang wird ein Zuckerbelastungstest mit 50 g Zucker in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche zur Feststellung eines Schwangerschaftsdiabetes empfohlen. Zu diesem Zeitpunkt hat sich der Diabetes allerdings eventuell schon auf den Fetusausgewirkt.

2.802 Frauen mit einem niedrigen Schwangerschaftsrisiko wurden in den Jahren 2009 bis 2013 untersucht. 107 Frauen entwickelten einen Schwangerschaftsdiabetes. Diese Frauen wurden mit 214 Frauen verglichen, die keinen Schwangerschaftsdiabetes entwickelten. Grundlage des Vergleichs waren vier Blutabnahmen zu unterschiedlichen Zeitpunkten in der Schwangerschaft. Es wurde festgestellt, dass ein erhöhter HbA1c-Wert (Langzeitzucker) bereits in der Frühschwangerschaft (10. Schwangerschaftswoche) ein Risiko für einen Schwangerschaftsdiabetes darstellte. Pro 0,1Prozentpunkte der HbA1c-Wert-Erhöhung stieg das Risiko für Schwangerschaftsdiabetes um 23 %

Ob sich der HbA1c-Wert als Früherkennungstest lohnt, soll in Interventionsstudien getestet werden, in denen die betroffenen Schwangeren frühzeitig mit Metformin behandelt werden sollen. Hier geht's zur Studie.

Hirnschrittmacher könnte Insulin-Bedarf bei Typ 2 Diabetes senken
Manche wissenschaftlichen Entdeckungen beruhen gänzlich auf Zufällen - so auch diese: Ein 53-jähriger Patient, der an Zwangsstörungen litt, erhielt einen Hirnschrittmacher. Als Nebenerkrankung bestand ein Typ-2-Diabetes, weshalb der Patient Insulin spritzen musste. Nach dem Einsetzen des Hirnschrittmachers bemerkte der Patient, dass er statt 226 I.E. Insulin nur noch 180 I.E. spritzen musste und teilte dies seinen Ärzten mit. Theoretisch hätte dies am Absetzen des Antipsychotikums Quetiapin liegen können - doch dafür reduzierte sich der Insulinbedarf eindeutig zu schnell. Der Verdacht bestand, dass das freigesetzte Dopamin aus dem Belohnungssystems des Gehirns eine Rolle in der Insulinwirkung spielte. Im Tierexperiment an Mäusen war dieser Zusammenhang bereits belegt worden.

Die Ärzte entschieden sich, den Patienten direkt zu testen und sie beurteilten den Stoffwechsel bei aus- und angeschaltetem Hirnschrittmacher. Tatsächlich war die Zuckerverteilung auf die Zellen und die Insulin-Wirkung besser bei angeschaltetem Hirnschrittmacher und der Körper bildete weniger freie Fettsäuren. Daraufhin wurden weitere 14 Patienten untersucht, die wegen Zwangsstörungen einen Hirnschrittmacher implantiert bekommen hatten. Von diesen waren sieben übergewichtig, aber keiner litt an Typ-2-Diabetes. Trotzdem bestätigte sich die bessere Insulin-Wirkung. Der Effekt war bei den Übergewichtigen noch stärker ausgeprägt als bei den Schlanken.

Im nächsten Schritt verabreichte man zehn gesunden Teilnehmern Alpha-methyl-p-Tyrosin, das die Dopamin-Synthese im Gehirn hemmt. Es zeigte sich, dass die Insulinwirkung schlechter ausfiel, wenn weniger Dopamin im Gehirn ausgeschüttet wurde. Zum Schluss bestätigte man die Ergebnisse im Tierversuch mit Mäusen, indem die Dopamin-produzierenden Nervenzellen gezielt angeschaltet wurden.
Ein Hirnschrittmacher wäre für die Therapie des Typ-2-Diabetes natürlich übertrieben - allerdings könnten demnächst Diabetes-Medikamente entwickelt werden, deren Wirkung im Gehirn ansetzt. Hier geht's zur Studie.

TEDDY-Studie: Gentest bei Babys sagt Typ 1 Diabetes voraus
Für den Diabetes mellitus sind Risiko-Gene bekannt, darunter auch Merkmale auf unseren weißen Blutkörperchen. Diese sogenannten HLA-Loci werden seit Jahren zur Risikoeinschätzung herangezogen, sind dabei allerdings ungenau. Mittlerweile sind etwa 40 weitere Genvarianten identifiziert worden, die ebenfalls mit einem Risiko für Diabetes einhergehen. Ein deutsches und ein britisches Wissenschaftler-Team haben jeweils unabhängig voneinander zwei Scores für die Risikoberechnung erstellt, den Winkler-Score und den Oram-Score. Eine Forschergruppe aus München hat nun beide Scores miteinander kombiniert und an knapp 3.500 Kindern getestet, die aufgrund ihrer HLA-Merkmale bereits ein erhöhtes Diabetesrisiko hatten. In den Nachkontrollen wurde untersucht, ob die Kinder die für den Diabetes mellitus Typ 1 typischen Antikörper entwickelten und ob sich ein Diabetes manifestierte. Der kombinierte Risikoscore zeigte sich dabei als recht zutreffend. Die weitere Überprüfung ist für das nächste Jahr an einer größeren Gruppe von 300.000 Säuglingen geplant. Hier geht´s zur Studie.

Prädiabetes: Bittermelonen-Extrakt senkt Blutzucker
Beim Prädiabetes liegen erhöhte Werte des Nüchtern-Blutzuckers (100 bis 125 mg/dl) vor, erreichen aber die Schwelle zum Diabetes (126 mg/dl Nüchtern-Blutzucker) nicht. Der Übergang des Prädiabetes in einen "richtigen" Diabetes kann durch Veränderung des Lebensstils verhindert werden. In der Studie erhielten 52 Teilnehmer mit Prädiabetes entweder acht Wochen lang 2,5 g Bittermelonen-Extrakt in Pulverform oder ein Placebo. Nach diesen acht Wochen folgte eine "Auswasch-Phase" von vier Wochen und dann wurden die Gruppen getauscht. Wer also zuvor den Bittermelonen-Extrakt erhalten hatte, bekam nun das Placebo. Es zeigte sich, dass bei der Einnahme des Bittermelonen-Extraktes niedrigere Nüchtern-Blutzucker auftraten! Hier geht´s zur Studie.

Chinesische Diät verringert bei Typ 2 Diabetes den HbA1c-Wert
Schon seit längerem ist bekannt, dass die eigene Gesundheit eng mit den Darmbakterien verbunden ist. Das Interesse des chinesischen Forscherteams wecken jene Bakterien, die für den Menschen unverdauliche Kohlenhydrate zu kurzkettigen Fettsäuren umwandeln. Der Prozess wird als bakterielle Fermentation bezeichnet. Verfügt ein Mensch nur über wenig kurzkettige Fettsäuren, scheint dessen Risiko für einen Typ 2 Diabetes mellitus zu steigen. Im Umkehrschluss müssten sich diese Fettsäuren positiv auf den Blutzuckerspiegel auswirken.

Um das zu überprüfen, teilten die Forscher 30 Typ 2 Diabetiker in zwei Gruppen auf. 16 Personen sollten sich wie zuvor ernähren, 14 erhielten über 12 Wochen zusätzlich Dosennahrung mit einem vorgefertigten Brei. Dieser Brei enthielt Hafer, Bohnen, Mais, Yamswurzel, Erdnüsse und Lotussamen und sollte mit drei unterschiedlichen Zusätzen gekocht werden. Diese Zusätze enthielten chinesische Heilkräuter und Substanzen, die die bakterielle Fermentierung erleichtern sollten. Die Forscher achteten darauf, dass die tägliche Zufuhr von Energie und Makronährstoffen in beiden Gruppen identisch war.

Nach Ablauf der zwölf Wochen wurden Stuhlproben der Teilnehmer untersucht und der Langzeitzucker (HbA1c-Wert) bestimmt. In der Diätgruppe ließen sich im Stuhl mehr fermentierende Bakterien nachweisen. Der HbA1c-Wert hatte sich nach 28 Tagen bei 89 % in der Diätgruppe, aber nur bei 50 % der Kontrollgruppe unter sieben Prozent gesenkt. Es fiel außerdem auf, dass Probanden der Diätgruppe niedrigere Blutzuckerspiegel nach den Mahlzeiten aufwiesen.

Dies scheint die Vermutung zu belegen, dass viel raffinierter Zucker und Fett die Darmflora verarmen lassen könnten, wohingegen ballaststoff- und faserreiche Kost die Vielfalt der Darmbakterien fördert. Hier geht´s zur Studie.

Erstes Diabetes-Medikament ("Amglidia") für Neugeborene zugelassen!
Der Neugeborenen-Diabetes ist eine sehr seltene Erkrankung, bei der Diabetes mellitus während der ersten sechs Lebensmonate auftritt. Dieser ist potentiell lebensbedrohlich. Lange gab es kein Medikament für betroffene Säuglinge, sodass häufig Glibenclamid, das in der Behandlung von Typ 2 Diabetes eingesetzt wird, gemörsert und mit Wasser vermischt wurde. Die Wirkung dieser selbstgemachten Mischung war oft nicht sicher vorhersehbar. Mit "Amglidia" ist nun ein orales Glibenclamid-Präparat verfügbar, das bei Säuglingen sicher angewendet werden kann. In der Studie konnten nur zehn Patienten untersucht werden, weil die Erkrankung so selten ist. Aber alle Säuglinge zeigten gute, vorhersehbare Blutzuckerwerte und mussten weniger oder kein Insulin per Spritze verabreicht bekommen. Hier geht´s zur Studie.

Kontaktlinse kann Blutzuckerwerte in der Tränenflüssigkeit messen und Diabetiker warnen!
Tragbare Messgeräte für Puls und Blutdruck sind bei Patienten und (Hobby-)Sportlern bereits weit verbreitet. Nun arbeiten Forscher an einem Sensor, der den Blutzuckerspiegel regelmäßig überprüft und gegebenenfalls vor Unter- oder Überzuckerungen warnt. Entwickelt wurde eine weiche Kontaktlinse, deren Schaltkreise aus durchsichtigen und flexiblen Nanostrukturen bestehen. Eine kabellose Signalweiterleitung an einen Monitor ist inbegriffen. Der Glukose-Sensor der Kontaktlinse misst den Zuckergehalt in der Tränenflüssigkeit, der mit dem Blutzuckerspiegel korreliert. Die Kontaktlinse ist angenehm zu tragen, reizt das Auge nicht und schränkt das Sehvermögen nicht ein. Getestet wurde bislang vor allem an Hasen, weitere Tests an Menschen sind notwendig. Hier geht´s zur Studie.

Weniger Unterzuckerungen und Ketoazidosen bei Kindern mit Typ 1 Diabetes durch Insulinpumpen
Insulinpumpen haben sich in Langzeitstudien bereits bewährt. Forscher wollten nun aber untersuchen, ob die Pumpen auch kurzfristig von Vorteil sind. Dazu wurden 2011 bis 2015 etwa 30.500 Patienten aus 446 Diabetes Zentren untersucht. Alle Patienten waren unter 20 Jahre alt (im Durchschnitt 14 Jahre) und der Diabetes bestand bereits über ein Jahr. Herausgerechnet wurden die Faktoren Alter, Geschlecht, Krankheitsdauer, Migrationshintergrund, BMI und Langzeitzucker (HbA1c). Etwa die Hälfte der Teilnehmer musste mindestens viermal am Tag Insulin spritzen, die andere Hälfte hatte dafür die Insulinpumpe. Die Wissenschaftler werteten die Häufigkeit von schweren Unterzuckerungen und Ketoazidosen (Übersäuerung des Körpers bei Mangel von Zucker in den Zellen) aus. Mit Pumpe würden 9,55 von 100 Patienten im Verlauf eines Jahres eine schwere Unterzuckerung erleiden. Ohne Pumpe wären es fast 14. Auch die Ketoazidose war seltener: Im Verlauf eines Jahres würde bei 3,64 von 100 Patienten eine Ketoazidose auftreten. Ohne Pumpe beliefe sich die Zahl auf 4,26 von 100 Patienten in einem Jahr. Für den BMI ergab sich kurzfristig kein Unterschied, allerdings war der Langzeitzuckerwert (HbA1c) in der Gruppe mit Insulinpumpe besser. Hier geht´s zur Studie.

Schützt Linolsäure aus Pflanzenöl vor Diabetes mellitus Typ 2?
Mehrfach ungesättigte Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren genießen einen guten Ruf als gesunde Fette. Das gemeinsame Ergebnis von 20 Studien aus zehn Ländern weist nun darauf hin, dass die Omega-6-Fettsäure Linolsäure aus Pflanzenöl vor einem Diabetes mellitus Typ 2 schützen könnte. Im Rahmen der Studien wurden fast 40.000 Erwachsene von 1970 bis 2010 beobachtet und im Blut die Konzentration von Linolsäure und ihrem Abbauprodukt Arachidonsäure bestimmt. Mögliche Störfaktoren wie Alter, BMI, Geschlecht, Anteil der Omega-3-Fettsäuren und genetische Einflüsse wurden herausgerechnet. Die Wissenschaftler stellten fest, dass ein hoher Anteil der Linolsäure am Gesamtgehalt der Fettsäuren einen Langzeit-Schutz vor Typ 2 Diabetes darstellt. Arachidonsäure hatte keinen Einfluss auf das Diabetesrisiko. Hier geht´s zur Studie.

Typ 1 Diabetes: besserer Langzeitzucker durch SGLT-Hemmer Sotagliflozin
Sotagliflozin ist der erste SGLT-Hemmer, der sowohl SGLT1 als auch SGLT2 hemmt. SGLT1 spielt eine Rolle bei der Zuckeraufnahme über den Darm, während SGLT2 für die Ausscheidung von Zucker über die Nieren wichtig ist. Durch die Hemmung beider Transporter wird zum einen weniger Zucker aufgenommen und zum anderen mehr Zucker ausgeschieden, wodurch Kalorien eingespart werden könnten. Da gerade Typ 1 Diabetiker, die sich Insulin spritzen müssen, welches zur Ausbildung von Fettpolstern beiträgt, häufig übergewichtig werden, wurde untersucht, ob Sotagliflozin für die Behandlung von Typ 1 Diabetikern geeignet ist.

Die 1.402 Teilnehmern aus 19 Ländern wiesen alle einen Langzeitzucker (HbA1c-Wert) von über 7% auf. 70 Prozent der Probanden waren übergewichtig. Die Teilnehmer wurden zufällig in zwei Gruppen eingeteilt, von denen die eine täglich 200mg Sotagliflozin und die andere ein Placebo erhielt. Nach 24 Wochen wurden die Ergebnisse ausgewertet. In der Sotagliflozin-Gruppe zeigten sich eine stärkere Verringerung des Langzeitzuckers, eine stärkere Gewichtsabnahme und bessere Blutdruckwerte. Außerdem benötigten Teilnehmer dieser Gruppe weniger Insulin als zuvor. Allerdings war das Risiko für eine Ketoazidose, eine lebensgefährliche Stoffwechselentgleisung, ebenso wie das Auftreten von genitalen Infektion sowie Durchfällen erhöht. Aufgrund der Nebenwirkungen brachen in dieser Gruppe mehr Teilnehmer die Studie ab als in der Placebo-Gruppe. Sollte Sotagliflozin zugelassen werden, ist mit einem Warnhinweis auf Ketoazidosen zu rechnen. Hier geht´s zur Studie.

GLP1-Agonist Liraglutid schützt die Nieren bei Typ 2 Diabetes
Zu den Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus gehören unter anderem Nierenschäden. So sind ein Drittel aller Dialysepatienten Diabetiker. Darum wird vermehrt untersucht, welche Antidiabetika sich schützend auf die Nieren auswirken könnten. Bislang bekannt ist eine positive Wirkung auf die Nieren bei den GLP1-Analoga Semaglutid und Lixisenatid sowie bei den SGLT2-Hemmern Empagliflozin und Canagliflozin.

Die LEADER-Studie mit 9.340 Patienten testete Liraglutid, ebenfalls ein GLP1-Analogon, gegen Placebo. Die Gabe von Liraglutid beziehungsweise Placebo erfolgte zusätzlich zur Standardbehandlung. Die Auswertung nach 3,8 Jahren ergab, dass schwere Nierenschäden bei Liraglutid um 22 Prozent seltener auftraten. Um Aussagen zur Sterblichkeit aufgrund der Nierenschädigung machen zu können, ist der Behandlungszeitraum allerdings noch zu kurz. Hier geht´s zur Studie.

Immuntherapie bei neu aufgetretenem Diabetes mellitus Typ I kann Insulinbedarf senken!
Bei dem Diabetes mellitus Typ 1 handelt es sich um eine Autoimmunkrankheit. Darum kam die Idee auf, ähnlich wie bei der Hyposensibilisierung des Heuschnupfens, dem Immunsystem beizubringen, nicht mehr gegen die körpereigenen Beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse vorzugehen. Die Beta-Zellen produzieren Insulin, das benötigt wird, um Glukose in die Zellen aufzunehmen. Sind mehr als 80% der Beta-Zellen zerstört, tritt der Diabetes mellitus Typ 1 auf.

In einer Studie mit 27 Patienten, deren Diabetes-Diagnose weniger als 100 Tage zurück lag, wurden Abschnitte der Insulin-Vorstufe Proinsulin mehrmalig in die Haut gespritzt. Die gewählten Abschnitte sollten für das Immunsystem besonders interessant sein. Tatsächlich blieb die weitere Zerstörung von Beta-Zellen aus, sodass eine "Rest-Produktion" von Insulin aufrechterhalten werden konnte. Da sich keine Komplikationen oder ernste Nebenwirkungen einstellten, sind weitere Studien mit größeren Patientengruppen in Planung. Hier geht´s zur Studie.

Weniger Unterzuckerungen mit Insulin degludec statt Insulin glargin bei Diabetes Typ 1 und 2
Unterzuckerungen (Fachbegriff: Hypoglykämien) sind gefürchtete Komplikationen bei der Behandlung eines Insulin-pflichtigen Diabetes mellitus. Wird eine Hypoglykämie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, drohen Krampfanfälle, Hirnschäden, Koma und Tod. Darum wird nach Insulin-Präparaten gesucht, bei denen so selten wie möglich Hypoglykämien auftreten.

In einer Studie wurden 580 Typ 2 Diabetiker zufällig auf zwei Gruppen verteilt. Die eine Gruppe erhielt das Insulin-Präparat Insulin glargin, die andere Gruppe Insulin degludec. Beobachtet wurde, wie häufig Unterzuckerungen (Blutzucker unter 56 mg/dl), insbesondere schwere und nächtliche Hypoglykämien, auftraten. Nach Abschluss der 32-wöchigen Studie zeigte sich deutlich, dass das Auftreten von symptomatischen Unterzuckerungen in der Degludec-Gruppe signifikant verringert war. Dieses Ergebnis ließ sich auf Typ 1 Diabetiker übertragen: 395 Patienten unterliefen dieselbe 32-wöchige Studie, die zu vergleichbaren Ergebnissen führte.

Quellen: 
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28672317

https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/28672316

Schützt moderater Alkoholgenuss vor Diabetes mellitus Typ 2?
Im Rahmen der Danish Health Examination Survey von 2007 bis 2008 wurden über 76.000 Teilnehmer über durchschnittlich 4,9 Jahre lang bezüglich ihres Trinkverhaltens und des Diabetesrisikos beobachtet. Mittels Fragebögen gaben die Teilnehmer Auskunft über ihren Alkoholkonsum. Abgeglichen wurden die Ergebnisse mit der Diagnose eines Diabetes mellitus Typ 2. Dabei stellte sich heraus, dass das niedrigste Diabetesrisiko bei einem Konsum von 14 durchschnittlichen Drinks pro Woche bei Männern - entsprechend neun Drinks bei Frauen - und einem Konsum an drei bis vier Tagen pro Woche bestand. Hier geht´s zur Studie.

Mäßiger Alkoholkonsum scheint Diabetes-Risiko zu senken
Schon häufiger wurde moderater Alkoholkonsum mit einem geringeren Diabetes-Risiko in Verbindung gebracht. Die Auswertung von Daten aus fünf Jahren scheint dies zu bestätigen: Nach Auswertung der Fragebögen, in denen Angaben zum Trinkverhalten und zu aufgetretenen Erkrankungen gemacht wurden, hatten Personen mit mäßigem Alkoholkonsum (14 Drinks pro Woche bei Männern, neun Drinks pro Woche bei Frauen) im Vergleich zu Nicht-Trinkern das niedrigste Risiko, an Diabetes mellitus zu erkranken. Hier geht´s zur Studie.

Broccoli-Pille senkt Blutzucker bei Typ 2 Diabetes
Nachdem Forscher entdeckten, dass bei Mäusen mit Typ 2 Diabetes eine bestimmte genetische Veränderung in Leberzellen vorlag, suchten sie aus über 3800 Substanzen die aus, die am besten diese genetische Veränderung unterdrücken konnte. Als eindeutig am besten stellte sich Sulforaphan heraus, ein Stoff, der unter anderem in Broccoli enthalten ist. Nachdem zunächst die Zellen in der Glasschale hervorragend auf Sulforaphan ansprachen, wurde der Effekt bei Mäusen mit Typ 2 Diabetes überprüft. Sowohl der Nüchtern-Blutzucker als auch der Langzeit-Blutzucker (HbA1c-Wert) sanken deutlich ab. Eine Studie an Menschen mit Typ 2 Diabetes bestätigte die Wirkung wiederum. Bei stark übergewichtigen Teilnehmern war der Effekt sogar noch größer. Hier geht´s zur Studie.

Ausführliche Informationen zur Broccoli-Pille und ihren Wirkungen finden Sie hier.

Kleine "Bauchspeicheldrüse" im Bauchfell produziert Insulin bei Typ 1 Diabetes
Einer 43-jährigen Frau, die seit 25 Jahren an Typ 1 Diabetes litt, wurden Inselzellen der Bauchspeicheldrüse transplantiert. Diese Inselzellen sind für die Steuerung des Blutzuckers verantwortlich und produzieren Insulin und Glukagon. Die Patienten musste sich 25 Jahre lang Insulin spritzen, wobei es zu schweren Unterzuckerungen kam, von denen sie vorher nichts merkte. Im Rahmen der laufenden Studie Allogeneic Islet Cells Transplanted onto the Omentum wurden der Frau über 600.000 Inselzell-Äquivalente transplantiert. Das Volumen dieser Zellen machte etwa 6,5 ml aus. Mit eigenem Blutplasma der Patientin und künstlich hergestelltem Thrombin (Gerinnungsfaktor) wurde so eine winzige "Bauchspeicheldrüse" gebastelt. Damit die künstliche Mini-Bauchspeicheldrüse nicht abgestoßen wird, erhielt die Patientin Medikamente zur Immunsuppression. 17 Tage nach der Operation hörte die Frau auf, Insulin zu spritzen. Die Funktion wurde vollständig von der Mini-Bauchspeicheldrüse übernommen! Die Blutzuckerwerte blieben stabil und es kam nicht zu Unterzuckerungen. Zwölf Monate nach der Operation funktionierte die Mini-Bauchspeicheldrüse immer noch, hatte jedoch ein wenig ihrer Funktion verloren. Die Forscher führten dies auf einen Wechsel der immunsuppressiven Therapie zurück.Hier geht´s zur Studie.

Schützt Fischöl vor Typ 1 Diabetes?
Im Rahmen der Finnish Type 1 Diabetes Prediction und Prevention Study wurden 7782 Neugeborene untersucht, die einen Risiko-HLA-Typ für Typ 1 Diabetes trugen. 240 der Kinder erkrankten an Typ 1 Diabetes. Diese wurden mit einer Kontrollgruppe aus 480 Kindern verglichen. Die Fettwerte wurden im dritten und sechsten Lebensmonat bestimmt. Es stellte sich heraus, dass Unterschiede zwischen Muttermilch und Kuhmilch bestanden. Muttermilch war mit einem geringeren Risiko für eine primäre Insulin-Autoimmunität verbunden. Außerdem scheinen langkettige Omega-3-Fettsäuren, die in Fischöl enthalten sind, vor Typ 1 Diabetes zu schützen. Hier geht´s zur Studie.

pGCD59: neuer Marker für Schwangerschaftsdiabetes?
Schwangerschaftsdiabetes wird üblicherweise mittels oralem Glukose-Toleranz-Test (oGTT) entdeckt. Dieser Test dauert ist jedoch recht aufwändig. Darum sind neue Verfahren erwünscht, mit denen kostengünstig und zeitsparend zuverlässige Ergebnisse erzielt werden können. Ein solcher Marker könnte pGCD59 (Plasma glycated CD 59) sein. Für die Studie wurden 1000 Plasma-Proben von Schwangeren untersucht. 500 der Schwangeren hatten einen unauffälligen oGTT und keinen Diabetes. Die anderen 500 Schwangeren hatten einen auffälligen oGTT. Der Marker pGCD59 war 8,5-mal höher im Plasma von Schwangeren mit auffälligem oGTT und 10-mal höher bei Schwangerschaftsdiabetes. Zusätzlich konnte ein Zusammenhang zwischen Höhe des pGCD59-Wertes und der Größe des Kindes festgestellt werden. Bei Schwangerschaftsdiabetes ist das Kind häufig zu groß für die Schwangerschaftswoche und das spiegelte sich in den pGCD59-Werten wider. Bei den 25 % der niedrigsten pGCD59-Werte waren nur 4,3 % der Kinder zu groß für die Schwangerschaftswoche, während es bei den 25 % der höchsten Werte sogar 13,5 % waren. Die Forscher empfehlen, pGCD59 in der 24. bis 28. Schwangerschaftswoche zu bestimmen. Hier geht´s zur Studie.

Adipositas-Chirurgie verringert Gefäßkomplikationen bei Prä-Diabetes
Eine Studie aus Schweden hat untersucht, ob die positiven Effekte auf die kleinen Blutgefäße, die bei der Adipositas-Chirurgie bei Diabetikern festgestellt wurden, sich auch auf Patienten mit Prä-Diabetes übertragen lassen. Eingeschlossen wurden Männer mit einem BMI von mindestens 34 kg/m² und Frauen mit einem BMI von mindestens 38 kg/m². Die gesamte Operations-Gruppe bestand aus 2010 Patienten. 13 % davon erhielten einen Magen-Bypass, 19 % ein Magenband und beim Großteil mit 68 % wurde eine vertikale Gastroplastik durchgeführt, bei der ein kleiner Vor-Magen mit engem Kanal zum eigentlichen Magen angelegt wird. Die Kontrollgruppe, bestehend aus 2037 Patienten, erhielt die Standard-mäßige Versorgung ohne Operation. Die Patienten wurden bis 20 Jahre nach der Operation im Vergleich zur Gruppe ohne Operation beobachtet. So stellte sich heraus, dass nach der Adipositas-Chirurgie weniger Gefäßschäden auftraten. Dieses Ergebnis war sogar unabhängig davon, ob sich aus dem Prä-Diabetes des Patienten später ein Typ 2 Diabetes entwickelte. Die Reduktion der Gefäßschäden war sogar größer als die, die in vorangehenden Studien bei Diabetikern erreicht wurde. Die Forscher empfehlen darum eine aggressivere Therapie bei Prä-Diabetes in Form der Adipositas-Chirurgie. Hier geht´s zur Studie.

"Freestyle-Libre-System" mit Sensor am Oberarm könnte Rate an Unterzuckerungen senken
Einen Typ 1 Diabetes gut einzustellen, kann sich als schwierig erweisen: Zu hohe Blutzuckerspiegel führen zu Folgeerkrankungen wie Nierenversagen und Erblindung; zu niedrige Blutzuckerspiegel können akut lebensbedrohlich werden. Darum untersuchte eine europäische Studie, die 23 Diabetes-Zentren umfasste, ob ein an den Oberarm angebrachter Blutzucker-Sensor bei der Überwachung des Blutzuckerspiegels hilfreicher ist als die herkömmliche Messung mittels Teststreifen. Ziel war es, Unterzuckerungen (unter 70 mg/dl) zu verhindern. Das Ergebnis war sehr positiv: Der Sensor reduzierte das Auftreten von Unterzuckerungen im Vergleich zur Kontrollgruppe um 38 %! Hier geht´s zur Studie.

Apps für Diabetes mellitus Typ 2 ebenso nützlich wie Tabletten!
Die erste Stufe zur Behandlung eines Typ 2 Diabetes besteht in einem Lifestyle-Wandel. Meist fällt es Betroffenen aber schwer, innerhalb kürzester Zeit die Ernährung umzustellen, Gewicht abzunehmen und sich mehr körperlich zu betätigen. Stattdessen sollen dann Medikamente wie Metformin bei Beibehaltung eines ungesunden Lebensstils zur Therapie des Diabetes eingesetzt werden. Da Apps heutzutage zu ständigen Begleitern geworden sind, die an Termine erinnern, Aufgaben planen und das Leben erleichtern sollen, untersuchte eine Meta-Analyse von 14 Studien mit insgesamt 1360 Testpersonen, ob Diabetes-Apps sich als hilfreich erweisen. Dazu wurde der Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) herangezogen. Anzustreben ist nach aktuellen Leitlinien ein Wert zwischen 6,5 und 7,5 %. Tatsächlich konnten App-Nutzer ihren HbA1c-Wert um durchschnittlich 0,49 % weiter senken als Testpersonen der Kontrollgruppe. Allerdings scheinen Jüngere mehr von einer App zu profitieren als Ältere. Hier geht´s zur Studie.

Zelltherapie für Diabetiker in Aussicht
Zellen umzuprogrammieren ist längst keine Zukunftsvorstellung mehr. Einem Team des Max Delbrück Centers für Molekulare Medizin gelang es nun, Leberzellen von Mäusen zu Bauchspeicheldrüsen-Vorläuferzellen umzuprogrammieren. Die Idee, die dahintersteht, ist die folgende: Der Diabetes mellitus Typ 1 ist eine Autoimmunerkrankung, die die Insulin-produzierenden beta-Zellen der Bauchspeicheldrüse zerstört. Insulin ist lebensnotwendig, weshalb Typ 1 Diabetiker sich dieses Hormon spritzen müssen. Durch das Umprogrammieren von Körperzellen zu beta-Zellen wäre der Organismus wieder in der Lage, selbst Insulin zu produzieren. Die Forscher lösten über die Veränderung der Aktivität eines einzelnen Gens eine "Identitätskrise" von Leberzellen aus. Im nächsten Schritt wurden die Zellen zu Bauchspeicheldrüsenzellen umgewandelt, die tatsächlich die Funktion der untergegangenen beta-Zellen ersetzen konnten! Die Wissenschaftler betonen dennoch, dass es wichtige Unterschiede zwischen Maus und Mensch gibt, die noch überwunden werden müssen, um eine Zelltherapie für menschliche Diabetiker anbieten zu können. Hier geht´s zur Studie.

Risiko für Typ 1 Diabetes schon bei Säuglingen im Immunsystem erkennbar
Der autoimmune Typ 1 Diabetes zerstört mittels T-Zellen die körpereigenen beta-Zellen. Mittlerweile sind einige Auto-Antikörper bekannt, die bei Betroffenen detektiert werden können. Allerdings zeigen neue Erkenntnisse, dass eine Untergruppe von T-Zellen bereits vor dem Auftreten von Auto-Antikörpern auf beta-Zellen reagieren kann. Diese Untergruppe kann schon in Neugeborenen aufgespürt werden. Es entwickelten einige, jedoch nicht alle Säuglinge mit dieser Untergruppe von T-Zellen einen Typ 1 Diabetes. In weiteren Studien soll geklärt werden, woher diese scheinbar vor-aktivierten T-Zellen stammen (Gene oder Umweltfaktoren) und wie unterschieden werden kann zwischen den Kindern, die nur ein erhöhtes Risiko für Typ 1 Diabetes in sich tragen, und denen, die einen solchen entwickeln. Hier geht´s zur Studie.

Pilotstudie: Bionisches Pankreas stellt Blutzucker bei Typ 1 Diabetes besser ein als Pumpe
Für die Studie wurden 39 Probanden rekrutiert, die an Typ 1 Diabetes litten und eine Insulin-Pumpe nutzten. 20 Diabetiker wurden mit einer bionischen Bauchspeicheldrüse (Pankreas) versorgt und beide Gruppen über elf Tage beobachtet, während die Probanden ihren normalen Alltagsaktivitäten nachgingen. Im Durchschnitt lag der Blutzuckerwert der Pankreas-Gruppe bei 140 mg/dl und damit deutlich niedriger als dem Durchschnitt der Kontrollgruppe (160 mg/dl), was mit einem geringeren Risiko für Folgeerkrankungen assoziiert ist. Unterzuckerungen mit Werten unter 60 mg/dl traten bei der Pankreas-Gruppe mit 0,6 % seltener als in der Kontrollgruppe mit 1,9 % auf. Die Autoren der Studie weisen darauf hin, dass längere Studien benötigt werden. Hier geht´s zur Studie.

Pflaster misst Zucker und gibt entsprechend Metformin ab!
Damit Typ 2 Diabetiker sich nicht mehr so häufig für Blutzuckermessungen stechen müssen, wurde ein Pflaster entwickelt, das den Blutzucker mittels elektrochemischer Analyse des Körperschweißes ermittelt. Dazu reicht bereits ein Mikroliter Schweiß aus! Zudem ist das Pflaster wasserdicht, sodass der Schweiß von äußerer Feuchtigkeit sicher abgeschirmt wird und keine Verfälschung der Messwerte auftritt. Durch kleinste Nadeln kann bei erhöhtem Blutzuckerwert Metformin direkt in die Haut abgegeben werden. Dazu erhitzt sich die Matrix, in der das Medikament gespeichert ist. Außerdem ist die auf den Blutzucker abgestimmte Versorgung mit Metformin näher an der natürlichen Körperfunktion als die ein- bis dreimalige Einnahme einer Metformin-Tablette pro Tag. Das Pflaster kann mehrfach getragen werden. Hier geht´s zur Studie.


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