Sparmedo Ratgeber Logo

Effektive Hilfe bei Durchfall

Durchfall ist ein tägliches Symptom in der ärztlichen Praxis. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von viralen Infektionen über psychosomatische Störungen bis hin zu chronischen Darmerkrankungen. Die Behandlung beginnt mit der Ernährung und beinhaltet den Ausgleich des Elektrolyt- und Wasserhaushalts. Kleine Kinder und Senioren sind besonders häufig von akuten Durchfallerkrankungen betroffen und tragen das höchste Risiko für schwerwiegende Verläufe.

Im Ratgeber erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:

  1. Durchfall behandeln
  2. Ursachen für Durchfall
  3. Arten von Durchfall
  4. Mögliche Risikogruppen
  5. Ernährung bei Durchfall
  6. Mangelerscheinungen
  7. Folgeerkrankungen

Durchfall, auch als Diarrhö bezeichnet, ist ein Symptom, das viele verschiedene Ursachen haben kann. Mediziner bezeichnen Stuhlgang als Durchfall, wenn der Betroffene:

  • mehr als drei Mal am Tag Stuhl absetzt
  • der Stuhl eine verminderte bis flüssige Konsistenz aufweist
  • die Stuhlmenge eines Erwachsenen mehr als 200 Gramm pro Tag beträgt

Ab einer Dauer von mehr als zwei Wochen wird der Durchfall als chronisch bezeichnet. In Deutschland tritt Durchfall meist akut im Rahmen einer viralen (oder seltener bakteriellen) Infektion auf.

Im Durchschnitt hat jeder dritte Deutsche einige Tage Durchfall pro Jahr. Kleinkinder und ältere Menschen sind besonders gefährdet und sollten frühzeitig einen Arzt aufsuchen. Meist legt sich das Symptom von alleine wieder. Nach drei Tagen Diarrhö holen Sie sich auch als Erwachsener besser ärztlichen Rat.

Durchfall behandeln

Durchfall kann oft schon durch Schonkost und einen adäquaten Flüssigkeitsausgleich behandelt werden. Ist diese Vorgehensweise nicht ausreichend, stehen verschiedene Medikamente, Hausmittel und Elektrolytlösungen zur Verfügung.

Medikamente

Manchmal ist eine schnelle medikamentöse Therapie bei Durchfall dringend angezeigt. Es droht eine Austrocknung oder Sie haben nicht die Möglichkeit sich auszukurieren.

Präparate mit Loperamid

  • Kurzfristig reduziert zum Beispiel Loperamid die überschießende Darmtätigkeit. (Soft)Kapseln, Tabletten und Braustabletten mit 2mg Loperamid sind in Apotheken erhältlich und werden direkt nach dem Durchfall eingenommen. Die Präparate sind nicht zum Langzeitgebrauch geeignet!

Nachstehend finden Sie eine Auswahl an Medikamenten mit dem Wirkstoff Loperamid:

Alle rezeptfreien Medikamente mit Loperamid ansehen

Weitere Informationen zum Wirkstoff Loperamid ansehen.

Loperamid nicht bei Kindern unter 12 Jahren anwenden
Kinder dürfen Loperamid nicht erhalten, da das Risiko eines Darmverschlusses und einer Bewusstseinsstörung besteht. Die Ausscheidung des Erregers wird zudem verzögert und der Selbstheilungsmechanismus des Darmes unterdrückt.

Präparate mit Racecadotril

  • Racecadotril hemmt die Abgabe von Wasser aus dem Körper in den Darm. Hartkapseln mit 100mg und Granulat mit 10mg bzw. 30mg (jeweils verschreibungspflichtig) stehen zur Verfügung. Erwachsene nehmen drei Mal täglich eine Kapsel ein (vorzugsweise vor den Hauptmahlzeiten, unzerkaut mit einem Glas Wasser). Genaue Einnahmeanweisungen entnehmen Sie der Packungsbeilage.

Nachstehend finden Sie rezeptfreie Medikamente mit dem Wirkstoff Racecadotril:

Vaprino 100mg Kapseln  10 ST

Vaprino 100mg Kapseln 10 ST

Boehringer Ingelheim

Vaprino 100mg Kapseln  6 ST

Vaprino 100mg Kapseln 6 ST

Boehringer Ingelheim

Für Säuglinge und Kinder und Heranwachsende sind die Präparate aufgrund des hohen Wirkstoffgehaltes nicht geeignet.

Medizinische Kohle, Hefen, Probiotika, und Gerbstoffe

Präparate mit diesen Bestandteilen konnten in Studien nicht sicher als wirksam belegt werden.1 Dennoch scheinen die Heilmittel einen gewissen Effekt beim Andicken des Stuhls und dem Aufbau der gesunden Darmflora zu haben. Bei Kindern fehlen häufig Behandlungsalternativen, sodass auf die zahlreichen in der Apotheke erhältlichen Präparate dieser Art zurückgegriffen wird.

Präparate mit medizinischer Kohle

Nachstehend finden Sie eine Auswahl an Medikamenten mit medizinischer Kohle:

Kohle Compretten 60 ST

Kohle Compretten 60 ST

Merck Selbstmedikation

Kohle Tabletten  30 ST

Kohle Tabletten 30 ST

Cheplapharm Arzneimittel

Kohle Hevert  Tabletten 20 ST

Kohle Hevert Tabletten 20 ST

Hevert Arzneimittel

Präparate mit Trockenhefe

Hier finden Sie verschiedene Medikamente gegen Durchfall, die Hefen enthalten:

Weitere Informationen zum Saccharomyces Boulardii - Trockenhefe ansehen.

Probiotische Präparate

Probiotika unterstützen eine natürliche und gesunde Darmflora. Unter anderem sind folgende probiotischen Mittel erhältlich:

Weitere Präparate zur Unterstützung finden Sie in der Kategorie Darmflora.

Gerbstoffe

Gerbstoffhaltige Medikamente (z.B. solche mit Tanninen) können ebenso bei leichtem Durchfall eingesetzt werden. Unter anderem werden folgenden Mittel in Apotheken angeboten:

Tannacomp  Filmtabletten 20 ST

Tannacomp Filmtabletten 20 ST

MEDICE ARZNEIMITTEL

Tannacomp  Filmtabletten 50 ST

Tannacomp Filmtabletten 50 ST

MEDICE ARZNEIMITTEL

Tannalbin  Tabletten 20 ST

Tannalbin Tabletten 20 ST

MEDICE ARZNEIMITTEL

Präparate mit Lactobacillus GG

  • Lactobacillus GG verkürzt durch eine Regeneration der Darmflora nachweislich die Erkrankungsdauer.

Nachstehend finden Sie eine Auswahl an Nahrungsergänzungen mit Lactobacillus GG. Enthaltene Salze und Kohlenhydrate tragen zudem zum Ausgleich von Salz- und Wasserverlusten bei:

Die Nahrungsergänzungen sind gut verträglich und können in jedem Alter angewendet werden.

Diagnostiziert der Arzt eine Infektion mit Bakterien oder Pilzen als Ursache für Ihren Durchfall, erhalten Sie eine entsprechende antibiotische oder antimykotische Therapie.

Hausmittel

Neben Schonkost wird zum Beispiel das natürliche Pektin eines geriebenen Apfels gegen Durchfall eingesetzt. Es dickt den Stuhl ein und schützt die Darmwand gegen bakterielle Toxine. Zwei Teelöffel Heilerde in einem Glas Wasser aufgelöst sind ein weiteres erprobtes Hausmittel gegen Durchfall. Reisschleim eignet sich auch gut für Kinder.

Elektrolytlösungen

Gleichen Sie den Verlust von Elektrolyten und Wasser sicher durch Elektrolytlösungen aus. In der Apotheke sind Pulver erhältlich, die Sie einfach in Wasser auflösen:

Möchten Sie die Lösung lieber selbst herstellen, rühren Sie in 150 Milliliter Tee oder Wasser 4 Gramm Traubenzucker und eine Prise Salz ein.

Suchen Sie bei länger anhaltendem Durchfall unbedingt einen Arzt auf. Nur so können entsprechende Behandlungsmaßnahmen eingeleitet und bestimmte Erkrankungen ausgeschlossen werden.

Ursachen für Durchfall

Durchfall ist ein unspezifisches Symptom, das im Zusammenhang mit vielen verschiedenen Erkrankungen und funktionellen Störungen auftritt. Der Darm ist ein sehr sensibles Organ und reagiert stark auf psychische Einflüsse. Vielleicht haben Sie selbst schon Durchfall aus Nervosität vor einer Prüfung erlebt.

Infektionen

Diese Durchfallform wird verursacht durch:

  • Viren ( Norovirus, Rotavirus, Adenovirus)
  • Bakterien (Salmonellen, E.coli, Yersinien, Shigellen, Amöben, Campylobacter, Kryptosporidien)
  • Bakterielle Toxine bei Lebensmittelvergiftung ( Staphylokokkentoxin)
  • Parasiten (Plasmodien bei Malaria nach Tropenaufenthalt)
  • Pilze

Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Nahrungsmittelallergien

Hier kommen zum Beispiel eine:

  • Milcheiweißallergie
  • Laktoseintoleranz
  • Glutenunverträglichkeit

in Frage.

Darmerkrankungen

Chronische Erkrankungen des Darmes wie:

  • Morbus Crohn
  • Colitis ulcerosa
  • ein Darmtumor

verursachen ebenso Durchfall, wie eine akute Blinddarmentzündung (Appendizitis).

Systemische Erkrankungen

Bekannte Beispiele sind hier die Schilddrüsenüberfunktion, besonders bei Kindern aber auch eine Nierenbeckenentzündung, Lungenentzündung oder Mittelohrentzündung.

Medikamenten-Nebenwirkungen und Vergiftungen

Arzneimittel wie Antibiotika und Abführmittel können Durchfall verursachen. Quecksilber, Kupfer und Arsen sind bekannte Beispiele für Stoffe, die Durchfall als Vergiftungssymptom auslösen.

Psychosomatische bzw. funktionelle Störungen

Von Prüfungsangst bis hin zum Reizdarmsyndrom finden sich Ursachen für akuten bis chronischen Durchfall.

Durchfallarten

Durchfall ist nicht gleich Durchfall. Je nach Ursache kann der Stuhl eine auffällige Farbe annehmen, große Schleimbeimengungen präsentieren oder auch blutig sein.

Besondere Durchfallarten bei Erwachsenen:

  • Gelber oder grüner Durchfall deuten auf eine bakterielle Infektion hin.
  • Reiswasserstuhl tritt bei der in den Tropen vorkommenden Erkrankung Cholera auf. Der Durchfall ist sehr hell und wässrig.

Veränderter Stuhlgang bei Neugeborenen und Säuglingen

Besonders für Eltern ist es wichtig zu wissen, dass Neugeborene und Säuglinge, die gestillt werden, mit ihrer Stuhlfrequenz, -konsistenz und -farbe aus dem Rahmen fallen:

  • In den ersten Lebenstagen ist der Stuhl schwarz und zäh.
  • Das sogenannte Mekonium oder Kindspech verschließt den Darm im Mutterleib.
  • Im Anschluss verwandelt sich der Muttermilchstuhl in einen senfgelben, zähflüssigen Brei.

Ein gestilltes Baby kann mehrfach täglich Stuhlgang haben oder nur einmal in der Woche, ohne dass Grund zur Sorge besteht.

Besondere Risikogruppen

Durchfall entsteht in Deutschland meist aufgrund einer Infektion durch Viren. Besonders gefährdet sind hier Personengruppen, deren Immunsystem geschwächt ist. Hierzu zählen Säuglinge und Kleinkinder oder Senioren.

Auch Berufsgruppen, die in Gemeinschaftseinrichtungen arbeiten, haben ein erhöhtes Risiko, an Durchfall zu erkranken. Die Erreger breiten sich rasch per Schmierinfektion aus und Hygienemaßnahmen sind schwieriger umzusetzen als in einem Privathaushalt.

Ernährung bei Durchfall

Das Ziel der Schonkost bei Durchfall ist der Ausgleich eines eventuellen Flüssigkeits- und Salzverlusts. Milde Nahrungsmittel helfen der Darmschleimhaut, sich zu erholen:

  • Achten Sie bei der Wahl Ihrer Getränke auf einen hohen Gehalt an Kalium, Salz und Zucker.

Im diesem Artikel finden Sie eine Übersicht verschiedener Mineralwasser mit ihrem entsprechenden Gehalt an Kalium. Ein Wasser wird als kaliumhaltig bezeichnet, wenn es mindestens 25mg Kalium pro Liter enthält: 100 Mineralwasser und deren Mineralstoffgehalt im Überblick

  • Besonders eignen sich stilles Mineralwasser, Karottensaft und verdünnter Johannisbeersaft, Fenchel- und Kamillentee, sowie Hühnerbrühe.
  • Essen Sie milde Kost, die den Darm schont, wie zum Beispiel Apfelmus und Bananen, geriebene Karotten oder Karottensuppe, Reis, Haferschleim und Kartoffelbrei.

Nahrungsmittel, die Sie bei Durchfall vermeiden sollten

Die Empfehlung, Cola und Salzstangen gegen Durchfall einzusetzen, ist mittlerweile veraltet.

Cola und Salzstangen bei Durchfall meiden

Cola enthält einen viel zu hohen Zuckeranteil und trägt so noch zum Flüssigkeitsverlust über den Darm bei. Salzstangen enthalten zu viel Salz. Es fehlt das dringend benötigte Kalium.

Besser ist die Kombination aus Salzstangen und Banane

Gegebenenfalls können Sie Salzstangen mit Bananenscheiben kombinieren, um dieses Defizit auszugleichen und Ihrem Kind die Schonkost schmackhaft zu machen.

Vermeiden Sie zudem folgende Lebensmittel:

Diese Lebensmittel bei Durchfall vermiden

  • Milchprodukte
  • fettige Speisen
  • Alkohol
  • Kaffee
  • sehr heiße und besonders kalte Speisen
  • blähendes Gemüse
  • Rohkost
  • frische Zitrusfrüchte
  • Vollkornprodukte

Mangelerscheinungen bei Durchfall

Akuter oder chronischer Durchfall verhindert die adäquate Aufnahme der Nahrung in den Körper. Zusätzlich gehen wichtige Elektrolyte, Vitamine und Mineralstoffe über den Darm verloren.

Elektrolytverlust bei Durchfall

Die Elektrolyte Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium, Chlorid und Phosphor regeln den Ablauf vieler körperlicher Funktionen auf Ebene der Zellen. Eine Störung des Elektrolytgleichgewichts kann lebensbedrohliche Beschwerden verursachen. So kann starker Durchfall durch einen extremen Elektrolytverlust zum Beispiel zu Herzrhythmusstörungen oder zu einer Gehirnschwellung führen.

Besonders bei Babys und Kleinkindern ist ein kritischer Flüssigkeitsverlust schnell erreicht. Eine Bestimmung der Elektrolytwerte im Blut und ein adäquater Ausgleich durch die passende Infusion werden dann lebenswichtig.

Vitamine & Mineralstoffe

Wird der Durchfall chronisch und tritt über einen Zeitraum von mehreren Wochen oder sogar Monaten auf, steigt das Risiko für einen Mangel an Vitaminen und Mineralstoffen. Besonders häufig fehlen den Betroffenen Vitamin B12 und Eisen, was eine Blutarmut nach sich ziehen kann.

Folgeerkrankungen

Durchfall tritt meist im Zusammenhang mit einer kurzen Erkrankung auf, die so rasch verschwindet wie sie gekommen ist. Trotzdem ist das Risiko gegeben, Folgeerkrankungen zu entwickeln. Einige Beispiele sind:

  • Elektrolytverlust mit lebensbedrohlichem Volumenmangel
  • Mangelernährung
  • Ausbreitung der ursächlichen Infektion auf andere Organe
  • Chronifizierung des Durchfalls
  • Kachexie (Auszehrung)
Autorin – Jessica Kilonzo
Autorin: Jessica Kilonzo

Jessica Kilonzo, Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, sammelte Berufserfahrung in Frankfurt am Main, bevor sie mit ihrer Familie nach Tansania zog. Jetzt lebt und arbeitet sie am Kilimanjaro, dem höchsten Berg Afrikas. Online schreibt Jessica Kilonzo für verschiedene Gesundheitsportale, wie zum Beispiel den Allergie-Blog von Allergo Natur.


Quellen

1 Schönau und Mitarbeiter: Pädiatrie integrativ, Urban & Fischer, 2005
Illing, Klinikleitfaden Pädiatrie, Urban & Fischer, 2009
Herold G und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2015, Köln Gerd Herold
Robert Koch-Institut (RKI), http://www.rki.de/DE/Content/Infekt/infekt_node.html
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=33681


Bitte beachten Sie: Die ggf. im Ratgeber aufgeführten Medikamente stellen keine Empfehlungen der Autorin dar. Es handelt sich hierbei lediglich um eine lose Auswahl von Präparaten, die einen bestimmten Wirkstoff enthalten und/oder einer speziellen Produktkategorie zugeordnet werden. Diese werden über sparmedo.de direkt eingepflegt und sind keineswegs eine Aufforderung zum Kauf eines bestimmten Medikaments.

Beitrag kommentieren

* - Pflichfelder