Sparmedo Ratgeber

Endometriose

Aktualisiert am 28.10.26

Endometriose ist eine chronische Erkrankung, bei der gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe außerhalb der Gebärmutter vorkommt. Die Herde können sich beispielsweise an den Eierstöcken, am Bauchfell oder an anderen Organen im Beckenraum bilden. Sie können Entzündungsreaktionen, Verwachsungen und Zysten verursachen. Typische Beschwerden sind starke Menstruationsschmerzen, Unterbauchschmerzen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Die Ausprägung ist individuell sehr unterschiedlich: Manche Betroffene haben kaum Beschwerden, andere leiden unter erheblichen Einschränkungen im Alltag. Auch die Fruchtbarkeit kann beeinträchtigt sein. 

In diesem Ratgeber erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:

  1. Endometriose in Zahlen
  2. Formen
  3. Ursachen
  4. Symptome
  5. Diagnose
  6. Behandlung
  7. Vorbeugen

Endometriose in Zahlen

Formen der Endometriose

Endometriose kann an unterschiedlichen Stellen des Körpers auftreten. Je nach Lage und Ausbreitung der Herde werden verschiedene Formen unterschieden:

Die verschiedenen Formen können gleichzeitig auftreten. Außerdem kann Endometriose mit einer Adenomyose einhergehen. Bei dieser Erkrankung befindet sich gebärmutterschleimhautähnliches Gewebe innerhalb der Muskelschicht der Gebärmutter.

Endometriose - Ursachen

Die genauen Ursachen der Endometriose sind bislang nicht geklärt. Fachleute gehen davon aus, dass mehrere Faktoren an ihrer Entstehung beteiligt sind. Dazu zählen vermutlich hormonelle und immunologische Prozesse sowie eine genetische Veranlagung. Es gibt verschiedene Theorien, die einzelne Aspekte der Erkrankung erklären können.

Transplantationstheorie: Eine verbreitete Theorie geht davon aus, dass Zellen der Gebärmutterschleimhaut während der Menstruation durch die Eileiter in die Bauchhöhle gelangen und sich dort ansiedeln. Dieser Vorgang wird als retrograde Menstruation bezeichnet. Da er auch bei Frauen ohne Endometriose vorkommt, kann er allein die Erkrankung nicht erklären.

Metaplasietheorie: Nach dieser Theorie können sich bestimmte Zellen außerhalb der Gebärmutter in Gewebe umwandeln, das der Gebärmutterschleimhaut ähnelt. Sie könnte erklären, warum Endometriose auch an Stellen auftritt, die nicht unmittelbar mit der Gebärmutter verbunden sind.

Induktionstheorie: Diese Theorie geht davon aus, dass bestimmte Stoffe aus Gebärmutterschleimhautzellen Umwandlungsprozesse in anderen Zellen anregen könnten. Sie verbindet damit Aspekte der Transplantations- und der Metaplasietheorie.

Ausbreitung über Blut- und Lymphgefäße: Eine weitere Erklärungsmöglichkeit ist, dass Zellen oder Zellbestandteile über Blut- oder Lymphgefäße an andere Körperstellen gelangen. Dies könnte zur Erklärung seltener Endometrioseherde außerhalb des Beckens beitragen.

Neben diesen Theorien werden Veränderungen des Immunsystems und der hormonellen Regulation als mögliche Einflussfaktoren diskutiert. Auch eine familiäre Veranlagung scheint eine Rolle zu spielen. Keine der bisherigen Erklärungen kann jedoch alle Erscheinungsformen der Endometriose vollständig erklären.

Symptome

Das wichtigste Symptom der Endometriose sind Schmerzen, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können. Häufig treten sie vor oder während der Menstruation auf. Sie können aber auch unabhängig vom Zyklus bestehen und sich zu chronischen Unterbauchschmerzen entwickeln. Die Stärke der Beschwerden lässt nicht zuverlässig auf das Ausmaß der Erkrankung schließen: Manche Betroffene haben trotz ausgeprägter Endometrioseherde kaum Symptome, während andere unter starken Schmerzen leiden.

Schmerzen und Krämpfe

Typisch sind starke, krampfartige Menstruationsschmerzen, die über gewöhnliche Regelschmerzen hinausgehen können. Die Schmerzen treten häufig im Unterbauch auf und können in den Rücken oder die Beine ausstrahlen. Bei manchen Betroffenen beginnen sie bereits vor der Menstruation und halten über deren Ende hinaus an.

Auch Schmerzen während oder nach dem Geschlechtsverkehr können auf eine Endometriose hinweisen. Weitere mögliche Beschwerden sind Schmerzen beim Stuhlgang oder beim Wasserlassen, insbesondere wenn Darm oder Harnwege betroffen sind.

Weitere mögliche Beschwerden

Neben Schmerzen können unter anderem folgende Symptome auftreten:

Bei bestimmten Formen der Endometriose kann es auch zu Blut im Stuhl oder Urin kommen. Solche Beschwerden sollten ärztlich abgeklärt werden, da sie verschiedene Ursachen haben können.

Endometriose und unerfüllter Kinderwunsch

Endometriose kann die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Entzündungsprozesse, Verwachsungen oder Veränderungen an Eierstöcken und Eileitern können dazu beitragen, dass eine Schwangerschaft erschwert wird. Auch weitere biologische Mechanismen werden als mögliche Einflussfaktoren diskutiert. Allerdings führt Endometriose nicht zwangsläufig zu Unfruchtbarkeit: Viele Betroffene können auf natürlichem Weg schwanger werden.

Warum entstehen die Schmerzen?

Die Beschwerden können durch verschiedene Mechanismen entstehen. Entzündungsreaktionen im Bereich der Endometrioseherde, Verwachsungen und Veränderungen des umliegenden Gewebes können Schmerzen auslösen. Bei länger anhaltenden Beschwerden kann zudem die Schmerzverarbeitung im Nervensystem verändert sein. Deshalb können Schmerzen auch dann fortbestehen, wenn die ursprünglichen Auslöser behandelt wurden.

Wann sollte man ärztlichen Rat suchen?

Sehr starke oder wiederkehrende Menstruationsschmerzen, Schmerzen außerhalb der Monatsblutung oder Beschwerden beim Geschlechtsverkehr, Wasserlassen oder Stuhlgang sollten gynäkologisch abgeklärt werden. Das gilt insbesondere, wenn die Schmerzen den Alltag einschränken oder Schmerzmittel nicht ausreichend helfen. Auch bei einem unerfüllten Kinderwunsch kann eine Abklärung auf Endometriose sinnvoll sein. 

Diagnose

Bis zur Diagnose einer Endometriose können mehrere Jahre vergehen. Ein Grund dafür ist, dass die Beschwerden sehr unterschiedlich ausfallen und häufig zunächst anderen Ursachen zugeschrieben werden. Starke Menstruationsschmerzen werden mitunter als normal angesehen, obwohl sie ärztlich abgeklärt werden sollten. Auch die Behandlung mit hormonellen Verhütungsmitteln kann Beschwerden lindern, ohne dass damit eine mögliche Endometriose ausgeschlossen ist.

Anamnese und gynäkologische Untersuchung

Am Anfang steht ein ausführliches Gespräch über die Beschwerden. Dabei fragt die Ärztin oder der Arzt unter anderem nach dem zeitlichen Zusammenhang mit dem Menstruationszyklus, der Stärke der Schmerzen, Blutungsstörungen, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr sowie Beschwerden beim Wasserlassen oder Stuhlgang. Anschließend kann eine gynäkologische Untersuchung erfolgen.

Ultraschall und weitere bildgebende Verfahren

Die transvaginale Ultraschalluntersuchung ist bei Verdacht auf Endometriose das wichtigste bildgebende Verfahren. Damit lassen sich beispielsweise Endometriome an den Eierstöcken und viele tief infiltrierende Endometrioseherde erkennen. Je nach Fragestellung kann zusätzlich eine Magnetresonanztomografie (MRT) sinnvoll sein.

Ein unauffälliger Ultraschall schließt Endometriose jedoch nicht aus. Insbesondere oberflächliche Herde am Bauchfell können mit bildgebenden Verfahren häufig nicht sicher erkannt werden. Bei anhaltendem Verdacht sollten die Beschwerden deshalb weiter ärztlich abgeklärt werden.

Bauchspiegelung zur weiteren Abklärung

Eine Bauchspiegelung (Laparoskopie) kann eingesetzt werden, wenn die Diagnose unklar bleibt oder eine operative Behandlung infrage kommt. Dabei werden die Bauchhöhle und die möglichen Endometrioseherde untersucht. Gewebeproben können entnommen und anschließend im Labor untersucht werden.

Eine Bauchspiegelung ist jedoch nicht in jedem Fall notwendig. Ob sie sinnvoll ist, hängt unter anderem von den Beschwerden, den Untersuchungsergebnissen und der geplanten Behandlung ab. Die Entscheidung sollte gemeinsam mit der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt getroffen werden.

Behandlung einer Endometriose

Die Behandlung der Endometriose richtet sich nach den Beschwerden, der Lage und Ausprägung der Herde, dem Alter und einem möglichen Kinderwunsch. Auch die persönliche Lebenssituation und die Verträglichkeit der Behandlung spielen eine Rolle. Ziel ist es, Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und mögliche Komplikationen zu vermeiden. Eine Behandlung, die die Erkrankung dauerhaft heilt, steht bislang nicht zur Verfügung.

Abwartendes Beobachten

Wenn eine Endometriose nur geringe oder keine Beschwerden verursacht, kann nach ärztlicher Beratung zunächst auf eine aktive Behandlung verzichtet werden. Voraussetzung ist, dass die Situation regelmäßig überprüft wird und keine medizinischen Gründe für eine Behandlung sprechen. Bei zunehmenden Beschwerden oder neuen Befunden sollte die Therapie neu bewertet werden.

Operative Behandlung

Bei einer Operation werden Endometrioseherde entfernt oder zerstört. Der Eingriff erfolgt meist minimalinvasiv im Rahmen einer Bauchspiegelung. Eine Operation kann insbesondere bei anhaltenden Beschwerden trotz medikamentöser Behandlung, bestimmten tief infiltrierenden Herden oder einer Beeinträchtigung von Organen infrage kommen. Auch bei Endometriomen an den Eierstöcken kann sie erwogen werden.

Ob eine Operation sinnvoll ist, muss individuell entschieden werden. Dabei sind mögliche Vorteile und Risiken gegeneinander abzuwägen. Eingriffe an den Eierstöcken können beispielsweise die Eierstockreserve beeinträchtigen und damit die Fruchtbarkeit beeinflussen. Eine vollständige Entfernung aller Herde ist nicht immer möglich oder sinnvoll. Auch nach einer erfolgreichen Operation können erneut Beschwerden auftreten.

Hormonelle Behandlung

Hormonelle Medikamente gehören zu den wichtigen Behandlungsmöglichkeiten bei Endometriose. Sie beeinflussen den Menstruationszyklus und die hormonabhängigen Prozesse, die das Wachstum und die Aktivität der Endometrioseherde unterstützen. Dadurch können Schmerzen und andere Beschwerden abnehmen.

Zu den Möglichkeiten gehören:

Welche Behandlung geeignet ist, hängt unter anderem von den Beschwerden, möglichen Gegenanzeigen und dem Kinderwunsch ab. Hormonelle Therapien können Nebenwirkungen verursachen, beispielsweise Blutungsstörungen, Kopfschmerzen oder Stimmungsschwankungen. Art und Häufigkeit hängen vom jeweiligen Präparat ab.

Die Behandlung kann längerfristig erforderlich sein. Nach dem Absetzen können die Beschwerden wiederkehren. Hormonelle Medikamente eignen sich außerdem nicht zur Behandlung eines aktuellen Kinderwunsches, da sie je nach Präparat den Eisprung unterdrücken können.

Schmerzbehandlung

Schmerzmittel können helfen, akute Beschwerden zu lindern. Dazu gehören beispielsweise nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Naproxen. Sie wirken schmerzlindernd und entzündungshemmend. Ob sie geeignet sind, hängt unter anderem von Vorerkrankungen, anderen Medikamenten und möglichen Nebenwirkungen ab.

Schmerzmittel beseitigen die Endometrioseherde nicht. Bei chronischen Schmerzen kann deshalb ein umfassenderes Behandlungskonzept notwendig sein, das medikamentöse und nichtmedikamentöse Maßnahmen miteinander verbindet.

Psychosoziale Unterstützung und ergänzende Maßnahmen

Endometriose kann den Alltag, die Partnerschaft, die Sexualität und die Familienplanung erheblich belasten. Bei anhaltenden Schmerzen, Erschöpfung oder einem unerfüllten Kinderwunsch kann psychosoziale oder psychotherapeutische Unterstützung hilfreich sein. Sie dient dazu, die Belastung zu bewältigen und den Umgang mit chronischen Schmerzen zu verbessern. Sie ersetzt keine medizinische Behandlung.

Entspannungsverfahren wie progressive Muskelentspannung, autogenes Training oder Atemübungen können ergänzend eingesetzt werden. Auch Bewegung, Physiotherapie und individuell geeignete Strategien zur Schmerzbewältigung können Teil eines umfassenden Behandlungskonzepts sein. Bei chronischen Schmerzen kann eine interdisziplinäre, multimodale Schmerztherapie sinnvoll sein.

Welche Maßnahmen helfen, ist individuell unterschiedlich. Betroffene sollten gemeinsam mit ihren behandelnden Fachpersonen regelmäßig prüfen, ob die gewählte Therapie ausreichend wirkt oder angepasst werden muss.

Vorbeugen

Eine gesicherte Möglichkeit, Endometriose vorzubeugen, ist bislang nicht bekannt. Auch eine frühe Diagnose kann die Erkrankung nicht sicher verhindern, ermöglicht aber, Beschwerden abzuklären und geeignete Behandlungsmöglichkeiten zu besprechen.

Starke oder wiederkehrende Menstruationsschmerzen sollten deshalb nicht einfach als normal hingenommen werden. Bei entsprechenden Beschwerden empfiehlt sich eine gynäkologische Abklärung.

Bei anhaltenden Beschwerden oder einer komplexen Erkrankung kann die Betreuung in einer spezialisierten Endometriose-Sprechstunde oder einem zertifizierten Endometriose-Zentrum sinnvoll sein. Auch Selbsthilfeangebote können den Austausch mit anderen Betroffenen erleichtern.


Quellen

1https://www.dggg.de/presse/pressemitteilungen-und-nachrichten/diagnostik-und-therapie-der-endometriose-verstaerkte-wissenschaftliche-forschung-essenziell-fuer-die-lebensqualitaet-von-betroffenen (Link zuletzt aufgerufen am 29.10.2026 um 12.32 Uhr)
https://register.awmf.org/assets/guidelines/015-045l_S2k_Diagnostik_Therapie_Endometriose_2025-10.pdf
https://www.gesundheitsinformation.de/wie-entsteht-endometriose.html
https://www.endometriose-vereinigung.de/wp-content/uploads/2025/10/Broschure-endometriose-menstruation_nrw2025.pdf


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