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Hilfe bei Verstopfung

Verstopfung (Obstipation) ist eine Erkrankung mit vielen möglichen Ursachen. Sie variiert von leichten Befindlichkeitsstörungen im Urlaub bis zu jahrelangen chronischen Beschwerden. Die Therapie umschließt eine Ernährungsumstellung, die Aufklärung der Betroffenen über die Abläufe der Verdauung und bei Bedarf den Einsatz von Abführmitteln. Menschen jeden Alters sind von Verstopfung betroffen. Obstipation kann ernsthafte Folgeerkrankungen nach sich ziehen.

In diesem Ratgeber erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:

  1. Formen der Verstopfung und ihre Ursachen
  2. Personen mit erhöhtem Risiko für Verstopfung
  3. Ernährung bei Verstopfung
  4. Folgeerkrankungen von Verstopfung
  5. Verstopfung behandeln
    1. Medikamente
    2. Hausmittel
    3. Erste Hilfe
    4. Verstopfung bei Kindern

Laut der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität und der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten leiden in Deutschland 5 bis 15 Prozent der Bevölkerung an chronischen Obstipationsbeschwerden (Verstopfung). Besonders häufig sind Menschen ab einem Alter von 60 Jahren betroffen. Es handelt sich deutlich häufiger um Frauen als um Männer.1 Als Ursache dominiert die funktionelle Störung des Darms. Eine Verstopfung liegt vor, wenn der Betroffene von weniger als drei Stuhlentleerungen pro Woche berichtet, die nur unter Schwierigkeiten möglich sind.

Formen der Verstopfung und ihre Ursachen

Der Darm ist sehr sensibel und daher störanfällig. Sein System schließt Nervenbahnen und das Gehirn ein. Auf jeder dieser Ebenen können Probleme entstehen, die zu Verstopfung führen. Je nach Ursache ist die Obstipation akut und legt sich wieder oder sie entwickelt sich zu einer chronischen Erkrankung.

  • Chronische habituelle Obstipation als funktionelle Störung: häufigste Form in Industrieländern, mit Ursachen wie ungesunde Ernährung, Trinkmenge zu gering, mangelnde Bewegung und Unterdrückung des natürlichen Reizes zur Stuhlentleerung
  • Obstipation bei Reizdarmsyndrom
  • Akute passagere Obstipation in besonderen Situationen: auf Reisen, bei einer Ernährungsumstellung, bei Fieber, im Rahmen von Bettruhe
  • Obstipation durch Medikamente: z.B. Antazida, Antidepressiva, Codein, Opiate, etc.
  • Obstipation bei Störungen im Elektrolythaushalt: Ein Missbrauch von Abführmitteln führt zu einem niedrigen Kaliumspiegel im Blut, dieser ruft Verstopfung hervor. So beginnt ein Teufelskreis.
  • Obstipation bei organischen Erkrankungen des Darms: Tumoren, Divertikulitis, Hernien, Verwachsungen nach Operation, Fremdkörper, Morbus Crohn, Abszesse oder Verletzungen am Enddarm oder Anus, Hämorrhoiden
  • Obstipation in Rahmen von neurologischen Erkrankungen: Diabetes mellitus, Parkinson, Multiple Sklerose, Morbus Hirschsprung
  • Obstipation aufgrund von hormonellen Ursachen: Unterfunktion der Schilddrüse, Schwangerschaft

Personen mit erhöhtem Risiko von Verstopfung

Menschen in verschiedenen Lebensabschnitten sind prädestiniert für Verstopfung. Meist gibt es hormonelle oder ernährungsbedingte Gründe für die Erkrankung.

Verstopfung in der Schwangerschaft

Während einer Schwangerschaft spielen sich viele Veränderungen im Körper einer Frau ab. Verstopfung tritt gerne im letzten Drittel auf, da der Darm unter dem Einfluss der Schwangerschaftshormone zunehmend langsamer arbeitet. Zusätzlich muss sich der Darm den Platz im Bauch mit der Gebärmutter teilen, was in den letzten Wochen vor der Geburt immer schwieriger wird. Die fehlende Möglichkeit für den Darm sich auszudehnen, führt ebenfalls häufig zu Verstopfung.

Besserung durch Bewegung, ausreichend Flüssigkeit und Ballaststoffe

Erste Maßnahmen zur Besserung der Obstipation sind viel Bewegung, eine gesteigerte Trinkmenge und die Zufuhr von Leinsamen oder anderen Ballaststoffen. Halten Sie dabei stets Rücksprache mit Ihrem betreuenden Frauenarzt oder Ihrer Hebamme, die Sie auch zu geeigneten Abführmitteln in der Schwangerschaft beraten werden.

Lesen Sie zu diesem Thema auch den passenden Artikel: 8 Tipps gegen Verstopfung in der Schwangerschaft

Verstopfung bei Babys & Kindern

Ein typischer Zeitpunkt für die erste Verstopfungsepisode eines Babys ist die Einführung der Beikost. Der oft zuerst gefütterte Karottenbrei stopft zum Beispiel und legt den Darm eines zuvor voll gestillten Kindes rasch lahm.

Besserung durch Massagen und ausreichend Trinken

Rasche Abhilfe schaffen hier Bauchmassagen, reichlich Muttermilch oder Wasser und der Umstieg von Karotte auf Pastinake oder Zucchini.

Sauberkeitserziehung als Auslöser

Die nächste Häufung der Fälle tritt mit der Sauberkeitserziehung auf. Handhaben die Eltern das "Toilettentraining" zu streng oder hat das Kind anderweitig ein negatives Erlebnis im Zusammenhang mit dem Stuhl absetzen, hält es den Stuhlgang willentlich zurück und es folgt eine Verstopfung. Ein Besuch beim Kinderarzt klärt, wo das Problem liegt und ob kurzfristig Medikamente (z.B. Macrogol) eingesetzt werden sollten.

Verletzungen in der Analregion als Auslöser

Eine weitere Ursache für Verstopfung bei Kindern kann eine kleine Verletzung am Anus (Analfissur, Rhagade) oder eine Entzündung in der Region des Pos sein. Hat das Kind einmal Schmerzen beim Toilettengang erlebt, hält es daraufhin eventuell den Stuhl ein und es entsteht eine Obstipation.

Hilfe durch Kinderarzt

Auch hier ist der Kinderarzt gefragt, der die Verletzung behandeln und eventuell eine betäubende Creme für die ersten Tage verschreiben kann. Ist die Verstopfung akut schon weit fortgeschritten, kann ein kleiner Einlauf erforderlich werden. Macrogol in hoher Dosierung eingenommen erfüllt diesen Zweck alternativ auch ohne Manipulation am Enddarm, die das Kind noch weiter traumatisieren kann.

Verstopfung im Alter

20 bis 30 Prozent der Menschen über 60 Jahre haben mit Verstopfung zu kämpfen.2

Verlangsamter Stoffwechsel und Bewegungseinschränkungen

Die Gründe liegen bei dem zunehmend verlangsamten Stoffwechsel, Bewegungsmangel, Medikamenteneinnahmen oder Flüssigkeitsmangel.

Gehäuft auftretende Erkrankungen im Alter

Altersabhängig vermehrt auftretende Erkrankungen wie Demenz, Morbus Parkinson, Diabetes mellitus und Depressionen tragen ebenfalls zum erhöhten Risiko einer Obstipation bei. Bettlägerigkeit und die mangelnde Intimsphäre in einem Pflegeheim wirken sich negativ auf die Darmtätigkeit aus. Experten empfehlen die Anlage eines Stuhlprotokolls, Aufklärung der Betroffenen und den sinnvollen Einsatz von verträglichen Abführmitteln.3

Ernährung bei Verstopfung

Der Darm ist ein hoch sensibles Organ und die Zusammensetzung der Ernährung übt einen deutlichen Einfluss auf die Verdauung aus. So können Sie eine Verstopfung schon durch eine entsprechende Nahrungsauswahl bessern.

Nahrungsmittel, die bei Verstopfung besonders verträglich sind

  • Vollkornprodukte (Brot, Nudeln, Reis, etc.)
  • Obstsorten wie Birnen, Mango, Papaya
  • Gemüsesorten wie Pastinake, Zucchini
  • pflanzliche Fette und Öle
  • fettarme Milchprodukte
  • Gewürze wie Kümmel, Anis und Fenchel
  • Trockenobst, besonders Pflaumen
  • ballaststoffreiche Lebensmittel (Leinsamen, Müsli, Weizenkleie)

Was Sie bei Verstopfung trinken sollten

Achten Sie auf eine ausreichende Trinkmenge von 1,5 bis 2 Litern am Tag. Besonders eignen sich hier:

  • stilles Wasser
  • Kräutertees und milde Früchtetees
  • gut verdünnte Saftschorlen

Was Sie bei Verstopfung eher vermeiden sollten

  • Weißmehlprodukte
  • Fertigprodukte
  • Süßigkeiten, besonders Schokolade
  • fetthaltige Wurstprodukte
  • Fastfood
  • Bananen, Karotten

Folgeerkrankungen von Verstopfung

Chronische Verstopfung kann sich über einen langen Zeitraum negativ auf den Darm auswirken. Das Risiko für Divertikulose (Darmausstülpungen) und Divertikulitis (Entzündung der Ausstülpungen) steigt und auch Hämorrhoiden treten bei Menschen mit Obstipation häufiger auf als bei Gesunden.4

Verstopfung und Darmkrebs

Eventuell steigt für Patienten mit chronischer Verstopfung auch das Darmkrebsrisiko. Eine Studie in den USA weist darauf hin. Der verlängerte Kontakt von krebsauslösenden Stoffen, wie z.B. Gallensäuren, mit der Darmschleimhaut ist eine mögliche Ursache.5

Verstopfung behandeln

Eine Verstopfung behandelt der Arzt zunächst durch die Diagnostik und Therapie einer eventuellen Grunderkrankung. Eine Ernährungsberatung führt den Betroffenen an eine ausgewogene Ernährung und einen gesunden Lebensstil heran. Liegt eine funktionelle Störung vor, stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung.

Medikamente gegen Verstopfung

Die Mittel der ersten Wahl bei akuter funktioneller und chronischer Verstopfung sind nach den Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität und der Deutschen Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten folgende (die Auswahl bestimmter Präparate entstammen nicht diesen Leitlinien) :6

Macrogol

Macrogol (= PEG, Polyethylenglykol) liegt in Pulverform vor und wird oft mit Elektrolyten kombiniert. Die optimale Dosierung variiert stark von Person zu Person. Ein Richtwert ist 1 bis 3 Mal täglich ein Beutel Macrogol-Pulver für Kinder ab 12 Jahren und Erwachsene. Bekannte häufige Nebenwirkungen sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall.

Präparate mit Macrogol

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Bisacodyl

Bisacodyl verstärkt die Flüssigkeits- und Elektrolytabgabe in den Darm und steigert die Darmbewegungen. Es ist in Form von Dragees, Tabletten und Zäpfchen erhältlich. Die Dosierung entnehmen Sie bitte dem jeweiligen Beipackzettel. Sie variiert deutlich je nach Grad der Verstopfung. Häufige Nebenwirkungen sind Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall.

Weitere Informationen zum Wirkstoff Bisacodyl.

Präparate mit Bisacodyl

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Natriumpicosulfat

Natriumpicosulfat wirkt ebenfalls über eine verstärkte Flüssigkeits- und Elektrolytabgabe in den Darm und regt die Darmmotorik an. Der Wirkstoff ist in Form von Dragees, Tropfen, Lösung, Pulver, Tabletten und Zäpfchen anzuwenden. Die Dosierung entnehmen Sie bitte der Packungsbeilage. Häufige Nebenwirkungen sind Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall.

Präparate mit Natriumpicosulfat

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Die Leitlinien stellen entgegen der landläufigen Meinung fest, dass eine Abhängigkeit oder Gewöhnung an diese drei Substanzen selbst bei jahrelangem Gebrauch sehr selten ist.7

Lactulose

Lactulose wird noch angewendet, ist aber in Wirkung und Nebenwirkungen den Mitteln der ersten Wahl unterlegen. Es kommt als Pulver, Suspension oder Sirup zum Einsatz. Lactulose wirkt osmotisch im Darm und kann durch Gasbildung starke Blähungen auslösen.

Präparate mit Lactulose

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Flohsamen

Flohsamen reguliert den Stuhlgang als Quellmittel.

Präparate mit Flohsamen

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Hausmittel gegen Verstopfung

Der erste Schritt weg von der Verstopfung ist eine Ernährungsumstellung, dann folgen die altbewährten Hausmittel:

  • Trinken Sie morgens nüchtern ein Glas Wasser, eventuell mit etwas Milchzucker darin.
  • Massieren Sie täglich vor dem Aufstehen Ihren Bauch von rechts unten im Uhrzeigersinn nach links unten, entlang des Dickdarmverlaufs.
  • Essen Sie eine Handvoll getrocknete Pflaumen.
  • Nehmen Sie Lactulose in einer Dosis von 10 bis 20 Gramm täglich ein.
  • Essen Sie zwei Mal täglich ein bis zwei Esslöffel Leinsamen in Naturjoghurt eingerührt.

Erste Hilfe bei Verstopfung

Manchmal ist eine Verstopfung so ausgeprägt, dass der Betroffene unter starken Bauchschmerzen leidet und akut Hilfe benötigt. Der Arzt greift in so einem Fall zu einem Einlauf, zu Hause können Sie es zunächst mit einem Miniklistier oder Zäpfchen probieren. Dabei führen Sie das Medikament in flüssiger Form rektal ein und lösen so nach einer kurzen Einwirkzeit eine Stuhlentleerung aus. Selbst harte Kotballen, die sich im Enddarm angesammelt haben, können mit dieser Hilfe ausgeschieden werden.

Lokale Entleerungshilfen:

Behandlung von Verstopfung bei Kindern

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen und reagieren besonders sensibel auf Vorgänge in ihrem Körper. Die Behandlung einer akuten oder chronischen Verstopfung braucht viel Geduld und in vielen Fällen ein ausdauerndes Verhaltenstraining rund um den Toilettengang.

Eine medikamentöse Behandlung erfolgt am besten oral. Mit Macrogol-Pulver in einer Dosierung per Beutel kann Ihr Kinderarzt die Therapie genau der vorliegenden Problematik anpassen. Macrogol ist für Kinder in Deutschland verschreibungspflichtig. Bei einer Behandlung der Verstopfung mit einem Einlauf sollte eine Sedierung des Kindes erwogen werden. So verschläft und vergisst der kleine Patient die unangenehme Prozedur und wird nicht unnötig traumatisiert.

Leiden Sie häufiger unter Verstopfung oder können die Ursachen nicht genau ausmachen, sollten Sie unbedingt einen Arzt aufsuchen. Dieser wird eine entsprechende Behandlung einleiten.

Autorin - Jessica Kilonzo
Autorin: Jessica Kilonzo

Jessica Kilonzo, Fachärztin für Kinderheilkunde und Jugendmedizin, sammelte Berufserfahrung in Frankfurt am Main, bevor sie mit ihrer Familie nach Tansania zog. Jetzt lebt und arbeitet sie am Kilimanjaro, dem höchsten Berg Afrikas. Online schreibt Jessica Kilonzo für verschiedene Gesundheitsportale, wie zum Beispiel den Allergie-Blog von Allergo Natur.


Quellen

1,6,7 Deutsche Gesellschaft für Neurogastroenterologie und Motilität (DGNM) und Deutsche Gesellschaft für Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten, in Zusammenarbeit mit weiteren Fachgesellschaften: Gemeinsame Leitlinie Chronische Obstipation: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. AWMF-Register Nr. 021/019, S2k, Stand: 02/2013. Online: http://www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/021-019l_S2k_Chronische_Obstipation_2013-06_01.pdf
2,4 Herold G. und Mitarbeiter: Innere Medizin, 2014, Köln, Gerd Herold, Seite 382 ff.
3 http://www.deutsche-seniorenliga.de/themen-initiativen/gesundheit-fitness/24-chronische-verstopfung.html
5 https://www.iww.de/mr/innere-medizin/kolorektales-karzinom-chronische-verstopfung-ein-risikofaktorfuer-darmkrebs-f62138


Bitte beachten Sie: Die im Ratgeber aufgeführten Medikamente stellen keine Empfehlungen der Autorin dar. Es handelt sich hierbei lediglich um eine lose Auswahl von Präparaten, die einen bestimmten Wirkstoff enthalten und/oder einer speziellen Produktkategorie zugeordnet werden. Diese werden über sparmedo.de direkt eingepflegt und stellen keineswegs eine Aufforderung zum Kauf eines bestimmten Medikaments dar.

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