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Hilfe bei Depressionen und depressiver Verstimmung

Depressionen beruhen auf einem Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn. Verschiedene Faktoren können dieses Ungleichgewicht auslösen und gerade in Verbindung mit Lebensumständen zu unterschiedlich starken Symptomen führen. Durch eine zielführende Behandlung mit Medikamenten und einer Psychotherapie, die von einer speziellen Ernährung ergänzt wird, kann der Leidensdruck effektiv vermindert werden. Wird die Behandlung ausreichend lange verfolgt und eine effektive Rezidivprophylaxe betrieben, kann die Wahrscheinlichkeit eines Rückfalls minimiert werden. 

In diesem Ratgeber erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:

  1. Was Sind depressive Verstimmungen & Depressionen?
  2. Unterschied zwischen depressiver Verstimmung und Depression
  3. Grade einer Depression
  4. Spezielle Formen der Depression
  5. Ursachen
  6. Symptome & mögliche Anzeichen
  7. Mögliche Risikogruppen
  8. Ernährung bei Depressionen
  9. Depressive Verstimmungen & Depressionen überwinden
  10. Depressionen vorbeugen

Frauen sind von Depressionen in Deutschland doppelt so häufig betroffen wie Männer, wie eine Studie aus dem Jahr 2011 zeigt. Die höchste Zahl von Betroffenen unterscheidet sich dabei nach Lebensabschnitt und Geschlecht. Männer neigen in den Zwanzigern eher zu Depressionen, während Frauen verstärkt in der Lebensmitte betroffen sind:1

Bevölkerungsanteil mit Depressionen in Deuschtland im Jahr 2011

Was sind depressive Verstimmungen & Depressionen?

Depressionen treten in vielen verschiedenen Formen auf. Je nach Schwere wird zudem zwischen einer Depression und einer depressiven Verstimmung unterschieden. Oft treten die Symptome ausschließlich in der dunklen Jahreszeit auf. Wie die einzelnen Typen charakterisiert sind, zeigen die folgenden Merkmale.

Was unterscheidet die Krankheit von normaler Traurigkeit?

Als allgemeines Kriterium zur Feststellung der Krankheit kann das Vermögen, Freude zu empfinden, angewandt werden. Ist jemand seit zwei Wochen oder mehr nicht mehr in der Lage, etwas anderes als Trauer, Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit zu empfinden, handelt es sich nicht mehr um ein "normales" Tief. So kann die Krankheit auch von üblichen Trauerreaktionen, beispielsweise durch das Ende einer Beziehung oder den Tod eines geliebten Menschen unterschieden werden.

Unterschied zwischen depressiver Verstimmung und Depression

Grundsätzlich lässt sich eine depressive Verstimmung von einer Depression aufgrund ihrer Schwere unterscheiden. Depressionen werden in leichte, mittlere und schwere Formen unterteilt. Leichte und mittlere Depressionen werden auch als Depressive Verstimmung bezeichnet. Die schwerste Form wird "Depression" genannt. Im Volksmund werden die beiden Begriffe jedoch häufig synonym verwendet.

Die Grade einer Depression

Depressive Verstimmungen sind nicht unbedingt mit dem Ende der psychischen und physischen Leistungsfähigkeit gleichzusetzen. Je nach Schwere der Depression ist der Alltag der Betroffenen mehr oder weniger stark betroffen. Eine Charakterisierung des Depressionsgrades erfolgt über die Anzahl der Haupt- und Nebensymptome.

Die drei Hauptsymptome sind:

  1. gedrückte, depressive Stimmung
  2. Interessenverlust, Freudlosigkeit
  3. Antriebsmangel, erhöhte Ermüdbarkeit

Die sieben Nebensymptome sind:

  1. verminderte Konzentration und Aufmerksamkeit
  2. vermindertes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen
  3. Gefühle von Schuld und Wertlosigkeit
  4. negative und pessimistische Zukunftsperspektiven
  5. Selbstmordgedanken
  6. Schlafstörungen
  7. Appetitmangel

Leichte Depression

Bei einer leichten Form der Depression sind die Symptome der Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit vorhanden. Der Betroffene ist jedoch noch in der Lage, seinem gewohnten Alltag nachzugehen.

Es treten zwei Hauptsymptome und zwei Nebensymptome auf.

Mittlere Depression

Bei der mittelschweren Depression ist der Betroffene im täglichen Leben schon bedeutend eingeschränkt durch seine Symptomatik. Es ergeben sich Schwierigkeiten am Arbeitsplatz und im zwischenmenschlichen Kontakt. Probleme mit Freunden und Familie sind ein typisches Symptom, genauso wie der Rückzug vom gesellschaftlichen Leben.

Es treten zwei Hauptsymptome und drei oder vier Nebensymptome auf.

Schwere Depression

Die schwere Depression macht dem Betroffenen eine Bewältigung des Alltags unmöglich. Meist fehlt ihm die Kraft für die einfachsten Dinge wie das Aufstehen oder die Körperpflege und das Essen. Es können zudem Symptome einer Angststörung auftreten oder sogar Wahnvorstellungen.

Es treten alle drei Hauptsymptome und mindestens vier Nebensymptome auf.

Spezielle Formen der Depression

Neben diesen Graden einer Depression sind auch noch spezielle Formen bekannt, die beispielsweise im Zusammenhang mit der Jahreszeit stehen. aber auch eine sogenannte manische Depression ist denkbar, bei der sich Phasen der Euphorie und Depression abwechseln.

Manisch-depressive Erkrankung

Die sogenannte Bipolare Störung zeichnet sich durch eine Depression mit zwei Extremen aus. Der Betroffene erlebt im Wechsel tiefste Niedergeschlagenheit und höchste Euphorie. Diese Dualität der Symptomatik macht eine Behandlung schwierig, aber nicht unmöglich. Wichtig ist es in jedem Fall, die ungleichen Symptome durch eine angepasste Medikation in Schach zu halten.

Winterdepressionen

Gerade in nördlichen Breitengraden tritt eine sogenannte "Winterdepression" gehäuft auf. Der Mangel an Sonnenlicht in der dunklen Jahreszeit, die kurzen Tage und das trübe Wetter lösen eine ernstzunehmende depressive Verstimmung aus. Von Winterdepressionen kann im Grunde jeder Mensch betroffen sein. „Ab dem 20. Lebensjahr bis ins hohe Alter treten Winterdepressionen in der Regel auf“, meint Anja Hirth, Hypnotherapeutin und Heilpraktikerin aus Ulm. Menschen, die unter Winterdepressionen leiden, finden den Weg in ihre Praxis.

Warum entstehen Winterdepressionen?

Wie kommt es nun dazu, dass uns der Herbst und Winter derart aufs  Gemüt schlagen können? Anja Hirth meint: „Winterdepressionen sind meist hormonell bedingt. Aufgrund der kürzer werdenden Tage in diesen Jahreszeiten, geht die Bildung des Glückshormons Serotonin zurück. Es wird vermutet, dass zu wenig Tageslicht auf die Netzhaut fällt. Dies hat zur Folge, dass das Gehirn vermehrt das Schlafhormon Melatonin ausschüttet. Wird zu viel Melatonin produziert,  fühlen wir uns konstant müde, schlapp, schlecht gelaunt und antriebslos.“ 

Launenhaft, antriebslos und unausgeglichen - typisch für Winterdepression

Diese bei uns hervorgerufen Gefühle und Stimmungen rufen unterschiedliche Symptome einer Winterdepression hervor:

  • Antriebs- und Interessenlosigkeit
  • Freudlosigkeit
  • Mutlosigkeit
  • Unentschlossenheit
  • gesteigertes Schlafbedürfnis
  • Heißhunger-Attacken
  • Zukunftsangst
  • Elendsgefühl
  • emotionaler Unausgeglichenheit
  • Anspannung
  • wechselnde Launen
  • verminderte soziale und persönliche Aktivitäten

Glücklicherweise verbessert sich der Zustand bei vielen Betroffen, sobald es wieder wärmer wird. „Diejenigen werden wieder aktiver und fühlen sich im Allgemeinen besser. Allerdings sollte ein Arzt zu Rate gezogen werden, sobald die Symptome überhand nehmen oder die Winterdepressionen einen im Alltag einschränken“, so Anja Hirth.

Winterdepressionen mit Licht und Vitamin D behandeln

Betroffene können Einiges selbst steuern, um Winterdepressionen entgegenzuwirken. Anja Hirth rät zu „Vitamin D 1000 i.E. und Tageslicht. Es gibt auch Tageslichtlampen, sowohl für Büros als auch für Wohnräume. Weiterhin sind Bewegung und frische Luft wichtig. Auch die Ernährung spielt eine bedeutende Rolle - vor allem ausgewogen sollte sie sein, mit viel frischem Obst und Gemüse. Auf Fast Food sollte verzichtet werden.“ Aus ihrer eigenen Erfahrung weiß sie, dass hypnotherapeutische Ansätze ergänzend dazu eingesetzt werden können, denn diese sorgen für mehr inneres Gleichgewicht und kurbeln den inneren Motor an.“ Mehr zur Hypnotherapie, die Frau Hirth bereits seit 2005 erfolgreich in ihrer Praxis anwendet, lesen Sie im Interview mit Anja Hirth.

Ursachen

Die Ursachen von Depressionen können auf ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn zurückgeführt werden. In Kombination mit diversen auslösenden Faktoren entsteht dann eine depressive Verstimmung oder Depression.

Entstehung von Depressionen

Wird ein Botenstoff zu wenig produziert oder im Verhältnis zu anderen zu viel, entstehen Verstimmungen und Depressionen. Die wichtigsten Botenstoffe sind:

  • Dopamin, welches für angenehme Gefühle sorgt. Ein Mangel führt zu Niedergeschlagenheit.
  • Noradrenalin, welches eine aktivierende und wach machende Funktion besitzt.
  • Endorphine, die Schmerzen unterdrücken.
  • Serotonin, welches für Ruhe und Zufriedenheit wichtig ist. Fehlt dieser Botenstoff, entstehen Angstgefühle.

Störungen können in folgenden Fällen auftreten:

  • Ein Botenstoff ist nicht (ausreichend) vorhanden.
  • Der Botenstoff ist zwar in ausreichender Menge vorhanden, wird aber zu schnell wieder aufgenommen, sodass die Produktion nicht "nachkommt".
  • Botenstoffe können nicht an der gewünschten Nervenzelle andocken und ihre Wirkung somit nicht entfalten.

Ausschlaggebende Faktoren

Das Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn ist zunächst ein rein chemischer Prozess. Ein Ungleichgewicht der Botenstoffe allein muss nicht zwingend zur Depression führen. Kommt es aber mit einem auslösenden Faktor, der Niedergeschlagenheit und Hoffnungslosigkeit auslöst, zusammen, entsteht eine depressive Verstimmung. Zudem können weitere Faktoren ein Ungleichgewicht der Botenstoffe begünstigen. Hierzu zählen:

  • Drogen, Alkohol und bestimmte Medikamente
  • die genetische Veranlagung
  • ein gestörter Tag-/Nachtrhythmus
  • Gifte
  • Erkrankungen, wie zum Beispiel die Schilddrüsenunterfunktion

Vererbung von Depressionen

Studien mit Zwillingen und Adoptivkindern belegen, dass die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken, höher ist, wenn bereits ein Elternteil daran leidet. Zwar existiert kein einzelnes Gen, das für Depressionen verantwortlich ist. Aber die Veranlagung bestimmt zumindest die Empfindlichkeit für Depressionen. Diese entscheidet darüber, ob aus sich aus einer psychischen Belastung eine depressive Erkrankung entwickelt oder ob es bei einer vorübergehenden Niedergeschlagenheit bleibt. Allerdings sind stets auch die Umweltfaktoren und Wechselwirkungen innerhalb einer Familie zu berücksichtigen, wenn die Frage nach der genetischen Veranlagung einer Depression gestellt wird.2

Symptome und mögliche Anzeichen

Depressionen sind von einer Vielzahl von Symptomen begleitet. Nicht jedes Symptom muss dabei in gleichem Maße zutreffen. Oft fehlen einzelne Anzeichen völlig:

Symptome von Depressionen

Die folgende Liste gibt jedoch einen Aufschluss darüber, welche Indikatoren eine Depression anzeigen können. Je mehr Aspekte zutreffen, desto wahrscheinlicher ist es, dass eine depressive Verstimmung oder Depression vorliegt.

Körperliche Symptome

  • Gewichtszu- oder -abnahme
  • vermehrte Müdigkeit
  • Appetitmangel
  • Schlafstörungen

Seelische Symptome

  • gedrückte Stimmung
  • Interessenverlust
  • Erschöpfung
  • Freudlosigkeit
  • Antriebsmangel
  • sozialer Rückzug
  • Konzentrationsstörungen
  • Anspannung
  • Reizbarkeit
  • Nervosität

Körperliche Beschwerden ohne organische Ursache

Obige Symptome können von anderen körperlichen Anzeichen begleitet sein, die zunächst wie eine „normale“ Krankheit erscheinen. Sind die körperlichen Beschwerden jedoch nicht durch organische Ursachen erklärbar, könnte es sich um Anzeichen für eine Depression handeln.

  • Störungen des Verdauungstraktes wie Verstopfung oder Durchfall sowie ständige Übelkeit
  • sexuelle Funktionsstörungen
  • chronische Schmerzen, vor allem im Bereich von Kopf und Rücken
  • chronische Verspannungen , meist im Nackenbereich
  • Sehstörungen wie Flimmern vor den Augen oder verschwommenes Sehen
  • vermeintliche Kreislauf- oder Herzprobleme wie Atemnot, Schwindel und Druckgefühl im Bereich des Brustkorbs

Mögliche Risikogruppen

Bestimmte Personengruppen leiden mit höherer Wahrscheinlichkeit im Lauf ihres Lebens an Depressionen als andere. Generell liegt die Wahrscheinlichkeit für Frauen mit 20-25% doppelt so hoch wie die für Männer (7-12%). 3 Zudem können besondere Risikogruppen eingegrenzt werden, zu denen folgende zählen:

  • Personen, die vermehrt Alkohol und Drogen konsumieren
  • Personen, deren Familienangehörigen und direkten Verwandten bereits eine psychische Erkrankung aufweisen
  • Menschen, die schon einmal an einer Depression litten
  • ältere Menschen, die viel Zeit alleine verbringen
  • jüngere Menschen, die hohem sozialen und psychischen Stress ausgesetzt sind

Je nach Umweltfaktoren und Alter sowie Geschlecht lassen sich Aussagen über spezielle Personengruppen treffen:

Depressionen bei Kindern

Schon in frühen Jahren können bei Kindern Depressionen auftreten, auch wenn die Wahrscheinlichkeit dafür sehr gering ist. Im Gegensatz zu Erwachsenen zeigt sich die Symptomatik nicht unbedingt durch Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit, sondern in Wutausbrüchen, "Klammern" und häufigem Weinen. Da das Feld der Depressionen bei Kindern noch wenig erforscht ist, bedarf es einer detaillierten Diagnostik, um die richtigen Behandlungsschritte zu ergreifen. Dies ist umso wichtiger, da eine sehr früh beginnende Depression nur schwer zu heilen ist.

Depressionen in der Schwangerschaft

Unter werdenden Müttern ist die Wochenbettdepression ein gängiger Begriff. Doch nicht erst nach der Geburt kann eine Depression auftreten. Unter Umständen zeigt sich die Erkrankung bereits während der Schwangerschaft.

Auslöser der Schwangerschaftsdepression

Die Auslöser sind vielfältig: Einerseits gerät der Hormonhaushalt während der Schwangerschaft in Aufruhr, was ein Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn auslösen kann. Andererseits steht eine lebensverändernde Entwicklung an, die einhergeht mit Konflikten in Bezug auf die Rolle der zukünftigen Mutter. Die eigenen Erwartungen, auch in Anbetracht des Berufslebens, die Beziehung zum Partner und die traditionellen Werte der Familie und verwandten ergeben ein Potpourri an Anforderungen und Erwartungshaltungen, welche die Schwangere überfordern können. 

Symptome und Behandlung

Die Symptomatik einer Schwangerschaftsdepression entspricht weitestgehend der einer "normalen" Depression. Schwieriger gestaltet sich die Behandlung, da die Einnahme von Medikamenten während der Schwangerschaft Auswirkungen auf das ungeborene Kind haben kann. Hier ist eine enge Abstimmung mit dem behandelnden Arzt notwendig, der vornehmlich auf bekannte Präparate setzen sollte. So können Risiken und Nutzen abgewogen werden. Zudem bieten verhaltenstherapeutische Ansätze und eine Einbindung der werdenden Mutter in stabile soziale Strukturen eine wesentliche Rolle.

Depressionen bei Männern

Depressionen sind bei Männern seltener als bei Frauen und werden oft gerade deshalb nicht erkannt. Zwar bleibt die Grundsymptomatik gleich: Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Schlafstörungen. Darüber hinaus neigen Männer jedoch im Gegensatz zu Frauen eher zu extremen Reaktionen wie Wutausbrüchen. Diese Ausraster werden häufig nicht mit einer Depression in Verbindung gebracht, sondern mit einem heftigen Temperament. Zudem treten bei Männern verstärkt körperliche Symptome auf. Darunter fallen vor allem Anzeichen, die zunächst an einen Herzinfarkt oder Kreislaufprobleme denken lassen. 

Depressionen im Alter

Im Alter wird eine Depression häufig nicht erkannt, da sie sich mit der Symptomatik anderer alterstypischer Erkrankungen, beispielsweise der Demenz, überschneidet. Dennoch ist die Depression eine der häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter.

Mögliche Auslöser für eine Altersdepression

Die Auslöser liegen oft in der Einschränkung der Lebensqualität aufgrund von Krankheiten und Beschwerden. Auch die mangelnde Einbindung in das soziale Leben und die daraus resultierende Einsamkeit bilden einen nicht zu unterschätzenden Faktor. Gerade wenn der langjährige Partner verstirbt oder in eine Pflegeeinrichtung umsiedeln muss, stellt dies einen bedeutenden Einschnitt dar, der psychische Auswirkungen nach sich ziehen kann. 

Die Symptomatik und Behandlung

Die Depressionen im Alter ähneln der in jungen Jahren sehr. Die Entwicklung der Symptomatik geht jedoch bedeutend langsamer von statten und verschwindet oft vor dem Hintergrund anderer, körperlicher Beschwerden, die offensichtlicher sind. Die Behandlung erfolgt analog zu Depressionen in jüngeren Jahren. Bei der Dosierung ist jedoch darauf zu achten, dass einige Wirkstoffe im Alter den Körper stärker belasten. die Dosierung ist daher vom behandelnden Arzt entsprechend anzupassen. Zudem sollte das Medikament nicht ausgeschlichen werden, sondern am besten lebenslang eingenommen werden, da die Rückfallquote im Alter bedeutend höher liegt.

Depressionen durch die Pille

Auch durch die Pille können depressiver Verstimmungen auftreten. Hier gilt der gleiche Grundsatz wie bei Schwangerschafts- und Wochenbettdepressionen: Der Hormonhaushalt der Frau wird empfindlich gestört. Das kann, muss aber nicht zu einem Ungleichgewicht der Botenstoffe und einer daraus resultierenden Depression führen. Steht die Pille im Verdacht, Depressionen auszulösen, kann ein Wechsel des Präparats weitere Hinweise geben.

Rolle der Ernährung

Die Ernährung kann ein Schlüsselfaktor bei der Therapie von Depressionen sein. Fest steht, dass niemand aufgrund falscher Ernährung depressiv wird oder mit der "richtigen" Ernährung jegliche Verstimmung einfach verschwindet. Aber festzuhalten bleibt, dass gewisse Nährstoffe das Befinden positiv beeinflussen können.

Ernährung beeinflusst Ungleichgewicht der Botenstoffe

Wie bereits erläutert, beruhen Depressionen auf einem Ungleichgewicht der Botenstoffe im menschlichen Gehirn. Dieses (Un-)Gleichgewicht kann durch die Nahrung beeinflusst werden. Vor allem die Vitamine B6, B9 und B12 spielen eine entscheidende Rolle bei der körpereigenen Produktion von Neurotransmittern. Sie beeinflussen maßgeblich den Spiegel von Serotonin und Dopamin, zwei Glückshormonen. Durch die Ernährung kann also ein Ungleichgewicht der Neurotransmitter graduell verbessert werden, weshalb die Ernährung stets in die Therapie von Depressionen miteinbezogen werden sollte.

Empfehlenswerte Lebensmittel

Um Botenstoffe im Gehirn zu produzieren und zu aktivieren sind die genannten Vitamine entscheidend. Darüber hinaus kommt den sogenannten essenziellen Aminosäuren eine entscheidende Bedeutung zu. Ein Beispiel ist Tryptophan, ein Eiweiß, das vor Körper nicht selbst gebildet werden kann, sondern über die Nahrung aufgenommen werden muss. Das Eiweiß bildet die Vorstufe der Neurotransmitter, da der Körper es in diese umwandelt. Tryptophanhaltige Lebensmittel bilden also eine gute Voraussetzung, um ein Ungleichgewicht der Botenstoffe nachhaltig zu korrigieren. Beispiele für besonders tryptophanhaltige Lebensmittel sind:

  • Milchprodukte wie Joghurt, Käse und Quark
  • Kartoffeln
  • Eier
  • Sojabohnen (für Vegetarier und Veganer) und Fleisch
  • Kakaobohnen (und daher auch Schokolade)

Diese Lebensmittel sollten Sie vermeiden

Einige Untersuchungen belegen, dass die Wahl der Fette ausschlaggebend für die Stimmung ist.4 Ungesättigten Fettsäuren (Omega-3) wird nachgesagt, dass sie die Stimmung heben. Gesättigte Fettsäuren, die eher "schlechten Fette" führen jedoch nach Ansicht einiger Wissenschaftler vermehrt zu depressiver Stimmung. Eine einheitliche Meinung herrscht nicht über diese Thematik. Da ungesättigte Fettsäuren jedoch auch in anderen Gesichtspunkten gesünder sind als gesättigte, schadet es in keinem Fall, vermehrt auf diese zu setzen.

Depressive Verstimmungen & Depressionen überwinden

Depressionen an sich sind heilbar, jedoch in unterschiedlichen Abstufungen. Während leichte Depressionen oder akute depressive Verstimmungen relativ leicht zu kurieren sind, kommt es bei schweren Depressionen häufiger zu Komplikationen. Schwere Formen weisen eine höhere Rückfallquote auf und bedürfen intensiverer Behandlung, sowohl durch Gesprächstherapien als auch durch Medikamente. Aber auch bei schweren Depressionen besteht in jedem Fall Hoffnung. Selbst, wenn die Symptomatik zeitlebens nicht völlig ausgemerzt werden kann, kann sie jedoch auf wenige Episoden reduziert werden. Hierdurch wird den Betroffenen ein nahezu beschwerdefreies Leben ermöglicht.

Wann es sinnvoll ist, einen Arzt aufzusuchen

Wenn Niedergeschlagenheit und Antriebslosigkeit länger als zwei Wochen anhalten, sind die wichtigsten Kennzeichen für eine Depression gegeben und ein Arzt sollte aufgesucht werden. Je früher eine Behandlung der Depression beginnt, desto wahrscheinlicher kann sie geheilt werden. Oft entwickelt sich aus einer leichten Depression eine schwere Form, da nicht rechtzeitig mit der Therapie begonnen wurde. Es ist somit ratsam, so früh wie möglich einen Arzt aufzusuchen. Der Hausarzt kann an dieser Stelle erste Hinweise geben und zum Spezialisten überweisen.

Ziele der Behandlung

Die Ziele der Behandlung einer Depression unterscheiden sich je nach Stadium. Zunächst erfolgt die Akutbehandlung, danach die sogenannte Erhaltungstherapie. Abschließend wird eine sogenannte Rezidivprophylaxe betrieben.

Akutbehandlung

Die Akutbehandlung einer Depression schließt nahtlos an ihre Diagnose an. Zunächst wird ein passendes Präparat ausgewählt für die medikamentöse Behandlung. Dann wird eine Gesprächstherapie begonnen. Unter Umständen kann die Gesprächstherapie erst nach einigen Wochen beginnen. Dies kann zum einen an der mangelnden Verfügbarkeit freier Therapieplätze liegen. Zum anderen müssen die meisten Patienten aber auch durch die Medikamente zunächst soweit stabilisiert werden, dass sie sich mit den Inhalten der Gesprächstherapie konstruktiv auseinandersetzen können.

Die Erhaltungstherapie

Die Erhaltungstherapie dient der Vorbeugung einer Chronifizierung. Da es bei einem Großteil der Betroffenen auch nach Verschwinden der Symptome zu einem Rückfall kommen kann, ist eine Stabilisierung des Betroffenen über einen Zeitraum von sechs Monaten bis hin zu einem Jahr von Nöten. Im Rahmen dieser Therapie lernt der Erkrankte mögliche Auslöser für depressive Episoden zu erkennen und ihnen erfolgreich entgegenzuwirken.

Die Rezidivprophylaxe

Die Langzeittherapie, welche sich an die Erhaltungsphase anschließt dient dazu, Rückfälle auf Dauer zu verhindern. Je nach Schwere der Depression kann die Dauer dieser Behandlung einige Monate bis hin zu mehreren Jahren dauern. Die Erkenntnisse und erlernten Strukturen der Erhaltungstherapie sollen dabei nachhaltig gefestigt werden. Ebenso ist ein Ausschleichen der Medikation denkbar.

Medikamente zur Behandlung von Depressionen

Medikamente zur Behandlung von Depressionen bzw. depressiver Verstimmungen sind grundsätzlich verschreibungspflichtig bis auf eine pflanzliche Ausnahme: Johanniskraut. Die verschreibungspflichtigen Medikamente können nach Wirkung und Entdeckung unterteilt werden und gleichen auf verschiedene Arten das Ungleichgewicht der Botenstoffe im Gehirn aus.

Zu den älteren Antidepressiva gehören:

  • Trizyklische Antidepressiva
  • Monoaminooxidase-Hemmer

Ältere Antidepressiva waren in der Beeinflussung der Botenstoffe weniger spezifisch als neuere. Da nicht nur Noradrenalin und Serotonin, sondern auch andere Neurotransmitter beeinflusst wurden, traten häufiger Nebenwirkungen auf, als dies bei modernen Präparaten der Fall ist.

  • Trizyklische Antidepressiva weisen einige Nebenwirkungen auf, werden aber bevorzugt bei schweren Depressionen eingesetzt, wenn modernere Präparate keine ausreichende Wirkung erzielen.
  • Monoaminooxidase-Hemmer (MAO-Hemmer) beeinflussen die Botenstoffe Serotonin, Noradrenalin und Dopamin, indem sie deren Konzentration im Gehirn erhöhen.

Bei den meisten Präparaten letzterer Wirkgruppe sind die Nebenwirkungen sehr stark und eine gesonderte Diät ist erforderlich. Da MAO-Hemmer auf andere Monoamine wie zum Beispiel Tyramin wirken, kann es bei einer tyraminreichen Ernährung zu Bluthochdruck kommen. Ein weitgehender Verzicht auf Lebensmittel, welche Tyramin oder Tyrosin (ein Vorprodukt von Tyramin) enthalten, ist bei der Einnahme von MAO-Hemmern somit indiziert. Aus diesem Grund werden sie heutzutage kaum mehr verschrieben.

Zu den neueren Antidepressiva zählen:

  • Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer
  • Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer
  • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer

Alle drei Wirkgruppen hemmen, wie der Name vermuten lässt, die Wiederaufnahme des Neurotransmitters im Gehirn. Dadurch erhöht sich die Konzentration des verfügbaren Botenstoffs.

Anwendungshinweise

Unabhängig vom gewählten Präparat und der Wirkgruppe lassen sich einige grundlegende Hinweise für Antidepressiva formulieren. Bei den meisten wirkt die antriebsfördernde und stimmungsaufhellende Komponente erst nach zwei bis drei Wochen, was den Betroffenen zunächst den Eindruck vermitteln kann, dass die Einnahme vergebens ist. Aus diesem Grund sollten Erkrankte die Einnahme nicht eigenmächtig abbrechen.

Risiken und Nebenwirkungen von Präparaten

Gerade in den ersten Wochen, in denen das Präparat seine stimmungsaufhellende Wirkung noch nicht entfaltet hat, treten verstärkt Müdigkeit und Übelkeit auf. Setzt die Wirkung dann ein, kann die Antriebssteigerung zunächst zu selbstschädigendem Verhalten und Suizidalität führen, was sich aber nach einiger Zeit wieder gibt. Die weiteren Nebenwirkungen fallen bei jedem Betroffenen unterschiedlich aus, weshalb bei dauerhaftem Auftreten in Absprache mit dem Arzt ein anderes Medikament gewählt werden sollte.

Johanniskraut als pflanzliche Hilfe

Das angesprochene Johanniskraut ist ein pflanzliches Präparat, welches bei leichten Formen einer depressiven Verstimmung erfolgreich eingesetzt werden kann. Bei schwereren oder chronischen Verlaufsformen ist die Wirkung hingegen nicht wissenschaftlich belegt. Da Johanniskraut zwar pflanzlich, jedoch nicht unbedenklich ist, sollte vor der Einnahme unbedingt ein Arzt befragt werden.

Präparate, die Johanniskraut enthalten

Johanniskraut kann in Kombination mit anderen Medikamenten zu unerwünschten Nebenwirkungen und Wechselwirkungen führen. Im schlimmsten Fall kommt es zum Serotoninsyndrom, welches tödlich enden kann. Zudem wird durch das Präparat die Wirksamkeit der Pille, von Medikamenten gegen Epilepsie und von Gerinnungshemmern beeinträchtigt.

Weitere Behandlungsmethoden

Neben der medikamentösen Behandlung fußt die Therapie von Depressionen immer auch auf einem psychotherapeutischen Ansatz. Ob dieser verhaltenstherapeutisch oder tiefenpsychologisch gewählt wird, ist dem Betroffenen überlassen. Beide Ansätze verzeichnen eine signifikante Verbesserung der Symptomatik, gerade weil Depressionen neben dem biologischen Ursprung meist auch psychologische Ursachen haben. Die individuellen Lebensumstände des Einzelnen sollten daher miteinbezogen werden, wenn ein passendes Therapieverfahren gewählt wird.

Hilfe in Foren und Selbsthilfegruppen

Unterstützend zur medizinischen und psychotherapeutischen Behandlung können Selbsthilfegruppen oder spezielle Foren aufgesucht werden. Die (virtuelle) Vernetzung mit anderen Betroffenen hilft, neue Perspektiven zu gewinnen und von den Erfahrungen anderer profitieren zu können. Entscheidende Denkanstöße für die psychotherapeutischen Sitzungen können so leichter gefunden werden. Aber auch in Bezug auf die medikamentöse Behandlung ergeben sich oft neuere Hinweise, gerade was Nebenwirkungen und Verträglichkeit betrifft. Der Austausch mit anderen Betroffenen kann also positiv genutzt werden, um die eigene Heilung voranzutreiben.

Folgen bei Nichtbehandlung

Oft entsteht bei Betroffenen der Eindruck, einfach nur "stark" sein zu müssen und die Niedergeschlagenheit würde von selbst enden. Leider ist dem nicht so. Wird eine depressive Verstimmung nicht behandelt, wandelt sie sich nach und nach in eine schwere Depression um. Leistungseinbußen und Konzentrationsschwierigkeiten treten sehr bald auf, genau wie körperliche Symptome, die sich immer mehr verstärken. Im schlimmsten Fall kann eine Depression, wenn sie nicht behandelt wird, zum Suizid führen. Eine zeitnahe Aufnahme der Behandlung sollte daher angestrebt werden, um die schwerwiegendsten Effekte der Depression in Schach halten zu können.

Tipps zur Vorbeugung

Leider ist ein vollständiger Schutz vor Depressionen nicht möglich. Bestimmte Verhaltensweisen können der Erkrankung jedoch weitestgehend vorbeugen. Dazu zählt es, den eigenen Selbstwert aufzubauen, ein aktives Leben zu führen und eine positive Grundeinstellung zum Leben zu behalten. Gerade in stressigen Lebensphasen sollte verstärkt auf diese Aspekte geachtet werden.

Dem Rückfall vorbeugen

Ist bereits einmal eine depressive Episode aufgetreten und der Schutz vor einem Rückfall wird wichtig, dann lohnt es sich, ein Tagebuch zu führen. Dieses hilft zum einen bei der Selbstreflexion, um die Anwendung der hilfreichen Verhaltensmuster zu überprüfen. Andererseits gelingt es so, einen Überblick über eine eventuell wieder auftretende Symptomatik zu behalten, um frühzeitig einen Arzt kontaktieren zu können.

Strategien für den Alltag

Im Alltag ist es hilfreich, auf drei Punkte zu achten, um Depressionen vorbeugen zu können:

  • regelmäßige sportliche Betätigung, ca. drei bis vier Mal die Woche
  • Aufbau eines stabilen sozialen Netzwerkes
  • bewusster Ausgleich der Belastungen des Alltags durch Entspannung und Stressabbau
Quellen

1 http://de.statista.com/statistik/daten/studie/221498/umfrage/bevoelkerungsanteil-mit-depressionen-in-deutschland-nach-geschlecht-und-alter/ 2 http://www.onmeda.de/psychische_erkrankungen/depression_ursachen-koennen-depressionen-vererbt-werden--17233-3.html 3Möller HJ, Kapfhammer HP, Laux G. Psychiatrie und Psychotherapie. Berlin: Springer Verlag 2000 (2. Auflage 2003, Nachdruck 2005) 4 http://vitamine-ratgeber.com/wirken-omega-3-epa-dha-gegen-depressionen/ https://www.nein-zur-depression.at/Depression/Risikogruppen/tabid/388/Default.aspx


Bitte beachten Sie: Die ggf. im Ratgeber aufgeführten Medikamente stellen keine Empfehlungen der Autorin dar. Es handelt sich hierbei lediglich um eine lose Auswahl von Präparaten, die einen bestimmten Wirkstoff enthalten und/oder einer speziellen Produktkategorie zugeordnet werden. Diese werden über sparmedo.de direkt eingepflegt und sind keineswegs eine Aufforderung zum Kauf eines bestimmten Medikaments.

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