Röteln - Virusinfektion mit besonderen Risiken in der Schwangerschaft
Aktualisiert am 02.11.26
Röteln sind eine durch das Rötelnvirus (Rubellavirus) ausgelöste Infektionskrankheit, die häufig im Kindesalter auftritt. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Tröpfchen, die beim Husten, Niesen oder Sprechen ausgeschieden werden. Die Erkrankung verläuft oft mild oder sogar ohne erkennbare Symptome. Dadurch kann sie unbemerkt weitergegeben werden. Besonders gefährlich sind Röteln während der Schwangerschaft: Das Virus kann über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen werden und schwere Entwicklungsstörungen verursachen. Das Risiko für das Kind ist vor allem bei einer Infektion in den ersten Schwangerschaftsmonaten erhöht. In Deutschland ist die Zahl der Rötelninfektionen durch die Schutzimpfung stark zurückgegangen. Nach einer durchgemachten Infektion besteht in der Regel eine lang anhaltende Immunität. Auch eine vollständige Rötelnimpfung bietet einen zuverlässigen Schutz.
In diesem Ratgeber erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:
- Ursachen
- Mögliche Komplikationen
- Symptome
- Diagnose
- Therapie und Behandlung
- Röteln vorbeugen
- Röteln in der Schwangerschaft
- Familienplanung und Kinderwunsch: Was tun, wenn ich keinen Schutz gegen Röteln habe?
- Infektions- und Schädigungsrate
- Röteln in der Schwangerschaft vorbeugen
Röteln können in der Schwangerschaft schwere Folgen haben
Bei Kindern und Erwachsenen verläuft eine Rötelninfektion meist unkompliziert. Während der Schwangerschaft kann sie jedoch schwerwiegende Folgen haben. Das Virus kann auf das ungeborene Kind übergehen und eine sogenannte Rötelnembryopathie auslösen. Mögliche Folgen sind Fehlbildungen am Herzen, an den Augen und am Innenohr sowie weitere Entwicklungsstörungen. Auch eine Fehlgeburt oder eine Frühgeburt kann auftreten. Das Risiko hängt wesentlich davon ab, zu welchem Zeitpunkt der Schwangerschaft die Infektion erfolgt.
Deshalb ist es wichtig, den Röteln-Impfschutz bereits vor einer geplanten Schwangerschaft zu überprüfen und gegebenenfalls zu vervollständigen. Die Rötelnimpfung wird als Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) verabreicht. Da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, darf sie während der Schwangerschaft nicht erfolgen. Nach der Impfung sollte mindestens ein Monat bis zum Eintritt einer Schwangerschaft gewartet werden.
Ursachen
Auslöser von Röteln
Röteln werden durch das Rötelnvirus (Rubellavirus) ausgelöst. Es handelt sich um ein RNA-Virus aus der Gattung Rubivirus und der Familie Matonaviridae. Nach einer durchgemachten Infektion besteht in der Regel eine lebenslange Immunität. Auch eine Impfung kann zuverlässig vor einer Erkrankung schützen.
Übertragung und Inkubationszeit
Röteln werden hauptsächlich durch Tröpfchen übertragen, die infizierte Personen beim Husten, Niesen oder Sprechen freisetzen. Die Ansteckungsfähigkeit beginnt bereits etwa sieben Tage vor Auftreten des Hautausschlags und besteht bis zu sieben Tage danach. Erkrankte können das Virus somit auch weitergeben, bevor sie selbst typische Symptome bemerken.1
Während dieser Zeit sollten enge Kontakte zu anderen Menschen möglichst vermieden werden. Besonders wichtig ist es, Kontakte zu Schwangeren ohne ausreichenden Röteln-Impfschutz zu vermeiden. Erkrankte Kinder dürfen Gemeinschaftseinrichtungen wie Kindergärten und Schulen nicht besuchen. Eine Wiederzulassung ist nach Abklingen der Symptome, frühestens am achten Tag nach Beginn des Hautausschlags, möglich.2
Die Zeit zwischen der Ansteckung und dem Auftreten erster Krankheitszeichen wird als Inkubationszeit bezeichnet. Bei Röteln beträgt sie in der Regel 14 bis 21 Tage. In dieser Zeit vermehrt sich das Virus im Körper und breitet sich über die Lymphknoten und den Blutkreislauf aus. Anschließend können die typischen Symptome auftreten.3
Mögliche Komplikationen
Röteln verlaufen meist mild und ohne schwerwiegende Folgen. In seltenen Fällen können jedoch Komplikationen auftreten. Dazu gehören Gelenkentzündungen (Arthritis), die insbesondere bei erwachsenen Frauen vorkommen und meist vorübergehend sind. Ebenfalls selten kann es zu einer Verringerung der Blutplättchen (Thrombozytopenie) kommen, die mit einer erhöhten Blutungsneigung verbunden sein kann.
Zu den seltenen Komplikationen zählen außerdem Entzündungen des Gehirns (Enzephalitis). Auch Mittelohrentzündungen und Bronchitis können im Zusammenhang mit einer Rötelninfektion auftreten.
Symptome
Röteln verlaufen häufig mild. Bis zu 50 Prozent der Infektionen bleiben sogar ohne erkennbare Krankheitszeichen.4 Ein typischer Hautausschlag tritt daher nicht bei allen Infizierten auf. Das erschwert die Erkennung der Erkrankung und begünstigt eine unbemerkte Weitergabe des Virus.
Wenn Beschwerden auftreten, beginnen diese meist mit unspezifischen Krankheitszeichen. Dazu gehören leichtes Fieber, Kopfschmerzen, erkältungsähnliche Beschwerden und geschwollene Lymphknoten, insbesondere im Nacken und hinter den Ohren. Auch eine Bindehautentzündung kann auftreten.
Nach einigen Tagen entwickelt sich häufig der typische kleinfleckige, hellrote Hautausschlag. Er beginnt meist im Gesicht und breitet sich über den Hals und den übrigen Körper aus. Nach etwa ein bis drei Tagen klingt der Ausschlag wieder ab. Die Lymphknoten können währenddessen weiterhin geschwollen und schmerzhaft sein.
Bei Erwachsenen treten zusätzlich häufiger Gelenkschmerzen oder Gelenkentzündungen auf. Kinder zeigen dagegen oft nur den Hautausschlag oder gar keine auffälligen Symptome.
Diagnose
Eine Rötelninfektion lässt sich anhand der Symptome allein nicht sicher feststellen. Der Hautausschlag kann beispielsweise mit Masern, Ringelröteln, Scharlach oder allergischen Hautreaktionen verwechselt werden. Deshalb sollte ein Rötelnverdacht durch eine Laboruntersuchung abgeklärt werden.
Dazu kann das Erbgut des Virus mittels PCR aus einem Rachenabstrich oder einer Urinprobe nachgewiesen werden. Zusätzlich oder alternativ können im Blut spezifische Antikörper gegen das Rötelnvirus bestimmt werden. Welche Untersuchungsmethode geeignet ist, hängt unter anderem vom Zeitpunkt der Erkrankung ab.
Bei Schwangeren muss ein Rötelnverdacht besonders sorgfältig labordiagnostisch abgeklärt werden. Ein einzelner positiver IgM-Antikörpertest reicht nicht aus, um eine akute Infektion sicher nachzuweisen. In solchen Fällen sind weitere Untersuchungen und eine fachärztliche Beratung erforderlich.
Therapie und Behandlung
Eine gezielte antivirale Behandlung gegen das Rötelnvirus gibt es nicht. Die Therapie beschränkt sich daher in der Regel auf die Linderung der Beschwerden. Bei Fieber, Kopf- oder Gliederschmerzen können fiebersenkende und schmerzlindernde Medikamente eingesetzt werden. Körperliche Schonung und eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr unterstützen die Erholung.
Antibiotika sind gegen Röteln wirkungslos, da sie ausschließlich bakterielle Infektionen bekämpfen. Sie kommen nur infrage, wenn zusätzlich eine bakterielle Infektion auftritt.
Bei Komplikationen oder einer Rötelninfektion während der Schwangerschaft sind weitere medizinische Untersuchungen und eine individuelle Betreuung erforderlich.
Röteln vorbeugen
Eine Impfung schützt vor Röteln
Die wichtigste Maßnahme zur Vorbeugung einer Rötelninfektion ist die Schutzimpfung. Da in Deutschland kein Einzelimpfstoff gegen Röteln erhältlich ist, erfolgt die Impfung mit einem Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Teilweise kommt auch ein Vierfachimpfstoff zum Einsatz, der zusätzlich vor Windpocken schützt.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt für alle Kinder zwei Impfungen: Die erste Impfung sollte im Alter von 11 Monaten erfolgen, die zweite im Alter von 15 Monaten. Bei einem bevorstehenden Besuch einer Gemeinschaftseinrichtung kann die erste Impfung bereits ab einem Alter von 9 Monaten verabreicht werden. Zwischen den beiden Impfungen muss ein Mindestabstand von vier Wochen liegen.5
Für Frauen im gebärfähigen Alter empfiehlt die STIKO ebenfalls zwei Rötelnimpfungen, sofern kein ausreichender Impfschutz dokumentiert ist. Frauen, die bisher nur einmal geimpft wurden, sollten eine zweite Impfung erhalten. Bei zwei dokumentierten Impfungen kann von einem ausreichenden Immunschutz ausgegangen werden.6
Die Rötelnimpfung bietet einen lang anhaltenden Schutz. Nach zwei Impfungen weisen nahezu alle Geimpften schützende Antikörper auf. Eine routinemäßige Auffrischungsimpfung gegen Röteln ist nicht vorgesehen.7
Risiken und Nebenwirkungen der Impfung
Wie bei anderen Impfungen können auch nach einer MMR-Impfung vorübergehende Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehören Rötungen, Schwellungen oder Schmerzen an der Einstichstelle sowie Fieber, Kopfschmerzen und allgemeines Unwohlsein. Gelegentlich treten vorübergehende Gelenkschmerzen auf, insbesondere bei älteren Jugendlichen und Erwachsenen.
Schwerwiegende Nebenwirkungen sind selten. In Einzelfällen kann es zu einer vorübergehenden Verringerung der Blutplättchen kommen, wodurch die Blutungsneigung erhöht ist.8
Da es sich bei der MMR-Impfung um einen Lebendimpfstoff handelt, darf sie während einer Schwangerschaft nicht verabreicht werden. Frauen mit Kinderwunsch sollten ihren Impfschutz daher rechtzeitig überprüfen und fehlende Impfungen vor einer Schwangerschaft nachholen. Nach einer Impfung sollte mindestens ein Monat bis zum Eintritt einer Schwangerschaft gewartet werden.9
Maßnahmen bei einer Rötelninfektion
Ist eine Rötelninfektion bereits eingetreten, kann eine nachträgliche Impfung die Erkrankung nicht zuverlässig verhindern. Personen mit fehlendem oder unklarem Impfschutz sollten sich dennoch ärztlich beraten lassen, um gegebenenfalls ausstehende Impfungen nachzuholen.
Erkrankte sollten während der Ansteckungsfähigkeit den Kontakt zu anderen Menschen möglichst vermeiden. Besonders wichtig ist es, Kontakte zu Schwangeren ohne ausreichenden Immunschutz zu verhindern. Für Kinder gelten die gesetzlichen Regelungen zum Ausschluss aus Gemeinschaftseinrichtungen. Die entsprechenden Fristen zur Wiederzulassung sind im Abschnitt zur Übertragung und Inkubationszeit beschrieben.
Röteln in der Schwangerschaft
Eine Rötelninfektion während der Schwangerschaft kann schwerwiegende Folgen für das ungeborene Kind haben. Das Virus kann über die Plazenta auf das Kind übertragen werden und insbesondere in den ersten Schwangerschaftsmonaten schwere Entwicklungsstörungen verursachen. Dazu zählen unter anderem Schädigungen des Herzens, der Augen und des Gehörs. Auch Fehl- oder Frühgeburten sind möglich.
Schwangere ohne ausreichenden Röteln-Impfschutz sollten den Kontakt zu erkrankten Personen und zu Personen mit Rötelnverdacht unbedingt vermeiden. Ob ein ausreichender Schutz besteht, lässt sich anhand des Impfpasses oder gegebenenfalls durch eine Blutuntersuchung feststellen.
Woran erkenne ich, ob ich Röteln habe?
Röteln können auch während der Schwangerschaft mild oder sogar ohne erkennbare Symptome verlaufen. Wenn Beschwerden auftreten, ähneln sie denen einer Rötelninfektion außerhalb der Schwangerschaft. Dazu gehören leichtes Fieber, erkältungsähnliche Beschwerden, geschwollene Lymphknoten und später möglicherweise der typische Hautausschlag.
Anhand der Symptome allein lässt sich eine Rötelninfektion jedoch nicht sicher erkennen. Bei einem möglichen Kontakt zu einer erkrankten Person oder bei entsprechenden Krankheitszeichen sollte deshalb umgehend eine ärztliche Abklärung erfolgen. Der Nachweis erfolgt durch gezielte Laboruntersuchungen. Dazu gehören die Bestimmung von Röteln-Antikörpern im Blut und gegebenenfalls weitere Untersuchungen, beispielsweise ein Virusnachweis mittels PCR.
Was wird im Rahmen der Vorsorgeuntersuchung gemacht?
Im Rahmen der Schwangerschaftsvorsorge wird geprüft, ob ein ausreichender Schutz gegen Röteln besteht. Ein Nachweis über zwei dokumentierte Rötelnimpfungen im Impfpass gilt als ausreichender Immunitätsnachweis. In diesem Fall ist keine zusätzliche Blutuntersuchung zur Bestimmung der Röteln-Antikörper erforderlich.10
Liegt kein Nachweis über zwei Impfungen vor oder ist der Impfstatus unklar, wird der Immunstatus durch eine Blutuntersuchung überprüft. Dabei werden spezifische Antikörper gegen das Rötelnvirus bestimmt. Ein entsprechender Befund wird im Mutterpass dokumentiert.
Wird keine ausreichende Immunität festgestellt, sollte die Schwangere besonders auf die Vermeidung möglicher Ansteckungen achten. Nach den Mutterschafts-Richtlinien ist in diesen Fällen zusätzlich eine erneute Antikörperuntersuchung in der 16. bis 17. Schwangerschaftswoche vorgesehen.11 Bei einem möglichen Rötelnkontakt oder entsprechenden Krankheitszeichen ist unabhängig davon eine sofortige ärztliche Abklärung erforderlich.
Eine Impfung gegen Röteln ist während der Schwangerschaft nicht möglich, da der verwendete MMR-Impfstoff abgeschwächte, vermehrungsfähige Viren enthält. Die Impfung sollte daher bereits vor einer geplanten Schwangerschaft vervollständigt werden. Fehlende Impfungen können nach der Geburt nachgeholt werden.
Wie kann es in der Schwangerschaft zu einer Infektion kommen?
Erwachsene ohne ausreichenden Immunschutz können sich jederzeit bei einer infizierten Person anstecken. Das gilt unabhängig davon, ob eine Schwangerschaft besteht.
Ein erhöhtes Ansteckungsrisiko kann beispielsweise bestehen, wenn bereits ein Kind im Kindergarten- oder Schulalter in der Familie lebt. Es kann das Virus aus einer Gemeinschaftseinrichtung mit nach Hause bringen. Auch der direkte Kontakt zu infizierten Kindern kann zu einer Ansteckung führen.
Da Röteln häufig mild oder sogar ohne erkennbare Symptome verlaufen, können infizierte Personen das Virus weitergeben, ohne von ihrer Erkrankung zu wissen. Ein sicherer Schutz besteht deshalb vor allem durch eine vollständige Impfung vor Eintritt der Schwangerschaft.
Untersuchungsmethoden
Bei einem Verdacht auf eine Rötelninfektion stehen verschiedene labordiagnostische Untersuchungen zur Verfügung. Dabei wird zwischen dem Antikörpernachweis und dem direkten Nachweis des Virus unterschieden.
Bei einer Blutuntersuchung können spezifische IgM- und IgG-Antikörper gegen das Rötelnvirus bestimmt werden. IgG-Antikörper können auf eine bereits bestehende Immunität hinweisen. IgM-Antikörper können bei einer frischen Infektion auftreten, sind allein jedoch kein sicherer Beweis dafür. Da auch falsch positive Ergebnisse möglich sind, muss ein auffälliger Befund durch weitere Untersuchungen abgeklärt werden.
Für einen direkten Erregernachweis kann das Erbgut des Rötelnvirus mittels PCR untersucht werden. Dabei wird die virale RNA beispielsweise aus einem Rachenabstrich oder über eine Urinprobe nachgewiesen.
Bei einer bestätigten oder vermuteten Infektion während der Schwangerschaft kann unter bestimmten Voraussetzungen auch eine Untersuchung des ungeborenen Kindes infrage kommen. Hierfür kann das Virus mittels PCR aus Fruchtwasser oder Gewebe einer Chorionzottenbiopsie nachgewiesen werden. Diese pränataldiagnostischen Verfahren sind speziellen Fragestellungen vorbehalten und müssen von erfahrenen Fachärztinnen und Fachärzten sorgfältig abgewogen werden.
Röteln in der Schwangerschaft behandeln
Eine gezielte Behandlung gegen das Rötelnvirus gibt es nicht. Die Therapie beschränkt sich daher auf die Linderung möglicher Beschwerden. Auch eine Übertragung des Virus auf das ungeborene Kind lässt sich durch Medikamente nicht sicher verhindern.
Für die werdende Mutter verläuft eine Rötelninfektion häufig mild. Für das ungeborene Kind kann sie jedoch schwerwiegende Folgen haben. Das Risiko für Fehlbildungen und andere Schäden hängt vor allem vom Zeitpunkt der Infektion während der Schwangerschaft ab. Besonders hoch ist es bei einer Infektion in den ersten Schwangerschaftswochen. Mit fortschreitender Schwangerschaft nimmt das Risiko deutlich ab.
Wird eine akute Rötelninfektion während der Schwangerschaft bestätigt, sind eine umfassende fachärztliche Beratung und eine individuelle Einschätzung der möglichen Folgen erforderlich. Dabei werden die Schwangerschaftswoche, die gesicherten Laborbefunde und das mögliche Risiko für das Kind berücksichtigt. Auch die Frage, ob die Schwangerschaft fortgeführt werden soll, muss in einer ergebnisoffenen Beratung besprochen werden.
Familienplanung und Kinderwunsch: Was tun, wenn ich keinen Schutz gegen Röteln habe?
Bei bestehendem Kinderwunsch sollte der Röteln-Impfschutz rechtzeitig überprüft werden.
Ein Blick in den Impfausweis gibt erste Hinweise darauf, ob eine Impfung erfolgt ist und wie viele Impfdosen dokumentiert sind:
Die Rötelnimpfung erfolgt in Deutschland üblicherweise als Dreifachimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR). Für einen ausreichenden Impfschutz sollten zwei Impfungen dokumentiert sein. Auch eine durchgemachte Rötelninfektion kann zu einer lang anhaltenden Immunität führen. Ein entsprechender Vermerk im Impfausweis ist allerdings nicht immer vorhanden.
Schutzimpfung vor einer geplanten Schwangerschaft
Ist der Impfschutz unvollständig oder nicht dokumentiert, sollte eine gegebenenfalls fehlende Impfung möglichst vor einer Schwangerschaft nachgeholt werden. Frauen im gebärfähigen Alter, die bisher nicht oder nur einmal gegen Röteln geimpft wurden, empfiehlt die STIKO eine vollständige zweifache Impfung.
Nach der Impfung mindestens einen Monat bis zu einer Schwangerschaft warten
Bei der MMR-Impfung handelt es sich um einen Lebendimpfstoff mit abgeschwächten, vermehrungsfähigen Impfviren. Deshalb darf die Impfung während einer bestehenden Schwangerschaft nicht erfolgen. Nach der Impfung sollte mindestens ein Monat bis zu einer Schwangerschaft gewartet werden.12
Auch wenn bereits eine Impfung im Kindesalter erfolgt ist, kann eine zweite Impfung sinnvoll sein, sofern sie noch fehlt. Eine routinemäßige Auffrischungsimpfung nach zwei dokumentierten Impfungen ist nicht vorgesehen.
Schutzimpfung bei unwissentlicher Schwangerschaft – was nun?
Wurde eine MMR-Impfung versehentlich während einer noch nicht erkannten Schwangerschaft oder kurz vor der Empfängnis verabreicht, besteht nach derzeitigem Kenntnisstand kein Anlass zu einer vorschnellen Beunruhigung. Eine solche Impfung gilt ausdrücklich nicht als Grund für einen Schwangerschaftsabbruch. Bisher gibt es keinen Hinweis auf ein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen durch eine versehentliche Impfung in der Schwangerschaft.13
Die Impfung sollte dennoch mit der betreuenden Ärztin oder dem betreuenden Arzt besprochen werden. Eine versehentliche Impfung bedeutet außerdem nicht, dass bereits ein vollständiger Schutz gegen eine mögliche natürliche Rötelninfektion besteht.
Infektions- und Schädigungsrisiko
Eine Rötelninfektion der Mutter führt nicht zwangsläufig zu einer Schädigung des ungeborenen Kindes. Das Risiko hängt vor allem vom Zeitpunkt der Infektion ab. Besonders kritisch ist eine Infektion in den ersten Schwangerschaftswochen. Mit fortschreitender Schwangerschaft nimmt das Risiko für bleibende Schäden deutlich ab.
Kann es meinem Baby schaden, wenn ich in der Schwangerschaft Röteln bekomme?
Ja. Das Rötelnvirus kann während der Schwangerschaft über die Plazenta auf das ungeborene Kind übertragen werden. Eine Infektion kann zu Fehlbildungen, Entwicklungsstörungen oder einer Fehlgeburt führen. Das Ausmaß der möglichen Folgen hängt wesentlich von der Schwangerschaftswoche ab, in der sich die Mutter infiziert.
Bei einer mütterlichen Infektion in den ersten zwölf Schwangerschaftswochen ist das Risiko für eine Infektion und Schädigung des ungeborenen Kindes besonders hoch. In diesem Zeitraum wurden bei bis zu 90 Prozent der Feten Schädigungen beobachtet.14 Danach nimmt das Risiko deutlich ab. Nach der 20. Schwangerschaftswoche sind bleibende Fehlbildungen nur noch selten.15
Mögliche Schäden beim Baby
Das sogenannte konnatale Rötelnsyndrom kann verschiedene Organe betreffen. Besonders häufig sind Schädigungen des Innenohrs, der Augen und des Herzens. Weitere mögliche Folgen sind:
- Hörstörungen bis hin zur Taubheit
- Augenveränderungen, beispielsweise eine Linsentrübung (Katarakt)
- angeborene Herzfehler
- Wachstums- und Entwicklungsstörungen
- neurologische Beeinträchtigungen
Bei einer Infektion kurz vor der Geburt kann das Kind zwar mit dem Rötelnvirus infiziert zur Welt kommen, bleibende Fehlbildungen sind zu diesem Zeitpunkt jedoch nur noch sehr selten. Es können sich allerdings Erkrankungszeichen nach der Geburt entwickeln. Dazu gehören beispielsweise Hautveränderungen, eine vergrößerte Leber und Milz oder Blutbildveränderungen.
Röteln in der Schwangerschaft vorbeugen
- Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist eine vollständige Rötelnimpfung vor einer geplanten Schwangerschaft. Deshalb sollte der Impfstatus frühzeitig überprüft und eine fehlende Impfung rechtzeitig nachgeholt werden.
- Besteht bereits eine Schwangerschaft und liegt kein ausreichender Immunschutz vor, sollte der Kontakt zu Personen mit einer möglichen Rötelninfektion vermieden werden. Auch das Umfeld, in dem Rötelnfälle aufgetreten sind, sollte möglichst gemieden werden.
- Nach einem möglichen Kontakt zu einer erkrankten Person sollte umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden. Die Immunität und ein möglicher Infektionsverdacht müssen gegebenenfalls durch Laboruntersuchungen abgeklärt werden.
- Eine vorbeugende Gabe von Antikörpern (Immunglobulinen) kann bei Schwangeren ohne ausreichenden Immunschutz nach einem möglichen Kontakt zu einer erkrankten Person in bestimmten Situationen erwogen werden. Sie kann die Viruslast und die Beschwerden möglicherweise verringern, eine Infektion des ungeborenen Kindes jedoch nicht sicher verhindern. Deshalb wird diese Maßnahme nicht generell empfohlen und muss ärztlich individuell abgewogen werden.16
Quellen
1,3,4,14,16https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Roeteln.html (Link zuletzt aufgerufen am 02.11.2026 um 09:34 Uhr)
2https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Wiederzulassung/Wiederzulassung_Tabelle.pdf?__blob=publicationFile&v=9 (Link zuletzt aufgerufen am 02.11.2026 um 09:34 Uhr)
5,9https://edoc.rki.de/bitstream/handle/176904/13181.3/EB-4-2026_10-25646-13636-3.pdf (Link zuletzt aufgerufen am 02.11.2026 um 10:30 Uhr)
6,7,10,12,13https://www.rki.de/SharedDocs/FAQs/DE/Impfen/MMR/FAQ-Liste_Roeteln_Impfen.html (Link zuletzt aufgerufen am 02.11.2026 um 10:30 Uhr)
8https://www.infektionsschutz.de/impfen/fuer-kinder-0-12-jahre/roeteln-impfung-bei-kindern/ (Link zuletzt aufgerufen am 02.11.2026 um 10:30 Uhr)
11https://www.g-ba.de/richtlinien/19/ (Link zuletzt aufgerufen am 02.11.2026 um 10:30 Uhr)
15https://www.cdc.gov/surv-manual/php/table-of-contents/chapter-15-congenital-rubella-syndrome.html (Link zuletzt aufgerufen am 02.11.2026 um 11:14 Uhr)
https://gesund.bund.de/roeteln
