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Mandelentzündung

Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Abgeschlagenheit und Fieber: Sofern diese Krankheitsanzeichen gemeinsam auftreten, handelt es sich höchstwahrscheinlich um eine Mandelentzündung. In Deutschland zählt die akute Mandelentzündung mit zu den häufigsten Gründen, wegen derer ein Arzt aufgesucht wird. 

In diesem Ratgeber erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:

  1. Was ist eine Mandelentzündung?
  2. Ursachen
  3. Symptome
  4. Diagnose
  5. Therapie und Behandlung
  6. Mandelentzündung vorbeugen

Definition und Überblick

Schulkinder und Jugendliche sind von der Infektionskrankheit besonders oft betroffen. Dabei tritt eine Mandelentzündung, die in der medizinischen Fachsprache die Bezeichnungen „Tonsillitis“ oder „Angina tonsillares“ trägt, im Frühjahr und in den Wintermonaten häufiger auf als während anderer Zeiten.

Die Mandeln als wichtiger Teil des Immunsystems

Sie befinden sich rechts und links zwischen dem vorderen und hinteren Gaumenbogen, direkt am Übergang von der Mundhöhle zum Rachenraum. Wer vor dem Spiegel den Mund weit öffnet, kann einen Teil seiner Gaumenmandeln mit bloßem Auge sehr gut erkennen. Als Teil des sogenannten lymphatischen Systems haben sie die wichtige Aufgabe, die durch den Mund bzw. die Nebenhöhlen eindringenden Infekte abzuwehren. Der Volksmund spricht bei den Mandeln deshalb ganz zurecht von der „Gesundheitspolizei des Körpers“. Sobald der Organismus gezwungen wird, sich gegen einen Infekt zur Wehr zu setzen, schwellen die Mandeln, ähnlich wie Lymphknoten, an. Sie bilden demnach eine Art Frühwarnsystem und versetzen das gesamte Immunsystem des Körpers in Alarmbereitschaft.

Verschiedene Arten der Mandelentzündung

1. Die akute Mandelentzündung

Bei einer akuten Mandelentzündung handelt es sich um eine plötzlich einsetzende Entzündung der Gaumenmandeln. Falls Viren für das Auslösen der Erkrankung verantwortlich sind, empfindet die betroffene Person zumeist grippeähnliche Symptome, die innerhalb weniger Tage von selbst wieder verschwinden. In den überwiegenden Fällen sind jedoch Streptokokken im Spiel. Dabei handelt es sich um aggressive Bakterien, die eine eitrige Entzündung der Mandeln hervorrufen. Hier hilft in den allermeisten Fällen nur eine spezielle und konsequent durchgeführte Antibiotika-Therapie.

Verschiedene Krankheitsstadien der akuten Mandelentzündung

Jede Mandelentzündung gehört grundsätzlich in ärztliche Behandlung! Dabei unterscheiden Mediziner bei der akuten Mandelentzündung (Angina tonsillares) zwischen drei Stadien, die je nach Krankheitsverlauf auch fließend ineinander übergehen können:

2. Die chronische Mandelentzündung

Flammt die bakteriell verursachte Entzündung der Mandeln über einen längeren Zeitraum trotz konsequenter Therapieversuche immer wieder auf, sprechen die Mediziner von einer chronischen Mandelentzündung.

Ursachen

Ursachen und Risiken einer akuten Mandelentzündung

Bei einer akuten, eitrigen Mandelentzündung handelt es sich entweder um eine Bakterien-Neuinfektion oder um eine Entzündung, die durch Viren ausgelöst wurde und auf die sich Bakterien (in den meisten Fällen Streptokokken) oben aufsetzen. Die Übertragung der Krankheitskeime erfolgt über winzige Tröpfchen, die beim Küssen, Niesen oder Husten von einem Menschen zum nächsten gelangen. Zumeist ist das Immunsystem der erkrankten Person bereits im Vorfeld, etwa durch einen Virusschnupfen, körperlichen bzw. seelischen Stress oder einen schlechten allgemeinen Gesundheitszustand, geschwächt.

Ursachen und Risiken einer chronischen Mandelentzündung

Die chronische Verlaufsform der Krankheit entsteht entweder infolge einer nicht vollständig ausgeheilten und demnach kontinuierlich „schwelenden“ Mandelentzündung oder sie geht aus immer wiederkehrenden, therapieresistenten Infekten hervor. Abgestorbene Bakterien und Zellabfall sammeln sich dabei dauerhaft in den Mandelfurchen (medizinisch: Krypten) an. Diese können sich nicht mehr ausreichend entleeren und bilden einen fruchtbaren Nährboden für Keime und Bakterien.

Chronische Mandelentzündungen entstehen zumeist auch aus einer Mischung verschiedener Infektionsträger. Weil diese im Laufe der Zeit Resistenzen gegen Antibiotika entwickeln, ist ihre Bekämpfung sehr kompliziert und manchmal sogar unmöglich. Um die Risiken von Nachfolgeerkrankungen, wie beispielsweise Herzmuskel- oder Nierenentzündungen, möglichst gering zu halten, bleibt zumeist als einziger Ausweg die operative Entfernung der Gaumenmandeln.

Symptome

Die typischen Symptome einer akuten Mandelentzündung

Die Begleiterscheinungen eines akuten Krankheitsverlaufs treten etwa zwei bis fünf Tage nach der Ansteckung mit dem Krankheitserreger auf.

Folgende Symptome weisen auf eine akute Entzündung der Mandeln hin:

Unspezifische Beschwerden einer chronischen Mandelentzündung

Weil die genannten akuten Symptome zumeist völlig fehlen, ist es deutlich schwieriger, eine chronische Entzündung der Mandeln zu erkennen. Manchmal leidet die betroffene Person unter mehr oder minder stark ausgeprägten Schluckbeschwerden oder empfindet ständig einen unangenehmen Geschmack im Mund. Manchmal können auch die Lymphknoten im Halsbereich etwas angeschwollen sein und die Konzentrations- und Leistungsfähigkeit ist eingeschränkt.

Ganz egal, ob die Entzündung akut oder chronisch ist: Sobald der Verdacht einer Erkrankung nahe liegt, sollte die betroffene Person einen Arzt aufsuchen. Außerdem ist der Kontakt zu anderen Menschen möglichst zu vermeiden. Die Ansteckungsgefahr ist nämlich bis zum Anschlagen der Therapie sehr groß.

Diagnose

Untersuchung und Diagnose einer akuten Mandelentzündung

Weil die Symptome einer akuten Mandelentzündung relativ eindeutig sind, wird der Arzt nach erfolgter Untersuchung recht schnell eine Diagnose stellen. Als Erstes wird er mithilfe eines speziellen Spiegels die Mundhöhle und den Rachenraum betrachten. Sind die Mandeln rot und geschwollen, deutet das auf eine Entzündung hin. Sind sie zusätzlich mit einem schmierigem, übel riechendem gelblichen Film oder mit Eiterstippchen bedeckt, spricht alles für einen bakteriellen Krankheitserreger.

Um seine Diagnose zusätzlich zu sichern, kann der Arzt mithilfe eines Rachenabstrichs einen Streptokokken-Schnelltest durchführen. Außerdem tastet der Mediziner den Hals ab. Gerade bei Kindern geht eine akute Angina häufig mit einer anderen Infektion einher. Deshalb schaut er außerdem in die Ohren und kontrolliert die Lungenfunktion, indem er die Lunge abhört.

Ausschluss anderer Krankheiten

Es gibt Krankheiten, die ähnliche Symptome wie eine akute Mandelentzündung zeigen. Dazu gehöret beispielsweise Diphterie oder das Pfeiffersche Drüsenfieber. Allerdings erscheinen die Beläge auf den Mandeln hierbei eher grau und zusätzlich sind die Leber und die Milz geschwollen. Ein auffällig roter Gaumen und eine sogenannte „Himbeerzunge“ deuten wiederum auf Scharlach hin. Deshalb wird der Arzt, sofern er sich nicht vollkommen sicher ist, auch den Unterbauch abtasten und ein Blutbild anfordern.

Untersuchung und Diagnose einer chronischen Mandelentzündung

Sofern die Beschwerden schon sehr lange andauern oder in regelmäßigen Abständen immer wieder kehren, liegt der Verdacht auf eine chronische Mandelentzündung nahe. Bei der Untersuchung des Rachenraumes mithilfe des Spiegels erscheinen die Gaumenmandeln vernarbt und zerklüftet. Drückt der Arzt mit einem Holspatel gegen den Gaumenbogen, quillt eine eitrige Substanz heraus. Nun wird der Mediziner eine Blutsenkung und ein umfassendes Blutbild veranlassen, um zu sehen, inwieweit der Eiterherd im Körper gestreut und schlimmstenfalls bereits andere Organe angegriffen hat.

Je nach Ergebnis kommt zusätzlich noch ein spezieller Antikörpertest zum Einsatz, mit dessen Hilfe sich die Streptokokken eindeutig als Auslöser der chronischen Infektion identifizieren lassen. Allerdings ist dieser Test erst nach mehreren Wochen aussagekräftig und deshalb nur bei besonders lange andauernden, chronischen Mandelentzündungen sinnvoll.

Therapie und Behandlung

Was kann der Patient im Falle einer Mandelentzündung selbst tun?

Sofern es sich bei der Entzündung nachgewiesenermaßen um eine Virusinfektion handelt, bei der keine besondere medizinische Behandlung notwendig ist oder aber zur Begleitung der Antibiotika-Therapie mit, sind folgende Maßnahmen empfehlenswert:

Sind Antibiotika grundsätzlich notwendig?

Lediglich die viral bedingte Infektion (Angina catarrhalis), welche keine Vereiterung der Mandeln aufweist, kommt ohne eine Behandlung mit Antibiotika aus. Bei allen anderen Formen der Angina ist ein Antibiotikum das erste Mittel der Wahl. Der Arzt wird zumeist Penicillin verschreiben. Sofern der Patient auf diesen Wirkstoff allergisch reagiert, gibt es auch bestens wirksame Alternativen, wie Makrolid-Antibiotika und Cephalosporine, bzw. sogenannte Breitbandantibiotika.

Antibiotika immer vollständig aufbrauchen

In Hinblick auf den Therapieerfolg ist es ganz wichtig, dass Erkrankte die vom Arzt verschriebenen Tabletten oder Kapseln in der vorgeschriebenen Dosis und bis zum Ende einnimmt. Selbst, wenn sich bereits eine deutliche Besserung eingestellt hat, sind noch nicht alle Krankheitserreger vollständig verschwunden und ein vorzeitiges Absetzen der Medizin würde die Infektion wieder aufflammen lassen. Schlimmstenfalls droht ein chronischer Krankheitsverlauf!

Merke: Eine akute Mandelentzündung, die durch eine Infektion mit Streptokokken verursacht wurde, ist bereits etwa 24 Stunden nach Beginn der Therapie mit Antibiotika nicht mehr ansteckend!

Welche Mittel sind außerdem sinnvoll?

Hohes Fieber, Kopfschmerzen und starke Halsschmerzen mit Schluckbeschwerden sind die häufigsten Begleiterscheinungen einer Mandelentzündung. Dagegen helfen fiebersenkende, schmerzstillende Mittel, sogenannte Analgetika.

Um die Nebenwirkungen oder Unverträglichkeiten möglichst gering zu halten, sollte die kranke Person vor der Einnahme der Medikamente den Arzt oder Apotheker um Rat bitten. Zusätzlich helfen folgende Hausmittel, die unangenehmen Symptome der Krankheit zu lindern:

Wann sollten die Mandeln entfernt werden?

Zunächst wird der Arzt versuchen, auch eine chronische Mandelentzündung mit einem Antibiotikum zu behandeln und somit zum Ausheilen zu veranlassen. In den überwiegenden Fällen sind jedoch die Streugefahr und das Risiko eines Übergreifens des Krankheitsherdes auf andere Organe, wie Herz oder Nieren einfach zu groß. Dann liegt eine eindeutige Indikation für die Tonsillektomie, die operative Entfernung der Gaumenmandeln vor.

Vollständige Entfernung der Mandeln

Tritt die eitrige Mandelentzündung, trotz sorgfältiger Therapie, mehr als drei Mal im Jahr auf oder liegt ein außergewöhnlich lange andauernder Infekt vor, der bereits zu streuen beginnt, ist eine Entfernung der Mandeln notwendig. Mithilfe spezieller chirurgischer Instrumente schält der Chirurg beide Gaumenmandeln aus ihrem Bett. Zumeist erfolgt die Operation unter Vollnarkose, in seltenen Fällen auch unter örtlicher Betäubung. Um das Risiko von Komplikationen infolge einer Nachblutung zu minimieren, empfiehlt sich ein kurzer stationärer Aufenthalt in der Klinik. Die Mandelentfernung, medizinisch Tonsillektomie, zählt heute zu den Routineeingriffen und ist eine der am meisten durchgeführten Operationen in Deutschland.

Besondere Verhaltensregeln nach der Operation

Statistisch gesehen kommt es bei fünf bis sechs Prozent der operierten Personen zu Nachblutungen. Diese können sowohl am Operationstag, einen Tag später oder nach circa einer Woche auftreten. Deshalb ist es empfehlenswert, unmittelbar nach der Entfernung der Mandeln und in den Tagen danach, vorzugsweise kühle Getränke und weiche, wenig gewürzte Speisen zu sich zu nehmen. Heiße Bäder und anstrengende körperliche Aktivitäten sind bis mindestens zwei Wochen nach dem Eingriff tabu. Sollte trotzdem eine Nachblutung auftreten, ist das ein Notfall der in sofortige ärztliche Behandlung gehört!

Normalerweise verkraften Kinder und Jugendliche eine Mandeloperation recht gut und sind schnell wieder voll leistungsfähig. Im Gegensatz dazu leiden manche Erwachsene mitunter bis zu drei Wochen unter Schmerzen und sollten sich deshalb ein wenig länger schonen.

Wann ist die Teilentfernung der Mandeln ausreichend?

Eine Teilentfernung, medizinisch Tonsillotomie, ist oftmals bei Kindern zwischen dem dritten und siebten Lebensjahr notwendig. Sofern die Gaumenmandeln aufgrund ihrer Größe zu dauerhaften Schluck- und Atembeschwerden führen, jedoch kein chronischer Entzündungsherd diagnostiziert werden kann, rät der Arzt in der Regel zu diesem vergleichsweise harmlosen, ambulant durchzuführenden Eingriff. Dabei trägt er mithilfe eines Lasers einen Teil der Mandeln ab. Der Vorteil besteht darin, dass die Beschwerden sofort verschwinden und die Abwehrfunktionen der Mandeln trotzdem vollständig erhalten bleiben. Gerade für Kinder, deren Immunsystem sich noch in der Entwicklung befindet, ist das sehr wichtig.

Sofern jedoch eine chronische Mandelentzündung vorliegt, ist die Teilentfernung keine Alternative. Dann wird der Arzt in der Regel zu einer vollständigen Entfernung der Mandeln raten, weil ansonsten das chronisch erkrankte Gewebe den Körper weiterhin belasten würde.

Mandelentzündung vorbeugen

Gibt es wirksame Möglichkeiten zur Vorbeugung?

Alle Maßnahmen, die allgemein für ein starkes und leistungsfähiges Immunsystem sorgen, minimieren das Risiko, an einer Mandelentzündung zu erkranken. Dazu gehört beispielsweise eine ausgewogene, gesunde Ernährung, ausreichend Schlaf, sportliche Betätigung, Bewegung an frischer Luft und wenig Stress. Leider lässt sich trotzdem eine Infektion nicht in jedem Fall verhindern.

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