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Hörsturz

Ein Hörsturz ist keine Krankheit, sondern eine vorübergehende Störung des Schallempfindens eines oder beider Ohren. In den meisten Fällen tritt ein Hörsturz einseitig auf. Von einem Hörsturz ist außerdem immer nur dann die Rede, wenn der Hörverlust plötzlich und ohne erkennbare Ursache auftritt, also nicht infolge eines Unfalls, einer Verletzung oder eine zugrunde liegenden Erkrankung entsteht.

Ein idiopathischer, also ohne Auslöser aufgetretener Hörsturz gehört zu den Beschwerdebildern, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit spontan und ohne Behandlung wieder abklingen. Dennoch können Hörstürze im Zweifel sehr ungünstig verlaufen und bis zur dauerhaften Einschränkung der Hörfähigkeit oder sogar zur Taubheit führen. Entscheidend für die Prognose ist das Ausmaß des Hörsturzes.

In diesem Ratgeber erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:

  1. Hörsturz oder Schwerhörigkeit?
  2. Ursachen
  3. Risikofaktoren
  4. Symptome
  5. Diagnose
  6. Behandlung
  7. Hörsturz vorbeugen

Hörsturz oder Schwerhörigkeit?

Ein Hörsturz ist von der klassischen Schwerhörigkeit meist schon durch sein spontanes Auftreten zu unterscheiden. Darüber hinaus geht der Hörsturz häufig mit weiteren Symptomen, wie etwa einem Druck auf dem betroffenen Ohr und einem Tinnitus einher, wohingegen die Schwerhörigkeit schleichend entsteht und sich durch keine weiteren Beschwerden äußert. Wohl aber kann eine Schwerhörigkeit aus einem Hörsturz resultieren. So kann es beispielsweise sein, dass der Betroffene seinen vorangegangenen Hörsturz gar nicht richtig wahrgenommen hat, weil das Hören nur in einigen Frequenzbereichen eingeschränkt war. Dennoch kann in der fachärztlichen Diagnostik mithilfe unterschiedlicher Testverfahren explizit herausgefunden werden, welche Art von Höreinschränkung beim Patienten vorliegt und wo genau das Hörvermögen gestört ist.

Ein Hörsturz ist kein Tinnitus

Immer wieder wird der Hörsturz mit einem Tinnitus verwechselt. Richtig ist, dass auch der Tinnitus, also die unangenehmen Ohrgeräusche, mit einem Druck oder einem dumpfen Empfinden im Ohr einhergehen kann. Dennoch bleibt das Hörvermögen beim Tinnitus in der Regel intakt. Das Ohrgeräusch, beispielsweise ein Pfeifen, Brummen oder Rauschen, überlagert das normale Hörvermögen nur, schränkt es aber an sich nicht ein. Beim Hörsturz hingegen ist das Schallempfinden im Ohr gestört. Das heißt, die Töne in bestimmten Frequenzen, mitunter auch Töne aller Frequenzen, können nicht mehr wahrgenommen werden. In vielen Fällen kündigt jedoch ein Tinnitus einen nahenden Hörsturz an. Dennoch handelt es sich bei Hörsturz und Tinnitus um zwei verschiedene Beschwerdebilder.

Der Hörsturz in Zahlen: Wie viele Betroffene gibt es?

Da der Hörsturz keine bleibende Krankheit ist und in der Regel nach wenigen Stunden bis Tagen wieder verschwindet, kann die Zahl der tatsächlich Betroffenen nicht ganz genau ermittelt werden. Durchschnittlich werden jedoch jährlich 15.000 Betroffene registriert, die mit einem Hörsturz beim Arzt vorstellig werden. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt bei 45 bis 50 Jahren, wobei der Hörsturz in jedem Alter auftreten kann. Kinder unter dem 14. Lebensjahr sind hingegen nur sehr selten betroffen. Erleiden sie jedoch in diesen jungen Jahren einen Hörsturz, bleibt in vielen Fällen eine dauerhafte Höreinschränkung zurück. Vom Hörsturz sind in etwa genau so viele Männer wie Frauen betroffen. In zehn Prozent aller Fälle kehrt der Hörsturz außerdem nach einer beschwerdefreien Zeit noch einmal zurück.

Ursachen

Wie entsteht ein Hörsturz?

Ein klassischer Hörsturz geht ohne ersichtliche Ursachen einher, dementsprechend sind auch keine konkreten Ursachen bekannt. Zu viel Stress stellt aber einen entscheidenden Risikofaktor dar. Vermutlich entstehen Hörstürze jedoch aus einer Kombination unterschiedlicher Auslöser. So wird zum Beispiel angenommen, dass eine akut verminderte Blutzirkulation im Innenohr für den Hörsturz verantwortlich sein könnte. Aufgrund dieser Durchblutungsstörung werden die Hörsinneszellen in ihrer Funktion beeinträchtigt, der Schall kann nicht mehr korrekt aufgefangen und weitergeleitet werden. Nebenbei werden auch Viren, Autoimmunkrankheiten und Schwankungen im Flüssigkeitshaushalt des Innenohrs als mögliche Ursachen für einen Hörsturz diskutiert.

Blick ins Ohr: Was passiert bei einem Hörsturz genau?

Der Hörvorgang ist in zwei Schritte aufgeteilt. Zum einen in das Hören im äußeren Ohr und zum anderen in das Hören im inneren Ohr. Zunächst treffen Töne, also Schallwellen, auf unser Außenohr. Sie gelangen in den Gehörgang und werden zum Mittelohr geleitet. Dort treffen sie auf das Trommelfell und die anliegenden Gehörknöchelchen. Bis hierhin funktioniert das Hören auch während eines Hörsturzes einwandfrei. Dann aber leitet das Trommelfell die Töne ins Innenohr weiter, wo der Schall als elektrischer Impuls auf eine Nervenbahn gelegt und zum Gehirn weitergeleitet wird. Im Falle eines Hörsturzes liegt hier der Fehler, die Impulse können nämlich nicht mehr ans Hirn gesendet werden, oder aber das Hirn gibt die falschen Sinneseindrücke zurück. Die Informationsübermittlung zwischen Gehirn und Innenohr ist gestört.

Risikofaktoren

Welche Risikofaktoren gilt es zu vermeiden?

Sämtliche bekannten Risikofaktoren basieren bislang auf der These, dass ein Hörsturz durch eine mangelnde Durchblutung im Innenohr entsteht. Dementsprechend gilt es, Faktoren, die Durchblutungsstörungen hervorrufen zu meiden oder zu minimieren. Bekannte Risikofaktoren, die einen Hörsturz begünstigen können, sind:

Als weiterer Risikofaktor kann chronischer Bewegungsmangel aufgeführt werden, denn auch fehlende Bewegung wirkt sich nachteilig auf die Blutgefäße auf. Verengte Blutgefäße, die das Blut schlechter transportieren können, können Durchblutungsstörungen begünstigen.

Symptome

Wie macht sich ein Hörsturz bemerkbar?

Ein typischer Hörsturz geht immer mit einem plötzlichen, vorübergehenden und meist einseitigen Hörverlust einher. Hörverlust muss dabei nicht immer völlige Taubheit bedeuten. Stattdessen erstreckt sich die Hörminderung beim Hörsturz oftmals nur auf einige bestimmte Tonfrequenzen. So können Betroffene zum Beispiel keine besonders hohen oder tiefen Töne mehr wahrnehmen. Während eines Hörsturzes hören Betroffene sämtliche Töne blechern, verschleiert, unscharf und entfernt. Ein Hörsturz ist grundsätzlich schmerzfrei. Ein schmerzhafter Hörverlust weist hingegen auf eine andere, vermutlich ernsthaftere Erkrankung hin. Der Hörsturz weist eine Reihe von Kern- und Begleitsymptomen auf, die nicht in jedem Fall alle auftreten müssen.

Kernsymptome

Begleitsymptome

Etwa 80 Prozent aller Hörstürze gehen mit einem Tinnitus einher. Die Ohrgeräusche, die von außen nicht hörbar sind, liegen dabei meist im Bereich hoher Frequenzen, Betroffene nehmen sie also als Pfeifen oder lautes Piepen wahr. In rund 20 Prozent aller Fälle beklagen Betroffene außerdem ein verändertes Hautgefühl. Das heißt, die Haut der Ohrmuschel fühlt sich taub und kribbelig an, etwa wie in Watte gepackt.

Diagnose

Wie wird ein Hörsturz festgestellt?

Der Hörsturz ist eine rein symptomatische Diagnose. Das heißt, diese Diagnose wird anhand des vom Patienten beschriebenen Beschwerdebildes gestellt. Ausschlaggebend für den Befund eines Hörsturzes, auch Ohrinfarkt genannt, ist das Fehlen einer konkreten Ursache. Die Diagnose Hörsturz stellt der HNO-Arzt also dann, wenn das Hörvermögen plötzlich eingeschränkt war, von einem Tinnitus und einem Druck im Innenohr und gegebenenfalls vom Doppeltonhören begleitet wird. Zur Untersuchung, wo genau der Hörsturz sitzt und inwiefern das Hörvermögen dadurch eingeschränkt ist, können unterschiedliche Testungen vorgenommen werden.

Otoskopie

Im Rahmen der Otoskopie wird der Gehörgang mithilfe eines Otoskops untersucht. Ein Otoskop ist ein kleiner Trichter, der in den äußeren Gehörgang eingeführt wird. Mithilfe eines Stirnlichts kann der Arzt den Gehörgang bis hin zum Trommelfell auf Unversehrtheit überprüfen. Die Otoskopie gibt keine Hinweise auf die Schwere der Hörminderung.

Tympanometrie

Stellt sich bei der Otoskopie heraus, dass das Trommelfell intakt ist, kann eine Tympanometrie durchgeführt werden. Sie gibt Aufschluss darüber, ob auch das Innenohr unversehrt ist. Für die Tympanometrie wird eine dünne Sonde in den Gehörgang eingeführt. Diese Sonde dichtet den Gehörgang gänzlich ab. Anschließend wird ein Schall in Form eines Tons in das Innenohr geleitet. Das Mittelohr empfängt diesen Schall und sendet einen Widerstand. Das Tympanometer misst diesen Widerstand und gibt Aufschluss über die Beschaffenheit und Funktionsweise der Gehörknöchelchen im Mittelohr.

Audiometrie

Die Audiometrie, auch Tonaudiometrie genannt, ist ebenfalls ein Messverfahren. In der HNO-Arzt-Praxis bekommt der Patient Kopfhörer aufgesetzt, über die er in unregelmäßigen Abständen Töne unterschiedlicher Höhen und Tiefen hört. Wann immer der Betroffene einen Ton wahrnimmt, muss er ein Signal geben oder wahlweise einen Knopf drücken. In der Auswertung dieser Untersuchung zeigt sich, in welchem Frequenzbereich die durch den Hörsturz verursachte Hörminderung liegt.

Messung der otoakustischen Emissionen

Otoakustische Emissionen sind minimalste Schallaussendungen, die direkt im Ohr entstehen. Sie können ebenfalls mithilfe einer Sonde gemessen werden. Eingeführt ins Innenohr können die hochsensiblen Mikrofone der Sonde die Emissionen ausmessen, die das Ohr während des Hörvorgangs sendet. Im Falle einer Schädigung der Cochlea oder des Innenohrs sind keine Emissionen messbar. Die Messung der otoakustischen Emissionen zeigt daher zuverlässig an, wo genau der Hörschaden sitzt.

Hirnstammaudiometrie

Die Hirnstammaudiometrie misst das Gehör am eigentlichen Ort seiner Entstehung, nämlich im Gehirn. Basierend auf der Tatsache, dass nur ein gesundes Hirn die Hörreize empfangen, umwandeln und weiterleiten kann, wird im Rahmen der Hirnstammaudiometrie ermittelt, ob die Nervenleitungen zwischen Innenohr und Hirnstamm geschädigt sind. Hierzu bekommt der Patient mehrere Messelektroden auf die Kopfhaut gesetzt. Gleichzeitig hört er über einen Kopfhörer einen wiederkehrenden Ton. Die Elektroden messen die Hirntätigkeit während dieser Prozedur. Auf diese Weise lässt sich erkennen, ob und wie gut die Hirnnervenzellen die akustischen Reize verarbeiten.

Bildgebende Verfahren

Bildgebende Verfahren sind im Rahmen der Hörsturz-Diagnostik nicht relevant und nur dann angezeigt, wenn spezielle Ursachen für die Hörminderung vermutet werden. So werden CT oder MRT beispielsweise nur dann veranlasst, wenn Blutungen, Tumore oder andere Verletzungen des Innenohrs oder Kopfes ausgeschlossen werden sollen.

Therapie und Behandlung

Wie kann ein Hörsturz behandelt werden?

Eine Vielzahl der Hörstürze wird heute medikamentös behandelt. Zum Einsatz kommt vorzugsweise Prednisolon aus der Gruppe der Corticosteroide. Diese Medikamente wirken abschwellend, entzündungshemmend und besitzen zudem die Eigenschaft, das eigene Immunsystem auszubremsen. Das heißt, der Körper schädigt sich selbst nicht weiter. Die Corticosteroid-Therapie wirkt nachweislich gut und bringt nur in seltenen Fällen Nebenwirkungen mit sich. Einzig Patienten mit starkem Bluthochdruck sowie schwangere Frauen dürfen in dieser Form nicht behandelt werden.

Rheologische Behandlung

Die rheologische Behandlung mittels Infusionen nimmt ebenfalls einen hohen Stellenwert in der Hörsturz-Therapie ein. Hierbei bekommt der Betroffene über mindestens zehn Tage hinweg eine Infusion mit Hydroxyethylstärke oder Dextranen. Diese Infusionen verbessern die Durchblutung des Innenohrs und können eine gestörte Durchblutung, sofern diese aus Ursache für den Hörsturz vermutet wird, ausgleichen.

Blutreinigung

Die Apherese, auch HELP-Apherese genannt, ist eine extrakorporales Blutreinigungsverfahren. In einer rund zweistündigen Sitzung bekommt der Patient über eine Armvene also nach und nach rund die Hälfte seines Körperbluts gezogen. Dieses Blut fließt direkt in das Apherese-Gerät, wo es gereinigt und gefiltert wird. Aus diesem Gerät fließt es über den anderen Arm zurück in den Blutkreislauf des Patienten. Durch die Reinigung werden dem Blut schädliche Bestandteile entzogen, die dafür verantwortlich sind, dass es im Bereich des Innenohrs und im Bereich anderer Engpässe schlecht fließen kann. Die Apherese ist ein sehr spezielles Verfahren, sie sollte daher nur in ausgewiesenen Dialyse-Zentren durchgeführt werden. 

Sauerstofftherapie

Die hyperbare Sauerstofftherapie wird in einer medizinischen Hochdruckkammer durchgeführt. In dieser Kammer bekommt der Patient reinen Sauerstoff zugeführt, der durch das Einatmen in das Blut übergeht und das Blut mit Sauerstoff anreichert. Das Blutvolumen wird auf diese Weise bestenfalls verdoppelt, der Blutfluss wird verstärkt und das Innenohr besser durchblutet. Die hyperbare Sauerstofftherapie ist nicht unangenehm und umfasst in der Regel zwei bis fünf Sitzungen.

Alternative Behandlungsansätze

Da die Ursachen des Hörsturzes bislang eher Vermutungen als Fakten sind, greifen alternative und homöopathische Therapieansätze bei einem Hörsturz nicht zuverlässig. Ist es bereits zum Hörsturz gekommen, können die Symptome mithilfe der Naturheilkunde nicht abgemildert werden. Einzig im Vorfeld können Globuli oder Bachblüten in Form von Rescue-Tropfen helfen, innere Angespanntheit und Stress zu lösen, um einem Hörsturz vielleicht von vornherein aus dem Weg zu gehen.

Hörsturz vorbeugen

Lässt sich einem Hörsturz gezielt vorbeugen?

Es gibt keine absolute Sicherheit, einem Hörsturz wirklich vorzubeugen, da er im Zweifel auch ohne die vermuteten Auslöser wie Stress, Schlafmangel oder Bluthochdruck entstehen kann. Nichtsdestotrotz empfiehlt es sich, auf eine allgemein gesunde und ausgeglichene Lebensweise zu achten. Dazu gehören:

Darüber hinaus sollten Personen, die bereits einen oder gar mehrere Hörstürze erlitten haben, ihren Koffein- und Nikotinkonsum auf den Prüfstand stellen. Während Kaffee, selbstverständlich in Maßen, genossen werden darf, sollte das Rauchen lieber ganz eingestellt werden. Nikotin und andere Bestandteile der Zigaretten sind unter anderem für die Verengung der Gefäße verantwortlich, was wiederum zu Durchblutungsstörungen führen kann - auch im Innenohr.

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