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Vitamin-B1-Mangel (Thiamin) behandeln & vorbeugen

Kribbeln und Taubheitsgefühle in Händen und Füßen, Müdigkeit und depressive Verstimmung sind nur einige mögliche Symptome eines Vitamin B1-Mangels. Dieser tritt hierzulande zwar nur äußerst selten auf, doch einige Personengruppen sind einem höheren Risiko für ein Defizit ausgesetzt und mitunter auf eine zusätzliche Zufuhr angewiesen.

In diesem Ratgeber erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:

  1. Vorkommen & Funktion im Körper
  2. Ursachen
  3. Symptome
  4. Täglicher Bedarf
  5. Mögliche Risikogruppen
  6. Ernährung bei Vitamin B1-Mangel
  7. Folgeerkrankungen bei Nichtbehandlung
  8. Vitamin-B1-Mangel behandeln & vorbeugen

Vorkommen & Funktion im Körper

Funktionen von Vitamin B1

Vitamin B1 gehört zu den wasserlöslichen B-Vitaminen und ist auch als Thiamin bekannt, das lebensnotwendig und an zahlreichen wichtigen Prozessen im Körper beteiligt ist. Im Gegensatz zu den Vitaminen B3 und B12 kann der Körper Thiamin nicht selbst produzieren und nur geringe Mengen über einen kurzen Zeitraum speichern. Daher ist eine Zufuhr über die Nahrung erforderlich. Erhält der Körper über einen Zeitraum von 14 Tagen kein B1, sind die gespeicherten Reserven bereits zur Hälfte entleert; nach spätestens 40 Tagen sind die Thiamin-Vorräte vollständig aufgebraucht.

Funktionen von Vitamin B1

Thiamin ist an folgenden Funktionen im Körper beteiligt:

  • Umwandlung von Kohlenhydraten in Energie
  • gesunde Funktion des zentralen Nervensystems
  • reguliert Stimmungsschwankungen
  • fördert die Konzentration und das Gedächtnis
  • Allgemeinbefinden und körperliche Konstitution

Ursachen

Gewöhnlich erhalten wir über die Nahrung ausreichend Vitamin B1, daher tritt ein Mangel nur selten auf. Das Risiko für ein Defizit kann sich jedoch durch

  • durch Alkoholismus (schneller Abbau von Vitamin B1),
  • durch Erkrankungen (z. B. Darmerkrankungen wie Zöliakie und Morbus Crohn),
  • durch einseitige Ernährung oder gestörtes Essverhalten sowie
  • während des Wachstums, der Schwangerschaft und Stillzeit

erhöhen.

Symptome

Sind die körpereigenen Vitamin-B1-Reserven aufgebraucht, treten die ersten Mangelsymptome auf:

  • Müdigkeit
  • Kribbeln und Taubheitsgefühle in Händen und Füßen
  • Reizbarkeit
  • depressive Verstimmungen
  • verminderte körperliche und geistige Leistungsfähigkeit

Täglicher Vitamin-B1-Bedarf

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt die folgende Menge Vitamin B1, um den täglichen Bedarf zu decken:

Täglicher Vitamin B1-Bedarf

Säuglinge

  • 0 bis unter 4 Monate: 0,2mg
  • 4 bis unter 12 Monate: 0,4mg

Kinder

  • 1 bis unter 4 Jahre: 0,6mg
  • 4 bis unter 7 Jahre 0,7mg

Kinder und Jugendliche, weiblich

  • 7 bis unter 10 Jahre: 0,8mg
  • 10 bis unter 13 Jahre: 0,9mg
  • 13 bis unter 15 Jahre: 1mg
  • 15 bis unter 19 Jahre: 1,1mg

Kinder und Jugendliche, männlich

  • 7 bis unter 13 Jahre: 0,9mg
  • 10 bis unter 13 Jahre: 1mg
  • 13 bis unter 15 Jahre: 1,2mg
  • 15 bis unter 19 Jahre: 1,4mg

Erwachsene, weiblich:

  • ab 19 Jahre: 1mg

Schwangere und Stillende

  • ab dem 2. Trimester: 1,2mg
  • ab dem 3.Trimester: 1,3mg
  • Stillende: 1,3mg

Erwachsene, männlich

  • 19 bis unter 25 Jahre: 1,3mg
  • 25 bis unter 65 Jahre: 1,2mg
  • ab 65 Jahre: 1,1mg

Mögliche Risikogruppen

Hierzulande gilt ein chronischer Alkoholmissbrauch als typische Ursache für einen Vitamin-B1-Mangel. Dieser geht meist mit einer Fehlernährung einher. Daneben zählen jedoch u. a. auch Schwangere, Stillende und gesundheitlich vorbelastete Menschen zur Risikogruppe.

Schwangerschaft und Stillzeit

Da Thiamin an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt und unter anderem auch für eine gesunde Funktion des zentralen Nervensystems zuständig ist, sollten Schwangere und Stillende um den erhöhten Bedarf wissen und entsprechend ausreichend Vitamin B1 aufnehmen, um sich und ihr Kind optimal zu versorgen.

Einseitige oder Fehlernährung

Das größte Risiko für einen Thiamin-Mangel besteht bei Alkoholabhängigkeit, die häufig mit einer unzureichenden Ernährung einhergeht. Wer sich sehr einseitig ernährt und hauptsächlich auf Weißmehlprodukte oder polierten Reis zurückgreift, nimmt mitunter auch zu wenig Vitamin B1 auf. Auch Senioren sind häufig nicht mehr in der Lage, sich abwechslungsreich zu ernähren und können infolgedessen einen Vitaminmangel aufweisen.

Gesundheitlich vorbelastete Menschen

Einige Krankheiten können einen Vitamin-B1-Mangel begünstigen, so etwa Essstörungen (z. B. Anorexia nervosa, Bulimianervosa, Adipositas) oder chronische Darmerkrankungen wie Zöliakie und Morbus Crohn.

Ernährung bei Vitamin-B1-Mangel

Folgende Lebensmittel können dabei helfen, den täglichen Bedarf an Vitamin B1 zu decken.

Pflanzliche Vitamin-B1-haltige Lebensmittel

Verschiedene Gemüsesorten, aber auch Getreide enthalten Thiamin (Angabe in Milligramm je 100g Lebensmittel):

Gemüse

  • Wirsing: 0,4mg
  • Kartoffeln: 0,3mg
  • Grüne Erbsen: 0,32mg
  • Blumenkohl: 0,2mg

Getreide und Samen

  • Weizenkeime: 2mg
  • Naturreis: 0,4mg
  • Weizenschrot- und Vollkornbrot: 0,4mg
  • Haferflocken: 0,34mg

Tierische Vitamin-B1-haltige Lebensmittel

Verschiedene Fleischsorten, aber auch Fisch und Milchprodukte können den Thiamin-Bedarf decken (Angabe in Milligramm je 100g Lebensmittel):

Fleisch/Wurst

  • Fettarmes Muskelfleisch vom Schwein: 0,9mg
  • Hühnerbrust: 0,7mg
  • fettarmes Muskelfleisch vom Rind: 0,2mg

Fisch

  • Heilbutt: 0,8mg
  • Ostseehering: 0,6mg
  • Bückling: 0,4mg

Milch und andere tierische Produkte

  • Ei: 0,13mg
  • Vollmilch: 0,04mg
  • Camembert: 0,04mg
  • Buttermilch: 0,03mg

Weltweit betrachtet sind Reis und Getreide die wichtigsten Vitamin-B1-Lieferanten - vorausgesetzt, sie sind nicht zu stark ausgemahlen beziehungsweise poliert. Hierzulande decken die Menschen etwa ein Viertel ihres Thiamin-Bedarfs über Backwaren wie Brot.

Ernährungsvorschläge zur Deckung des täglichen Vitamin-B1-Bedarfs

Die folgende Grafik zeigt, wie Sie den täglichen Vitamin-B1-Normalbedarf eines gesunden Erwachsenen decken können:

Täglichen Bedarf an Vitamin B1 decken

Diese Stoffe hemmen die Vitamin-B1-Aufnahme

  • Ein sehr hoher Konsum von Kaffee und schwarzem Tee kann dazu führen, dass der Körper das Vitamin B1 aus der Nahrung nur unzureichend nutzen kann.
  • Der Verzehr von raffiniertem Zucker erhöht den Bedarf an Vitamin B1.

Mögliche Folgeerkrankungen eines Vitamin-B1-Mangels

Besteht ein schwerer Vitamin-B1-Mangel über einen längeren Zeitraum hinweg, kann dies zu der sogenannten Beri-Beri-Krankheit führen. Diese tritt heutzutage meist nur noch in Entwicklungsländern und lediglich vereinzelt in Deutschland auf. Beri Beri äußert sich zunächst in den oben genannten B1-Mangelsymptomen. Die Erkrankung äußert sich jedoch auch in einem Skelettmuskelschwund, der insbesondere zu einer deutlich verminderten Beinfunktion führt, d. h., dass Betroffene nur stark eingeschränkt gehen können.

Die zwei Formen der Beri-Beri-Erkrankung

  • Dry Beri Beri ist eine Form des Thiamin-Mangels, bei der vorrangig neuritische Störungen wie z. B. Muskelschwäche, Reflex- und Empfindungsstörungen auftreten.
  • Bei Wet Beri Beri hingegen handelt es sich um die ödematöse Form, infolge derer es oft zu Ödembildungen und Herzversagen kommt.

Vitamin-B1-Mangel vorbeugen und behandeln

In der Regel lässt sich ein leichter Thiamin-Mangel bereits durch eine Ernährungsumstellung beheben. Insbesondere gesundheitlich vorbelastete Menschen oder Personen, die unter einem akuten Vitamin-B1-Mangel leiden bzw. einem erhöhten Risiko für ein Defizit ausgesetzt sind, können jedoch mitunter auf eine Therapie angewiesen sein.

Vitamin B1 - Supplementierung

Besteht ein Thiamin-Mangel, kann die Therapie meist mittels oraler Präparate erfolgen. Insbesondere bei einer Aufnahmestörung oder einem akuten Mangel empfiehlt sich jedoch die intravenöse oder intramuskuläre Gabe. Meist ist keine langfristige Behandlung nötig, allerdings sollten Betroffene gegebenenfalls zudem ihre Nahrung umstellen oder mit Vitaminpräparaten ergänzen, um dauerhaft eine ausreichende Vitamin-B1-Zufuhr sicherzustellen. In jedem Falle ist die Vitamingabe unter ärztlicher Aufsicht ratsam, da dieser der Ursache auf den Grund geht und mögliche Krankheiten erkennen und behandeln kann.

Überdosierung

Das Risiko einer konkreten Überdosierung von Thiamin hält sich in Grenzen, da eine Überversorgung über die Nahrung kaum möglich ist und die Nieren überschüssiges Vitamin B1 ausscheiden. Nehmen Menschen jedoch z. B. über Nahrungsergänzungsmittel eine deutlich höhere Dosis - etwa das Hundertfache der empfohlenen Tagesdosis - zu sich, können folgende Symptome auftreten:

  • Kopfschmerzen
  • Krämpfe
  • Hitzegefühl, Schweißausbrüche
  • Übelkeit
  • Hautreaktionen (Nesselsucht)

Gewöhnlich nehmen wir ausreichend Vitamin B1 über die Nahrung auf, sodass keine Vitaminpräparate erforderlich sind. Personen, die zur Risikogruppe zählen, können ihre Zufuhr häufig bereits durch eine Ernährungsumstellung optimieren. Eine Supplementierung ist normalerweise nur bei einem bestehenden Mangel erforderlich und in der Regel völlig unbedenklich.

Autorin - Tina Reschke
Autorin: Tina Reschke

Tina Reschke, freiberufliche Redakteurin und Lektorin, entschied sich 2010 aus ethischen und gesundheitlichen Gründen für die vegane Lebensweise. Sie wirkt unter anderem im Welt Vegan Magazin, im Onlinemagazin Herbaversum sowie bei der Tierrechtsorganisation PETA Deutschland e.V. mit und verfasste verschiedene Ratgeberartikel rund um die vegane Ernährung für vegpool.de.


Quellen
http://www.apotheken-umschau.de/Ernaehrung/Vitamin-B1-Thiamin-168857.html
http://www.vitalstoff-lexikon.de/Vitamin-B-Komplex/Thiamin-Vitamin-B1-/Mangelsymptome.html
http://www.onmeda.de/naehrstoffe/vitamin_b1.html
http://www.pharmazeutische-zeitung.de/?id=39550
http://www.dgn2010.de/pdf/Keyslides/15_Ludolph-Spektrum%20des%20Vitamin.pdf

Bitte beachten Sie: Die ggf. im Ratgeber aufgeführten Medikamente stellen keine Empfehlungen der Autorin dar. Es handelt sich hierbei lediglich um eine lose Auswahl von Präparaten, die einen bestimmten Wirkstoff enthalten und/oder einer speziellen Produktkategorie zugeordnet werden. Diese werden über sparmedo.de direkt eingepflegt und stellen keineswegs eine Aufforderung zum Kauf eines bestimmten Medikaments dar.

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