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Inkontinenz bei Männern

Aktualisiert am 30.01.20

Deutschlandweit leiden rund 11 Prozent der Männer an Harninkontinenz. Für viele stellt die Blasenschwäche eine große Belastung dar, verbunden mit seelischen Problemen, so dass die Erkrankung zunächst verdrängt wird. Allerdings kann Inkontinenz heutzutage fast immer behandelt werden und muss nicht mehr den Alltag bestimmen.

In diesem Ratgeber erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:

  1. Häufige Inkontinenzformen bei Männern
  2. Ursachen der männlichen Inkontinenz
  3. Inkontinenz bei Männern behandeln
    1. Medikamentöse Behandlung und pflanzliche Präparate
    2. Inkontinenz-Hilfsmittel
    3. Operative Verfahren
  4. Mut zur Behandlung

Die Harninkontinenz wird im Volksmund auch als Blasenschwäche bezeichnet und beschreibt den unwillkürlichen Harnabgang aus der Harnröhre. Der Grund hierfür liegt in der fehlenden Kontrolle über das Wasserlassen. Die Erkrankung kann in jedem Alter in Erscheinung treten, meist sind jedoch ältere Männer ab 65 Jahren oder Frauen von Harninkontinenz betroffen.

Unter welcher Inkontinenzform leiden Männer vermehrt?

Harninkontinenz ist bei Männern weit verbreitet. Die meisten Betroffenen ignorieren allerdings ihr Leiden. Das erschwert eine frühzeitige Diagnose und somit eine erfolgreiche Behandlung.

Häufige Inkontinenzformen bei Männern sind:

Belastungsinkontinenz

Bei einer Belastungsinkontinenz oder Stressinkontinenz treten die unkontrollierten Harnverluste durch Druck im Bereich des Beckenbodens auf. Dieser Druck kann durch schweres Heben oder nur durch Husten und Lachen ausgelöst werden. Typisch für diese Inkontinenzform ist, dass der Harndrang nicht gespürt wird bevor es zum Urinabgang kommt. Meist ist eine schwache Beckenbodenmuskulatur schuld an dieser Problematik.

Überlaufinkontinenz

Sehr häufig tritt bei Männern eine Überlaufinkontinenz auf. Diese wird durch eine vergrößerte Prostata ausgelöst, welche auf die Harnröhre drückt und somit die Öffnung dieser verengt. Die auftretenden Symptome äußern sich beim Wasserlassen. Männer, die von einer Überlaufinkontinenz betroffen sind, müssen teilweise sogar die Bauchmuskulatur (sogenannte Bauchpresse) zur Hilfe nehmen, um die Blase zu entleeren. Dabei treten oftmals Erscheinungen wie ein häufiger Harndrang mit geringer Urinmenge oder ein vermehrter nächtlicher Toilettengang auf. Weiterhin kann die Blase den Urin nicht mehr vollständig entleeren, was folglich mit einer Ausdehnung der Blase verbunden ist. Schließlich verliert diese mehr und mehr die Fähigkeit, den Muskel zusammenzuziehen, so dass ein sehr hoher Blaseninnendruck entsteht. Dieser ist irgendwann so hoch, dass ständig Urin aus der Blase tropft (Überlaufinkontinenz).

Gefahr für Folgeschäden
Da sich bei dieser Inkontinenzform der Harn bis zu den Nieren zurückstauen und Nierengewebe zerstören kann, ist eine Behandlung sehr wichtig. Zudem weist Prostatakrebs gleiche Symptome wie die Überlaufinkontinenz auf, so dass die Beschwerden unbedingt mit einem Arzt abgeglichen werden müssen.

Dranginkontinenz

Bei einer Dranginkontinenz tritt starker und plötzlicher Harndrang auf. Meist ist der Druck sehr spontan und die Betroffenen schaffen es nicht mehr rechtzeitig auf die Toilette. So kommt es zum unwillkürlichen Urinverlust. Diese Inkontinenzform ist für Männer besonders belastend, da Unternehmungen und Freizeitaktivitäten davon sehr eingeschränkt werden. Ursache hierfür sind häufig Nervenstörungen.

Ursachen einer männlichen Inkontinenz

Vergrößerung der Prostata

Die Haupursache liegt in einer gutartigen Vergrößerung der Prostata. Die Prostata selbst wird auch als Vorsteherdrüse bezeichnet, liegt unterhalb der Blase und umschließt die Harnröhre. Sie liegt dem Beckenboden auf, in dem sich der äußere Schließmuskel befindet. Ist die Prostata nun vergrößert, kommt es zur Einengung der Harnröhre, was damit verbunden zu einer Behinderung des Harnflusses führt. Dies kann ein Indiz für eine Harninkontinenz sein.
Im Übrigen entwickelt im zunehmenden Alter fast jeder Mann eine gutartige Vergrößerung und Verhärtung der Prostata.

Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur und weitere Faktoren

In vielen Fällen steckt wie auch bei den Frauen eine Erschlaffung der Beckenbodenmuskulatur dahinter. Bei jungen Männern ist die Ursache oft in angeborenen Fehlbildungen, Verletzungen des Schließmuskelsystems oder Beckenbodens und in unbehandelten Infektionen zu finden. Weiterhin können Nebenwirkungen oder Begleiterscheinungen von Medikamenten sowie Krankheiten wie Mutiple Sklerose, Diabetes, Morbus Parkinson, Tumore, Rückenmarks- oder Nervenerkrankungen für die Inkontinenz verantwortlich sein. Folgen von Operationen, eine Überaktivität oder Schwächung des Detrusormuskels, Nervenfunktionsstörungen sowie psychische Ursachen gelten ebenfalls als Auslöser einer Inkontinenz.

Inkontinenz bei Männern behandeln

Physiotherapeutische Methoden

Für viele Männer mit einer Belastungs- oder Dranginkontinenz ist es hilfreich, ihre Beckenbodenbodenmuskulatur durch regelmäßiges Training und spezielle Übungen zu stärken.

Medikamentöse Behandlung und pflanzliche Präparate

Oftmals reicht das Beckenbodentraining alleine nicht aus. Hier können verschiedene Arzneimittel hilfreich sein. Bei einer Dranginkontinenz stehen sogenannte Anticholinergika zur Verfügung. Sie reduzieren das plötzliche Zusammenziehen des Blasenmuskels bei einer muskulären Dranginkontinenz. Darüber hinaus werden diese auch bei einer Reizblase eingesetzt und haben krampflösende Eigenschaften. Weiterhin können sogenannte Sympathomimetika bei einer hyperaktiven Blase helfen.

Sägepalme

Die Sägepalme ist als Heilpflanze bei Prostatabeschwerden bekannt. Sie soll den Harnfluss verbessern, die Restharnmenge in der Blase senken und den starken nächtlichen Harndrang bremsen. Häufig werden Präparate aus der Sägepalme mit anderen ähnlich wirkenden Naturheilpflanzen, wie Brennnesselwurzeln und Kürbissamen, kombiniert.

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Brennnessel

Brennnesselblätter wirken leicht wassertreibend. Sie erhöhen die Harnausscheidung und durchspülen dadurch die ableitenden Harnwege. Die Blätter können daher gegen Blasenentzündungen oder andere Harnwegsinfekte helfen. Weiterhin werden Brennnesselwurzeln häufig bei Prostataproblemen eingesetzt. Sie erleichtern das Wasserlassen bei einer Prostatavergrößerung.

Kürbiskerne

Auch Kürbiskerne sind ein beliebtes Mittel bei Blasenschwäche und Prostatabeschwerden. Prostatavergrößerungen können mit Hilfe der Inhaltsstoffe wirksam behandelt werden. Die enthaltenen Wirkstoffe erhöhen die Spannung der Blasenmuskulatur, so dass eine bessere Blasenentleerung stattfinden kann.

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Inkontinenz-Hilfsmittel

Ebenso wie für Frauen sind auch für Männer spezielle Inkontinenzeinlagen erhältlich, welche in die Unterwäsche integriert werden und dort einen sicheren Schutz bieten. Des Weiteren gibt es auch spezielle Inkontinenz-Slips, die dem Erkrankten einen möglichst normalen Alltag bieten sollen.

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Harnröhrenstöpsel sowie Urinalkondome

Als Schutz können darüber hinaus auch Harnröhrenstöpsel sowie Urinalkondome angewendet werden. Erstere verschließen die Harnröhre und verhindern tagsüber einen Harnverlust. Diese Auswahl eignet sich besonders bei längeren Ausflügen oder Aktivitäten. Urinalkondome hingegen haben die Form eines Kondoms und sind mit einer Anschlussmöglichkeit für einen Schlauch versehen. Gehandhabt wird das Inkontinenz-Hilfsmittel wie ein gewöhnliches Kondom. Der auftretende Urin wird mit Hilfe eines Schlauches in einen Sammelbeutel geleitet. Urinalkondome bieten eine leichtere und einfachere Handhabung als beispielsweise die Katheterisierung.

Operative Verfahren

Moderne operative Eingriffe bieten vielfältige Therapiemöglichkeiten und Heilungschancen. Allerdings sollten vorher alle nicht-operativen Behandlungsoptionen ausgeschöpft werden, da Operationen auch immer Risiken bergen.

Operation bei Prostatavergrößerung

Die Operation einer Prostatavergrößerung ist dann ratsam, wenn die Blasenentleerung behindert wird oder von selbst kaum noch möglich ist. Damit verbunden kommt es zu einer großen Ansammlung von Restharn in der Blase, in dem sich eine Vielzahl von Bakterien absetzen kann. Bei einer Operation wird ein Teil der Prostata über die Harnröhre entfernt.

Der künstliche Schließmuskel

Zur etablierten Standardtherapie der männlichen Belastungsinkontinenz gehört mittlerweile der künstliche Schließmuskel. Bei diesem operativen Verfahren wird um die Harnröhre eine Manschette angebracht, ein Speicherballon und eine Pumpe im Hodensack. Die Manschette ist mit einer speziellen Lösung befüllt und fungiert als künstlicher Schließmuskel, da sie die Harnröhre von außen verschließt. Im Hodensack wird zusätzlich eine Pumpe eingesetzt. Mit dieser kann zum Urinieren die Lösung aus der Manschette gepumpt werden. Sie gelangt dazu in den Speicherballon. So kann der angesammelte Harn problemlos durch Harnröhre abfließen. Anschließend läuft die Lösung von alleine aus dem Ballon in die Manschette zurück.

Adjustierbare Schlingen

Als Alternative zu einem künstlichen Schließmuskelsystem gelten sogenannte adjustierbare Schlingen. Diese erhöhen den Harnröhrenwiderstand und helfen dadurch gegen die  Inkontinenz. Dieser kann auch durch einen weiteren kleinen operativen Eingriff nachjustiert werden. So kann eine Korrektur der Lage des Schließmuskels erreicht werden. Meist ist diese nach einer Prostataoperation nötig. Bei vielen Patienten wird bei einer Prostataentfernung der Schließmuskel zwar nicht direkt verletzt, die Haltestrukturen des Schließmuskelsystems häufig aber gelockert. So kommt es zu einer Senkung der Harnröhre. Diese Absenkung belastet den Schließmuskel erheblich, weshalb er es nicht mehr schafft die Harnröhre vollständig zu verschließen. Für die Heilungschancen ist es aber wichtig, dass das Schließmuskelsystem noch ausreichend Restfunktion hat.

Botox-Injektion

Zeigen Medikamente keine Wirkung, kann für die Therapie der überaktiven Harnblase und Dranginkontinenz der Wirkstoff Botulinumtoxin (Botox) zum Einsatz kommen. Der Wirkstoff wird dabei direkt in den Muskel der Blase gespritzt. Das Nervengift entfaltet seine Wirkung durch eine Abschwächung oder Teillähmung der Blasenmuskulatur, wodurch sich die Blasenmuskulatur entspannt und die Harnblase mehr Urin über einen längeren Zeitraum speichern kann. Die Wirkung hält mindestens sechs Monate an. Danach muss die Behandlung wiederholt werden.

Mut zur Behandlung!

Eine Inkontinenz muss nicht unbehandelt bleiben, sondern kann in vielen Fällen erfolgreich therapiert werden. Betroffene sollten sich nicht scheuen, einen Arzt aufzusuchen. Nur er kann die Ursachen erkennen und entsprechende Behandlungsmethoden einleiten. Vorbeugend sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen der Prostata ab dem 50. Lebensjahr sinnvoll.

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