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Bettnässen & Einnässen - Inkontinenz bei Kindern

Aktualisiert am 31.01.20

Inkontinenz bei Kindern ist keine Seltenheit und verunsichert die Eltern enorm. Dennoch besteht meist kein Grund zu ernster Sorge. Harninkontinenz bei Kindern lässt sich gut in den Griff bekommen. Mit gezielten Tipps für den Alltag sowie modernen Behandlungsmethoden, unterstützen Sie Ihren Sprössling und überwinden erfolgreich das Einnässen.

In diesem Ratgeber erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:

  1. Formen von Inkontinenz bei Kindern
  2. Ursachen von Inkontinenz bei Kindern
  3. Inkontinenz bei Kindern behandeln
    1. Therapie von Bettnässen
    2. Therapie von Einnässen während des Tages
  4. Unterstützung der Kinder

Sind Kinder bereits fünf Jahre alt und nachts noch immer nicht trocken, sind viele Eltern besorgt. Das Bettnässen während der Nacht (Enuresis) und die Inkontinenz tagsüber kommen aber auch bei älteren Kindern gelegentlich vor. Mediziner sprechen von rund 10% aller Kinder (Jungs sind dabei doppelt so oft betroffen wie Mädchen), die nachts sogar im Alter von sieben Jahren noch einnässen. Von Harninkontinenz am Tage sind ungefähr 3% betroffen.

Formen von Inkontinenz bei Kindern

Von Harninkontinenz bei Kindern spricht man, wenn nach dem 5. Geburtstag, immer wieder unkontrollierte Urinabgänge stattfinden. Das kann nachts und oder auch tagsüber passieren.

Inkontinenz tagsüber (Enuresis diurna)

Ungefähr 3% der Kinder im Alter von sieben Jahren und rund 1% aller Jugendlichen nässen tagsüber ungewollt ein. Hier sprechen Mediziner von Harninkontinenz. Unterschieden wird dabei zwischen Dranginkontinenz, Inkontinenz mit Miktionsaufschub und Blasenentleerungsstörungen.

Dranginkontinenz

Kinder, die unter einer Dranginkontinenz leiden, gehen deutlich öfter auf die Toilette als Gleichaltrige. Sobald sich geringe Mengen von Urin in der Harnblase ansammeln, zieht sich diese zusammen und löst einen plötzlichen, starken Harndrang aus. Schaffen es die betroffenen Kinder nicht rechtzeitig auf die Toilette oder sind müde, kommt es zum Einnässen. Meist wird dabei der Slip nur ganz leicht feucht. Kinder entwickeln durch die Dranginkontinenz oft Haltemanöver, um den unwillkürlichen Urinverlust zu vermeiden. Solche Manöver können das Aneinanderpressen der Beine oder ein starkes Anspannen der Muskulatur des Beckenbodens sein.

Inkontinenz mit Miktionsaufschub

Leiden Kinder unter einer Inkontinenz mit Miktionsaufschub, schieben sie trotz Harndrang den Toilettengang auf. Sie gehen oftmals weniger als 5-mal täglich auf die Toilette. Betroffene Kinder vermeiden den Gang aufs WC in bestimmten Situationen. Das kann in einer ungewohnten Umgebung sein oder während des Spielens. Wird der Druck für die Blase zu groß, entleert sie sich dann ungewollt.

Blasenentleerungsstörungen

Liegt eine Blasenentleerungsstörung vor, müssen die Kinder beim Toilettengang, um urinieren zu können erheblich gegen den Widerstand des Blasenschließmuskels drücken und den Urin herauspressen. Dieses Krankheitsbild wird als sogenannte Detrusor-Sphinkter-Dyskoordination bezeichnet. Manchmal ist der Harnfluss auch unterbrochen, da sich der Blasenschließmuskel beim Wasserlassen zusammenzieht, anstatt zu entspannen. Dadurch kann sich die Harnblase nicht vollständig entleeren. Das begünstigt Harnwegsinfektionen. Häufig gesellt sich dazu Verstopfung.

Seltene Formen

Zu den selten auftretenden Formen der Inkontinenz bei Kindern zählen die Stressinkontinenz, die unteraktive Blase und die Lachinkontinenz. Bei einer Stressinkontinenz können starkes Husten oder Niesen zu kleinen, ungewollten Urinverlusten führen. Liegt eine Lachinkontinenz vor, führt Lachen sogar zu einer kompletten Blasenentleerung. Dagegen spüren Kinder, die an einer unteraktiven Blase leiden, nur selten den Drang zum Wasserlassen. Ihre Harnblase ist deshalb stark ausgedehnt. Sie entleeren ihre Blase auf der Toilette oftmals nicht vollständig, was zu erheblichen Mengen an Restharn führt.

Nächtliches Einnässen (Enuresis nocturna oder Bettnässen)

Von nächtlichem Einnässen (Enuresis) sprechen Mediziner, wenn Kinder nach dem 5. Geburtstag noch Bettnässen. Dabei unterscheiden sich zwei verschiedene Formen. Nässen Kinder noch immer ein, spricht man von der sogenannten primären Enuresis nocturna. Nässen sie hingegen nach halbjähriger trockener Phase erneut ein, wird von einer sekundären Enuresis nocturna gesprochen. Die Urinverluste können sehr unterschiedlich sein. Manche Kinder wachen sofort auf und schaffen es zur Blasenentleerung noch auf die Toilette. Andere werden erst durch die vollständige Blasenentleerung geweckt.

Die besorgten Eltern können sich gewiss sein, dass ihr Nachwuchs nie mit Absicht ins Bett macht. Die meisten Kinder schämen sich sogar und versuchen den Vorfall zu vertuschen. Umso wichtiger ist es deshalb, dass Eltern ihren Sprösslingen Mut zusprechen.

Beides (kombinierte Inkontinenz)

Inkontinenz kann aber auch kombiniert, sowohl am Tag als auch in der Nacht, auftreten. Die häufigste Form ist allerdings das Bettnässen nachts, ohne dass dabei eine Funktionsstörung der Blase vorliegt. Zusätzlich leiden einige Kinder während des Tages an häufigem, starkem Harndrang, Blasenentleerungsstörungen oder dem Aufschieben des Toilettengangs.

Ursachen für Inkontinenz bei Kindern

Harninkontinenz kann in einer Familie gehäuft vorkommen und vielfältige Ursachen haben. Allgemein gilt: Je älter ein Kind wird, desto seltener nässt es während des Tags oder in der Nacht ein. Dennoch sind sogar 1 % der Jugendlichen von nächtlichem Einnässen betroffen. Am Tage sind es noch mindestens 0,5%.

Ursachen der Inkontinenz während des Tages

Harninkontinenz am Tag kann verschiedenartige Ursachen haben. Manche Krankheitsformen haben genetische Gründe. Andere werden auf Fehlbildungen oder Entwicklungsverzögerungen zurückgeführt.

Die Dranginkontinenz bei Kindern ist ebenfalls in der Regel genetischbedingt. Mädchen sind hier wesentlich häufiger betroffen als Jungen.Bei der Inkontinenz mit Miktionsaufschub ist meist das Wesen und das Alter der Kinder ausschlaggebend. Manche sind sehr verträumt und wollen das Spielen nicht unterbrechen oder sie sind schüchtern und trauen sich nicht zu fragen, wo das WC ist. Deshalb wird der Toilettengang hinausgezögert bis die Harnblase den Urin nicht mehr halten und sich ungewollt entleert. Manchmal fehlt entwicklungsbedingt auch ein richtiges Einschätzen der Dringlichkeit des Harndrangs. Bei den Blasenentleerungsstörungen sind häufig Fehlbildungen ursächlich. Dadurch öffnet sich der Schließmuskel nicht vollständig. So kann die Blase nicht gänzlich entleert werden. Solche Störungen sind meist genetisch und manchmal sogar psychisch bedingt.

Ursachen für nächtliches Einnässen

Entwicklungsverzögerungen im Bereich der Blasenkontrolle sind in der Regel ursächlich für das Einnässen während des Schlafs. Diese Verzögerungen sind überwiegend anlagebedingt. Nur in Ausnahmefällen ist das Bettnässen ein Indiz für Nieren- oder Blasenstörungen. Andere körperliche Erkrankungen können meist ausgeschlossen werden. Begleiterkrankungen wie Harnwegsinfektionen gesellen sich aber häufig hinzu.

Gründe für eine sekundäre Enuresis nocturna sind überwiegend psychosozialer Natur. Vor allem Ängste oder belastende Umstände können erneutes Einnässen zur Folge haben. Auch der Umzug in eine neue Umgebung, der Verlust eines Angehörigen oder ein neues Geschwisterchen können ursächlich sein. Dazu können Streit mit anderen Kindern oder Erziehern bzw. Lehrern Rückfalle begünstigen. Nur eine gründliche Untersuchung bei einem spezialisierten Kinder- und Jugendarzt kann die Ursache für die Inkontinenz sicher ermitteln.

Inkontinenz bei Kindern behandeln

Bevor die Inkontinenz des Kindes behandelt werden kann, muss eine gesicherte Diagnose gestellt werden. Dabei untersucht der Arzt als Erstes den Urogenitaltrakt des Kindes auf eventuelle Fehlbildungen oder Erkrankungen. Die Untersuchung des Urins soll mögliche Infektionen der Harnwege ausschließen. Darauf folgt eine Ultraschalluntersuchung von Harnblase und Nieren. Dadurch lässt sich feststellen, ob und wie viel Restharn sich nach dem Toilettengang noch in der Blase befinden. Verursacht eine Verstopfung die Inkontinenz, wird auch das bei der Untersuchung per Ultraschall erkannt.

Therapie von Bettnässen

Im Allgemeinen macht wenig Sinn, das Einnässen vor dem 5. Geburtstag zu behandeln. Auch bei Kindern, die älter sind, sollte mit einer Behandlung erst mal gewartet werden, wenn der Inkontinenz keine körperlichen Erkrankungen zugrunde liegen. Es werden nämlich 15% aller betroffenen Kinder auch ohne spezielle Maßnahmen von selbst binnen eines Jahres trocken.

Trinkverhalten anpassen

Falls der Sprössling nachts ins Bett macht, sollte das Trinkverhalten zwingend angepasst werden. Auf das Trinkverhalten wird meist zu wenig geachtet. Viele Kinder sind nachmittags draußen und spielen. Dabei vergessen sie das Trinken. Abends zuhause angekommen, werden dann riesige Flüssigkeitsmengen konsumiert. Ein solches Trinkverhalten begünstigt Inkontinenz.

Das Trinkverhalten sollte folgendermaßen angepasst werden:

Häufig reicht schon diese sinnvolle Umverteilung aus, dass die Inkontinenz vor allem nachts verschwindet.

Ratsam gerade bei Bettnässen, ist die Verwendung eines Inkontinenzbezuges. Dieser schützt die Matratze und das Bett vor Feuchtigkeit sowie unangenehmen Gerüchen. Spezielle Windelhöschen für Kinder und Teens können dem Nachwuchs nachts und am Tage Sicherheit bieten. Sie sind besonders saugstark und angenehm zu tragen. So muss das Kind keine Angst vor einer nassen Hose haben.

Klingelhosen

Wenn das Anpassen des Trinkverhaltens nicht zum Erfolg führt, können nächtliche Weckapparate eingesetzt werden. Diese sogenannten Klingelhosen oder Klingelmatten werden an einen Feuchtigkeitsfühler angeschlossen, der bei Nässe klingelt. So wird das Kind geweckt, wenn es nachts einnässt. Das Gerät sollte wirklich jede Nacht benutzt werden und die Anwendung keinesfalls zu früh abgebrochen werden. Die Kinder müssen dabei aber mindestens fünf Jahre alt sein, um den Sinn der Klingelhosen zu begreifen.

Ist das Kind zwei Wochen am Stück ununterbrochen trocken, kann die Klingelhose oder -matte weggeräumt werden. Zeigt das Klingelgerät nach 16 Wochen immer noch nicht die gewünschte Wirkung, ist es sinnvoll, die Anwendung abzubrechen. Ein neuer Versuch sollte dann erst nach einigen Monaten gestartet werden. Klingelhosen und -matten gelten als vielversprechend und führen in rund der Hälfte der Fälle zum Erfolg.

Psychologische Hilfe

Besteht der begründete Verdacht, dass seelische Probleme ursächlich für die Inkontinenz sind, hilft psychologische Hilfe. Der Ansprechpartner ist hier ein Kinder- und Jugendpsychiater oder -therapeut. Zudem ist die Mitarbeit der Eltern wichtig, um die Auslöser und Belastungen zu identifizieren. Sie können Informationen zur bisherigen Entwicklung ihres Kindes und über belastenden Vorfälle geben.

Therapie von Einnässen während des Tages

Auch die Harninkontinenz, die tagsüber bei Kindern auftritt lässt sich gut therapieren. Wie beim Bettnässen sollte die Behandlung aber immer mit einem Kinder- und Jugendarzt abgesprochen werden und nach einer gründlichen körperlichen Untersuchung erfolgen.

Regelmäßige Toilettengänge

Regelmäßige Toilettengänge helfen dem Kind, die Harnblase zu trainieren und eine eigene Routine zu entwickeln. Zudem kann sich dadurch nicht so viel Urin sammeln, dass die Blase „überläuft“.

Verhaltenstherapie

Leiden Kinder unter einer Dranginkontinenz oder einer Inkontinenz mit Miktionsaufschub, ist eine Verhaltenstherapie sinnvoll. Mit therapeutischer Unterstützung lernen die Kinder, auf ihre Haltemanöver zu verzichten. In der Verhaltenstherapie trainieren sie ihre Körperwahrnehmung, bekommen ein Gespür für ihre Körpersignale und üben sofort auf die Toilette zu gehen, ohne ihre Beckenbodenmuskulatur anzuspannen. Ein kindgerechter Kalender mit selbst gewählten bunten Symbolen, die trockene und nasse Tage bzw. Nächte festhalten, dient der Erfolgskontrolle. Wichtig ist hier, dass Erzieher oder Lehrer informiert und um Mithilfe gebeten werden. Über ein Drittel der betroffenen Kinder überwindet so die Inkontinenz.

Beckenbodentaining

Auch ein spielerisches Beckenbodentraining kann gegen die Inkontinenz helfen. Die Kinder erlernen dabei, ihren Beckenboden zu entspannen, und trainieren diese sensible Muskulatur. Zudem intensivieren sie ihre Körperwahrnehmung.

Medikamentöse Behandlung

Bringen andere Maßnahmen keinen Erfolg können auch Arzneimittel hilfreich sein. Häufig verordnete Wirkstoffe sind Oxybutynin, welcher die Blase entspannt und Urinmenge sowie Harndrang reduziert. Aber auch Propiverin beruhigt die Blasenmuskulatur. Ein weiterer erfolgversprechender Wirkstoff ist Desmopressin. Dieser reduziert ebenfalls die Harnmenge. Die Dosis der jeweiligen Arzneimittel sollte allerdings immer möglichst gering sein, da die Präparate zu vielen Nebenwirkungen führen können. Mithilfe von Medikamenten werden rund 70% der betroffenen Kinder trocken. Leider nässen viele von ihnen nach Absetzen des Wirkstoffs erneut ein.

Kinder unterstützen und nicht ausschließen

Am wichtigsten für die Kinder ist die alltägliche Unterstützung der Eltern. Dabei sollte das Thema Inkontinenz nicht tabuisiert werden, weder vor dem Nachwuchs noch vor Lehrern und Erziehern. Die Kinder selbst sind oftmals sehr verunsichert und schämen sich. Sie stehen unter ständigem Druck und haben Angst, dass ihnen das Einnässen vor den Mitschülern oder Lehrern passiert. Deshalb ist eine offene Kommunikation als Hilfestellung für das Kind unerlässlich. Dem Nachwuchs sollte Mut gemacht werden.

Trotz Inkontinenz Kinder nicht von schulischen Aktivitäten ausschließen
Von Inkontinenz betroffene Kinder schämen sich oftmals so sehr, dass sie sich selbst ins Abseits stellen und an schulischen Aktivitäten, wie einer Klassenfahrt nicht teilnehmen möchten. Dadurch werden sie nicht selten zum Außenseiter. Hier ist entscheidend, dass die Eltern ihren Nachwuchs zu Aktivitäten mit Klassenkameraden ermutigen. Die Kinder brauchen bedingungslose Rückendeckung und seelische Unterstützung. Zusammen mit den Lehrern können beispielsweise bei Ausflügen ausreichend "Pinkelpausen" eingeplant werden. Das gibt dem Kind Sicherheit. Für die Nächte bei Schulausflügen können ein angepasstes Trinkverhalten oder saugstarke Hygienehöschen hilfreich sein.

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