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Krätze erkennen und behandeln

Aktualisiert am 09.07.19

Krätze, medizinisch als Skabies bezeichnet, ist eine ansteckende Hautkrankheit, die durch Milbenbefall entsteht und die vor allem bei Kindern und Personen mit schwachem Immunsystem vorkommt. Die Erkrankung geht mit einem juckendem Hautausschlag einher, welcher durch die Krätzmilbe ausgelöst wird. Krätze ist nicht gefährlich, muss jedoch ärztlich behandelt werden.

  1. Was ist Krätze?
  2. Auslöser
  3. Übertragungsweg
  4. Symptome
  5. Spezielle Formen
  6. Meldepflicht
  7. Behandlungsmethoden
  8. Vorbeugen

Was ist Krätze?

Bei der Krätze handelt es sich um eine stark juckende und ansteckende Hautkrankheit, die durch die Krätzmilbe verursacht wird. Die Krätze kann sich sehr schnell durch Körperkontakt verbreiten und kommt häufig bei Kindern, aber auch bei älteren Menschen vor. Während es viele Jahre relativ ruhig um die Krankheit war, ist die Krätze wieder auf dem Vormarsch. Das liegt unter anderem daran, dass die Diagnose oft recht spät gestellt wird, sodass sich in der Zwischenzeit viele Menschen anstecken konnten. Während im Jahr 2010 nur etwa 750 Fälle von Krätze in Deutschland aufgetreten sind, waren es im Jahr 2015 fast 3000 Fälle.

Auslöser sind Krätzmilben

Die Krätze wird durch Milben, so genannte Krätzmilben, hervorgerufen. Die 0,3 bis 0,5 mm großen, durchsichtigen Milben, besitzen zwei Paar Mundwerkzeuge und vier Beinpaare, von denen zwei Paare mit Saugnäpfen versehen sind.

Für ihre Eiablage graben die befruchteten Milbenweibchen Gänge in die oberste Hautschicht (bevorzugt im Bereich von Hautfalten). Dazu ätzt die Milbe ein Loch in die Hornschicht der Haut und gräbt sich dann einen langen, waagerechten Gang in die Hornhaut. Sie ernährt sich dabei von Lymph- und Hautzellen und legt täglich zwei bis drei Eier. Diese Milbengänge sind feine rötliche Lienen (bis zu 1cm lang), an deren Ende man eine leichte, gelbliche Erhebung (Milbenhügel) sieht. Dort befindet sich die Milbe. Häufig werden auch einzelne, von einem Hof umgebene, Hautknötchen wahrgenommen. An diesen Stellen wurde die Haut von Larven nach außen durchgestoßen.

Nach ca. drei bis vier Tagen schlüpfen aus den Eiern die Larven, was starken Juckreiz hervorruft. Durch den Milbengang graben sich die Larven dann zur Hautoberfläche zurück. Nach etwa zwei bis drei Wochen haben sich aus den Larven geschlechtsreife Krätzmilben entwickelt, welche sich dann erneut in die oberste Hautschicht graben und weiter vermehren.

Übertragungsweg

Die Übertragung der Krätze erfolgt durch engen Körperkontakt, wie er in Kindergärten oder Pflegeheimen der Fall ist. Entsprechend breitet sich die Krätze schnell auf die ganze Familie aus. Ein Händedruck hingegen reicht in der Regel nicht aus, um die Krätze zu übertragen. Riskanter ist aber der enge Körperkontakt. Die Übertragung durch Kleidung ist unwahrscheinlich, da Krätzmilben nur relativ kurzzeitig ohne Wirt überleben können.

Risikobehaftet sind außerdem

Besonders hoch ist die Ansteckungsgefahr im Herbst und im Winter. Die Krätze kann entgegen der weit verbreiteten Meinung auch unter besten hygienischen Bedingungen vorkommen.

Symptome von Krätze

Der Befall von Krätzmilben ist nicht deutlich zu erkennen, sodass viele zunächst von einem Hautausschlag aufgrund einer Überempfindlichkeit oder ähnlichem ausgehen. Ist aber eine ganze Familie, eine Kindergartengruppe oder beide Sexualpartner betroffen, liegt der Verdacht auf Krätze nahe. Typische Symptome für Krätze sind

Da dieser Juckreiz vor allem nachts (durch die Wärme im Bett) unerträglich ist und verstärkt wird, kratzen sich die Betroffenen in dieser Zeit besonders heftig. Die gereizte und verletzte Haut kann dadurch schnell von Bakterien besiedelt werden, so dass eitrige Ausschläge entstehen. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, tritt nach ca. vier bis sechs Wochen ein flächiges, juckendes Ekzem auf. Nach dieser Zeitspanne ist das Immunsystem nämlich gegen die Proteine der Milbe sensibilisiert wurden.

Am häufigsten betroffen sind:

Bei Erwachsenen zusätzlich der Genitalbereich und bei Babys und Kleinkindern die Handflächen und die Fußsohlen.

Spezielle Formen

Es gibt verschiedene Formen der Krätze, die zu bestimmten Jahreszeiten auftreten und besonders hartnäckig sind oder nach intensivem Juckreiz den Zyklus der Fortpflanzung durchbrechen.

Erntekrätze

Eine spezielle Form der Krätze ist die sogenannte Erntekrätze, von der vor allem Kinder betroffen sind. Diese Art der Krätze tritt hauptsächlich zwischen Juni und September auf und wird von den Larven der Herbstmilbe verursacht. Die Erntekrätze befällt nicht nur die üblichen Hautstellen, sondern kann auch die Kopfhaut betreffen. Die roten Flecken kommen hier mit Pusteln und Krusten einher, jedoch können sich die Milben auf der Haut nicht weiter vermehren, da sie nach der Blutmahlzeit vom Körper abfallen. Die Erntekrätze tritt vor allem dann auf, wenn das Kind im Gebüsch, auf Wiesen oder im Heu gespielt hat.

Skabiesgranulome

Hierbei handelt es sich um eine weitere spezielle Form der Krätze, die vor allem bei Kleinkindern auftritt. Skabiesgranulome sind erbsengroße, braunrote Knoten, die vermutlich eine immunologische Reaktion auf den Kot der Milben darstellen und noch Monate nach der Behandlung vorhanden sein können.

Borkenkrätze

Die Borkenkrätze ist eine besonders ansteckende und schwerwiegende Form der Krätze. Hierbei kommt es zur Rötung der Haut in großflächiger Form, außerdem zur Schuppenbildung und starker Verhornung. Der Juckreiz ist bei diesem Befall deutlich geringer oder bleibt ganz aus, dafür befinden sich viel mehr Milben unter der Haut, sodass das Ansteckungsrisiko extrem gesteigert ist.

Meldepflicht bei Krätzmilben-Befall

Bei der Krätze handelt es sich gemäß des Infektionsschutzgesetzes um eine meldepflichtige Erkrankung. Gemeinschaftseinrichtungen (Kindergärten, Schulen usw.) müssen über die Erkrankung informiert werden und dürfen erst wieder besucht werden, wenn eine ärztliche Bescheinigung über eine erfolgreiche Behandlung vorliegt.

Behandlungsmethoden bei Krätze

Bei der Krätze handelt es sich um einen Teufelskreis, der sich ständig wiederholt und somit nicht von allein abheilen kann. Es bedarf also unbedingt ärztlicher und medikamentöser Behandlung. Das gilt nicht nur für die betroffene Person selbst, sondern auch für den engeren Familienkreis - selbst wenn die Familienmitglieder noch keine Symptome zeigen, denn diese äußern sich erst vier bis sechs Wochen nach der Infektion.

Medikamentöse Behandlung bei Krätze

Zur Beseitigung der Krätze werden Anti-Skabies-Mittel zum Auftragen oder Einnehmen eingesetzt. Hierbei wird der gesamte Körper behandelt. Dabei gilt Permethrin aufgrund seiner hohen Wirksamkeit gegen die Krätzemilben und den Juckreiz sowie seiner guten Verträglichkeit, als Mittel der ersten Wahl. Es tötet neben den Krätzemilben auch deren Vorstufen (Eier, Larven und Nymphen) ab, sodass in der Regel eine einmalige Anwendung ausreichend ist. Säuglinge, Kleinkinder und Schwangere sollten aufgrund der möglichen Nebenwirkungen nur unter strenger ärztlicher Kontrolle behandelt werden.

Weitere Wirkstoffe zur äußerlichen Behandlung von Krätze sind Benzylbenzoat und Crotamiton. Da diese Mittel jedoch nicht ganz so effizient sind, muss die Behandlung mehrfach wiederholt werden. Seit einigen Jahren ist auch der Wirkstoff Ivermectin zur innerlichen Behandlung der Krätze zugelassen. Er wird einmalig eingenommen und seine Dosierung berechnet sich nach dem Körpergewicht.

Zudem können Antihistaminika in Form von Salben, Tropfen, Tabletten oder Gele den Juckreiz lindern. Im Anschluss an die Behandlung sollte für einige Wochen regelmäßig eine rückfettende Pflegecreme aufgetragen werden, damit sich die Haut sich schneller erholt.

Hausmittel bei Krätze

Hausmittel sollten bei der Krätze nur begleitend, nicht aber ausschließlich angewendet werden. Besonders empfehlenswert ist ein Vollbad, da die Larven und Nymphen - nicht aber die ausgewachsenen Milben selbst - äußerst temperaturempfindlich sind und bei hohen Wassertemperaturen absterben. Krustige Hautstellen können zusätzlich mit Teebaumöl behandelt werden.

Zusätzliche Maßnahmen

Folgende Maßnahmen verhindern, dass die Krätze nach der Behandlung wiederkehrt:

Erfolgreiche Behandlung befreit nicht sofort von den Symptomen

Die Krätze lässt sich in den meisten Fällen erfolgreich behandeln, jedoch bedeutet das Abtöten der Milben nicht zwingend, dass man von den Symptomen befreit ist. Nach Behandlungsabschluss kann es noch einige Wochen dauern, bis die Hautveränderungen vollständig abgeklungen sind. Dafür sind die toten sowie noch lebenden, aber nicht mehr vermehrungsfähigen Milben verantwortlich, auf die der Körper allergisch reagiert.

Krätze vorbeugen

Krätze kann nur vorgebeugt werden, indem intensiver Körperkontakt mit möglichen Infizierten vermieden wird. Das ist allerdings nicht so einfach, da viele Betroffene erst Wochen später von dem Befall erfahren. Auf Reisen in Gebiete, in denen Krätze ein bekanntes Problem ist, sollte eigenes Bettzeug verwendet werden, um eine Ansteckung aufgrund möglicher mangelnder Hygiene zu vermeiden.

 


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