Die 10 häufigsten Einwände gegen Impfungen

Verfasst am 14.03.2014

Nur wenige Gesundheitsthemen werden immer wieder so rigoros diskutiert wie das Thema Impfungen. Nutzen und Risiken von Impfungen lassen die Menschen in Zwiespalt geraten. Sind Impfungen gefährlich? Helfen sie mir wirklich gesund zu bleiben? Oder sind sie gar überflüssig? Was ist dran, an den Argumenten der Impfkritiker bzw. Impfgegner? Wir haben die wichtigsten Einwände zusammengetragen, damit Sie sich selbst ein Bild vom Nutzen des Impfens machen können.

 1. Es gibt keine Belege für die Wirksamkeit von Impfungen

Grundsätzlich erhält ein Impfstoff nur dann eine Zulassung, wenn dieser nachweislich auch wirkt. Das heißt, die Wirksamkeit muss vom Hersteller in klinischen Studien nachgewiesen worden sein. Diese wissenschaftlichen Belege werden dann wiederum vom Paul-Ehrlich-Institut, dem Bundesinstitut für die Zulassung von Medikamenten und Impfstoffen, geprüft. Auf EU-Ebene liegt die Verantwortung bei der europäischen Arzneimittelbehörde EMEA. Rechtlich gesehen, gibt es also schon Belege für die Wirksamkeit der Impfstoffe.

In der Praxis sieht es ganz ähnlich aus. Zumindest lässt sich bei vielen Impfstoffen nachvollziehen, dass mit Beginn der Impfung auch die Erkrankungsrate an der jeweiligen Infektionskrankheit deutlich sank. So z. B. auch bei der Schluckimpfung gegen Kinderlähmung (Poliomyelitis). Während in Deutschland 1961 noch rund 4.700 Kinder an Kinderlähmung erkrankten, waren es nach der Einführung der Schluckimpfung (Anfang der sechziger Jahre) im Jahre 1965 bereits weniger als 50 Polioerkrankungen. Seitdem hat es in Deutschland keine Häufungen von Poliofällen gegeben.

 2. Impfungen haben viele Nebenwirkungen und birgen viele Risiken

In den vergangenen Jahren wurde immer wieder viel darüber diskutiert und gestritten, ob Impfungen Krankheiten wie Autismus, Morbus Crohn, Multiple Sklerose oder Diabetes auslösen können. Bis heute gibt es zwar keinen Beweis dafür, jedoch zahlreiche Studien, die dagegen sprechen. Ende der neunziger Jahre hatte beispielweise eine britische Wissenschaftlergruppe eine Publikation veröffentlicht, in der sie einen Zusammenhang zwischen der Mumps-Masern-Röteln-Impfung, Magen-Darm-Symptomen und Entwicklungsstörungen bei Kindern feststellen konnten. So war man der Meinung, dass diese Impfung zu Schäden im Darm und dadurch zum Eindringen neurotoxischer Substanzen in den Organismus führen könnte. Dies behindere nicht nur die geistige Entwicklung, sondern begünstige zudem Autismus. Die Publikation löste über viele Jahre anhaltende Auseinandersetzungen darüber aus, ob die MMR-Impfung die Ursache von Autismus und anderen Erkrankungen sei oder nicht. Mittlerweile wurde diese These jedoch von zahlreichen Studien entkräftet, in denen kein kausaler Zusammenhang festgestellt werden konnte. In der Folge nahmen 10 der ursprünglich 13 Co-Autoren  (der Publikation) ihre Interpretation offiziell zurück. 2011 wurde die Publikation dann schließlich vollständig zurückgezogen.

Unbestritten ist natürlich, dass jedes wirksame Medikament neben der gewünschten Wirkung auch unerwünschte Nebenwirkungen haben kann. Zum Beispiel wurden in Deutschland im Jahr 2005 ca. 44 Millionen Impfstoffdosen verbraucht, wobei etwa die Hälfte davon auf das Konto der Grippeschutzimpfung ging. In diesem Zeitraum wurden durch Ärzte und Pharmahersteller fast 1.400 vermutete Impfkomplikationen gemeldet. Hochgerechnet sind das ca. drei Verdachtsfälle pro 100.000 Impfungen. Eine eingehende Analyse ergab allerdings, dass bei knapp einem Drittel der gemeldeten Fälle keine Hinweise auf einen möglichen Kausalzusammenhang mit der Impfung vorlagen. Außerdem gehörte ein Großteil der angegebenen Nebenwirkungen wie z. B. Fieber, Rötungen der Einstichstelle und allgemeines Unwohlsein zu den normalen unbedenklichen Impfreaktionen, welche in der Regel nur vorübergehend anhalten und schnell wieder abklingen. Einzig allein bei fünf geimpften Personen wurde eine dauerhafte gesundheitliche Beeinträchtigung gemeldet, die womöglich durch die Impfung ausgelöst worden war. Des Weiteren ließ sich auch im Fall eines nach der Impfung verstorbenen Erwachsenen, eine ursächliche Verbindung mit der Impfung zumindest nicht ausschließen.

3. Auch geimpfte Personen können krank werden

Es stimmt natürlich, dass keine Impfung zu 100 Prozent schützt. So wie auch kein Medikament bei allen Patienten wirkt. Jedoch senken Impfungen deutlich die Wahrscheinlichkeit an einer dieser Infektionskrankheiten zu erkranken. Häufige Lücken, die eine Erkrankung ermöglichen, sind in der Regel nicht rechtzeitig durchgeführte Auffrischungsimpfungen. Der Schutz einer Impfung bleibt aber auch dann unvollständig, wenn sich der Immunschutz noch nicht hundertprozentig aufgebaut hat. Denn Kinder-Schutzimpfungen müssen im Allgemeinen mehrfach (nach einem zeitlich geregelten Schema) wiederholt werden, bevor eine beständige und effektive Schutzwirkung eintritt. Weiterhin gibt es auch Impfungen, die zwar keine Ansteckung verhindern, dafür aber besonders schwere Erkrankungsverläufe. Dies ist beziehungsweise war früher z. B. bei der BCG-Impfung gegen Tuberkulose der Fall. Die Kinder wurden durch die Impfung nicht vor einer Tuberkuloseinfektion geschützt, sondern vor den schlimmen Komplikationen (wie der Befall des gesamten Körpers und des Gehirns). Mittlerweile wurde die Impfung aufgrund der geringen Erkrankungswahrscheinlichkeit als Regelimpfung aufgehoben.

Außerdem kann die Schutzwirkung auch vom Alter und Gesundheitszustand des Geimpften abhängen. Dies trifft vor allem bei der Grippeschutzimpfung zu. Bei alten Menschen schlägt die Impfung normalerweise am schlechtesten an.

4. Impfungen können die Erkrankungen selbst auslösen, gegen die sie eigentlich schützen sollen

Zuerst einmal sei zu erwähnen, dass Fieber, Rötungen und Schwellungen an der Injektionsstelle sowie Unwohlsein und Übelkeit nichts mit einer der Infektionskrankheiten zu tun haben, sondern lediglich normale, schnell abklingende Reaktionen des Organismus sind. Ansonsten können bestimmte Impfstoffe in der Tat krankheitsähnliche Symptome auslösen, allerdings entwickelt sich quasi nie eine voll ausgeprägte Erkrankung daraus. Ein gutes Beispiel dafür sind die so genannten Impfmasern. Etwa fünf Prozent aller an Masern geimpften Personen entwickeln nach ca. einer Woche einen masernartigen Hautausschlag. Mittelohr- oder Lungenentzündungen, welche mit der eigentlichen Infektion einhergehen können, treten allerdings nicht auf. Auch eine Masern-Enzephalitis (eine Entzündung des Gehirns) tritt nach einer Impfung mehr als nur selten auf (ca. einmal bei einer Million Geimpften, bei echten Masern trifft es jede tausendste Person). Das liegt daran, dass der Impfstoff gegen Masern ein Lebendimpfstoff ist, also abgeschwächte aber noch lebende Masernviren enthält. Grundsätzlich lösen Lebendimpfstoffe eher krankheitsähnliche Symptome aus, als Totimpfstoffe. Da aber die Mehrheit der Impfstoffe aus abgetöteten Erregern bzw. aus kleinen Bestandteilen von Erregern besteht, sind diese Krankheitsanzeichen sehr selten.

5. Gefährliche Chemikalien in den Impfstoffen vergiften uns

Um die Wirkung von Impfstoffen zu verstärken, sie haltbarer zu machen oder die Immunantwort auf den Impfstoff zu erhöhen, enthalten einige Impfseren in der Tat potenziell giftige Stoffe wie Formaldehyd, Quecksilber, Phenol oder Aluminiumhydroxid. Jedoch in äußerst geringen Konzentrationen und unterhalb festgelegter toxikologischer Grenzwerte. Vor einigen Jahren, stellten amerikanische Mediziner die These auf, dass das quecksilberhaltige Koservierungsmittel Thiomersal in inaktivierten Impfstoffen im Zusammenhang mit Autismus und neurologischer Entwicklungsverzögerung steht. Es handelt sich bei Thiomersal um eine organische Quecksilberverbindung, das so genannte Ethylquecksilber. Nach den derzeitigen wissenschaftlichen Erkenntnissen sind jedoch die Weltgesundheitsorganisation (WHO), das Institute of Medicine (IoM) und die europäische Arzneimittelbehörde (EMEA) unabhängig zu dem Entschluss gekommen, dass die epidemiologischen Daten gegen einen Zusammenhang zwischen Thiomersal und Autismus sprechen. Zu diesem Thema hat auch das Paul-Ehrlich-Institut Stellung genommen und in einer Publikation dargestellt, dass bis heute nur Überempfindlichkeitsreaktionen bekannt geworden sind, die keinen Krankheitswert haben. Trotz dessen hat die Pharmaindustrie auf diese heftige Diskussion reagiert und quecksilberfreie Impfstoffe entwickelt. Alle empfohlenen Schutzimpfungen sind demnach auch mit quecksilberfreien Impfstoffen verfügbar.

 6. Zu zeitige Impfungen bei Kindern erhöhen die Risiken

Die erste Impfung sollte laut Impfempfehlung der STIKO bei Babys bereits nach dem vollendeten zweiten Lebensmonat erfolgen, da bestimmte Infektionen Neugeborene deutlich schwerer treffen als beispielsweise ältere Kinder. Ein Beispiel dafür ist Keuchhusten. Etwa 25 Prozent der Erkrankungsfälle entwickeln Komplikationen wie Lungenentzündungen oder Atemstillstände, wenn das Baby jünger als sechs Monate ist. Danach sinkt die Rate der Komplikationsfälle auf ca. fünf Prozent. Somit kann bereits die erste Impfdosis, bei zwei Monate alten Säuglingen die Wahrscheinlichkeit an Keuchhusten zu erkranken, um etwa zwei Drittel senken. Erfolgt dann im Laufe des ersten Lebensjahres die Wiederholungsimpfung, wird der Schutz vor einer Keuchhustenerkrankung vervollständigt. Es ist also nicht belegt, dass Säuglinge Impfungen grundsätzlich schlechter vertragen als ältere Kinder. Zudem sollte erwähnt werden, dass nicht alle Impfungen im Säuglingsalter vorgenommen werden. Schutzimpfungen gegen Mumps, Masern, Röteln oder Meningokokken erfolgen beispielsweise erst um das erste Lebensjahr herum.

 7. Überlastung des kindlichen Immunsystems durch zu viele Impfungen 

Ohne Zweifel werden die Kinder von heute gegen mehr Krankheiten geimpft als früher, jedoch sind die Impfstoffe auch weitaus verträglicher. Denn die Zahl der dabei übertragenen Fremdmoleküle, der so genannten Antigene, wurde deutlich reduziert. Allein der Keuchhusten-Impfstoff hatte früher fast 3.000 solcher Antigene. So viele findet man heute nicht mal vor, wenn alle Schutzimpfungen zusammengenommen werden. Hier stößt man lediglich auf 150 Antigene. Grund dafür sind die modernen hochgereinigten Impfstoffe, welche in der Regel nur einzelne Bestandteile der Erreger enthalten. Zudem kann auch nicht belegt werden, dass Mehrfachimpfstoffe das Immunsystem überlasten bzw. schwächen. Zwar aktivieren einige Teilkomponenten der Kombi-Impfungen das Abwehrsystem nicht so stark als wenn sie alleine verabreicht würden, aber aus diesem Grund sind dann eben vier statt drei Spritzen nötig, um einen vollständigen Schutz aufzubauen. Dennoch wird die Zahl der erforderlichen Impfungen durch Kombi-Impfstoffe insgesamt reduziert. Dabei lassen sich bis zu sechs Impfstoffe in einer einzigen Spritze kombinieren (Diphtherie, Haemophilus influenzae, Hepatitis B, Keuchhusten, Polio und Tetanus). Viele Eltern finden eine Impfung gegen Hepatitis B, wegen des geringen Erkrankungsrisikos bei Säuglingen als überflüssig. Aus diesem Grund wird an der 6-fach-Impfung häufig Kritik ausgeübt. Kommt es allerdings zu einer Erkrankung an Hepatitis B bei Babys, dann verläuft diese in der Regel sehr schwer und wird in 90 Prozent der Fälle chronisch.

Grundsätzlich muss sich das kindliche Immunsystem jeden Tag mit einer viel größeren Anzahl von Fremdmolekülen auseinandersetzen, als dies bei den Schutzimpfungen der Fall ist.

 8. Impfungen sind aufgrund der enthaltenen Zusatzstoffe gefährlich für Allergiker

Zwar sind in den Impfstoffen allergieauslösende Zusatzstoffe wie Hühnereiweiß, Formaldehyd, Polygeline, Humanalbumin, Aluminium, 2-Phenoxyethanol und Thiomersal enthalten, allerdings in so geringer Konzentration, dass sie für Allergiker nicht gefährlich werden können. Auch, wenn häufig Reaktionen an der Injektionsstelle (wie Rötungen, Schwellungen, Verhärtungen, leichte Schmerzen oder Erwärmung) beobachtet werden, sind diese jedoch nur von kurzer Dauer und harmlos. Neben der normalen Reaktion des Körpers auf den Impfstoff, gelten auch Injektionsart und -technik als eine der Ursachen.

 9. Da Impfungen ständig wiederholt werden müssen, schützen sie nicht langfristig

Generell müssen nicht alle Impfungen mehrmals wiederholt werden, damit sie einen langfristigen Schutz geben. Da gibt es zum einen solche Impfungen (meist Kombi-Impfungen), die nach zweimaliger bzw. drei- oder viermaliger Grundimmunisierung einen lebenslangen Immunschutz gegen die geimpften Infektionskrankheiten aufbauen (wie z.B. die MMR-Impfung). Zum anderen gibt es aber auch Krankheiten wie Diphtherie, Keuchhusten, Polio oder Tetanus, bei denen eine Impfung nur ca. fünf bis zehn Jahre Schutz bietet, weshalb diese im Leben wirklich mehrmals wiederholt werden muss. Angesichts der zum Teil tödlichen Infektionen, erscheint jedoch eine Immunisierung alle zehn Jahre beispielweise gegen Tetanus als kleinerer Aufwand. Einen noch kürzeren Schutz bietet eine Grippeschutzimpfung. Diese sollte jährlich aufgefrischt werden, da sich der Erreger stetig verändert und der Impfstoff deshalb immer neu zusammengesetzt wird. Das heißt aber nicht, dass die Impfung nutzlos ist, im Gegenteil, sie kann besonders bei chronisch Kranken lebensbedrohliche Erkrankungsverläufe verhindern.

Und selbst, wer sich gegen eine Impfung entscheidet, um auf normalem Wege eine Immunität aufzubauen, ist nicht davor bewahrt, nur einmal an einer Infektionskrankheit zu erkranken. So kann man z .B. Diphtherie, Keuchhusten oder Tetanus mehrmals im Leben bekommen. Es wurde auch schon von Fällen berichtet, bei denen eine Person zweimal an Masern erkrankte.

 10.  Warum impfen lassen, wenn die Krankheiten nicht mehr bei uns auftreten

Inzwischen sind in Deutschland Infektionen wie Diphtherie oder Kinderlähmung (Poliomyelitis) eine Seltenheit geworden, was bereits das Ergebnis der Impfprogramme ist. Demzufolge würden sinkende Impfzahlen wieder das Risiko für den Ausbruch neuer Epidemien erhöhen. Zudem können Infektionskrankheiten auch nach Deutschland eingeschleppt werden, wie beispielweise durch den internationalen Reiseverkehr, wodurch es in Folge auch zu solchen Epidemien kommen kann. So ist z. B. Polio in Indien und Ägypten immer noch stark verbreitet, welches ja auch beliebte Reiseziele sind.

Weiterhin ist die Annahme, dass Masern in Deutschland bereits ausgerottet wurden, nicht ganz richtig. Es treten immer wieder Masernepidemien auf, wie z. B. 2006 in Nordrhein-Westfalen. Hier erkrankten fast 1.700 Kinder an Masern. Auch jetzt lässt sich sagen, dass die Masernrate in Deutschland (im europäischen Vergleich) immer noch recht hoch ist. Zudem sind Krankheitserreger wie Pneumokokken, Hepatitis-B-Viren, Rotaviren oder Rötelviren ständig im Umlauf, weshalb auch hier eine Impfung sinnvoll ist.

Textquellen:

Robert-Koch-Institut (www.rki.de)

Paul-Ehrlich-Institut (www.pei.de)

Bildquelle: Thomas Siepmann - Fotolia.com

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