Sparmedo Ratgeber

Behandlung & Hautpflege bei Neurodermitis 

Aktualisiert am 16.05.22

Als eine der häufigsten Hauterkrankungen kann Neurodermitis einen immensen körperlichen und seelischen Leidensdruck erzeugen. Trockene und schuppende Haut, die mit starkem Juckreiz einhergeht und häufig aufgekratzt wird, zählt zum typischen Erscheinungsbild von Neurodermitis. Obwohl sich die genauen Ursachen für Neurodermitis noch immer nicht eindeutig klären lassen, kann durch entsprechende Vorbeugung und Therapie eine erhebliche Verbesserung erreicht werden. 

 Betroffene benötigen dafür jedoch das richtige Wissen und etwas Geduld.

In diesem Ratgeber erhalten Sie Informationen zu folgenden Themen:

  1. Das Hautbild Neurodermitis
  2. Unterschiedliche Neurodermitis-Formen
  3. Schweregrade  bei Neurodermitis
  4. Ursachen und Auslöser von Neurodermitis
  5. Ernährung bei Neurodermitis
    1. Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren
    2. Nährstoffempfehlungen
  6. Neurodermitis behandeln
  7. Hautpflege bei Neurodermitis
  8. Neurodermitis bei Babys & Kindern
  9. Studien und Erkenntnisse

Jedes zehnte bis fünfzehnte Kind leidet mittlerweile unter Neurodermitis, damit gehört diese Erkrankung der Haut zu den häufigsten Problemen und kann bereits im Säuglingsalter auftreten. Auch ein deutlich späteres Einsetzen der Krankheit ist aber möglich, wobei oftmals erste Anzeichen in Schüben bis hin zu einem schwereren Ausbruch zu erkennen sind.

Je nach Alter sind von Neurodermitis unterschiedliche Körperbereiche betroffen

Das Hautbild Neurodermitis

Neurodermitis hat viele Gesichter, das Hautbild während eines Schubs oder chronischen Verlaufs der Erkrankung kann daher stark unterschiedlich ausfallen. Typisch sind jedoch die folgenden Anzeichen:

In Folge der Entzündung der Haut und den mit Neurodermitis verbundenem Juckreiz entstehen, gerade bei anhaltendem Kratzen, zudem schorfige Beläge oder Verkrustungen. Diese können weißlich, gelblich oder gar schwarz sein.

Unterschiedliche Neurodermitis-Formen

Wie bereits erwähnt, kann sich Neurodermitis in stark unterschiedlichen Formen äußern. Kleine Ekzeme und Risse gelten dabei unter anderem als Minimalformen, die Erkrankung kann jedoch ebenfalls bis hin zu einer Entzündung der kompletten Haut führen. Im Folgenden werden die Sonder- und Minimalformen der Neurodermitis aufgeführt:

Schweregrade bei Neurodermitis

Um den Schweregrad bei Neurodermitis zu ermitteln und die Krankheitszeichen objektiv einschätzen zu können, gibt es den sogenannten SCORAD (Severity Scoring of Atopic Dermatitis). Das ist eine international standardisierte Beurteilung mittels Punktesystem, welche sowohl für Säuglinge und Kleinkinder als auch für Erwachsene verwendet wird.

Ausmaß der Neurodermitis

Anhand der Quantifizierung der betroffenen Körperstellen erfolgt die Bewertung des Ausmaßes der Neurodermitis. Jede betroffene Hautstelle erhält dabei einen spezifischen Punktwert. Mit Hilfe zusätzlicher Grafiken, können Ärzte dann den prozentualen Anteil der erkrankten Körperoberfläche ermitteln.

Bewertung der Intensität

Folgende Hautveränderungen werden auf einer Skala von 0 (keine Ausprägung) bis 3 (starke Ausprägung) nach ihrer Intensität bewertet:

Subjektive Symptome wie Juckreiz verbunden mit dem Drang zum Kratzen oder Schlaflosigkeit, werden vom Betroffenen selbst anhand einer Skala von 0 bis 10 eingeteilt.

Auswertung des Schweregrades

Bei der Auswertung des Schweregrades werden die vergebenen Punkte einfach addiert. Liegt der Wert unter 25 deutet dies auf eine leichte Neurodermitis hin. Zwischen 25 und 60 Punkten spricht man von einer mittelschweren Form. Bei mehr als 60 Punkten liegt eine schwere Form der Neurodermitis vor. Die maximale Punktzahl (schwer ausgeprägte Neurodermitis) beträgt 103.

Neben der richtigen Therapieentscheidung, dient die Erfassung des SCORAD auch dazu, den Erfolg der Neurodermitisbehandlung objektiv bewerten zu können.

Ursachen und Auslöser von Neurodermitis

Wie eingangs erwähnt, lassen sind die genauen Ursachen für Neurodermitis nicht eindeutig klären.

Studien und Erfahrungen zeigen allerdings, dass die Erkrankung einen erblichen Faktor aufweist. Leiden oder litten bereits die Eltern unter Neurodermitis, steigt das Risiko auch für die Kinder an. Zusätzlich tritt Neurodermitis gehäuft im städtischen Bereich auf. Vermutet wird, dass die Hauterkrankung und vor allem die Entzündung teilweise auf ein "gelangweiltes" Immunsystem zurückgeht.

Auto-Immunreaktion spielt eine bedeutende Rolle

Durch Desinfektionsmittel, ein sauberes Umfeld und die stetige Abtötung von Keimen richtet sich das Immunsystem schließlich gegen eigentlich harmlose Reize, wie bestimmte Nahrungsmittel oder Pollen und Staub. Es entsteht eine Auto-Immunreaktion, die körpereigene Abwehr bekämpft also keine Erreger, sondern den Organismus selbst. Auch die Umwelt selbst spielt dabei eine Rolle.

Chemie des Alltags als weitere Ursache

Pestizide, Fungizide, Putzmittel, Weichspüler - der Alltag und unsere Umwelt stecken voller Chemie. Diese kann zum einen die Beschaffenheit bestimmter Reizstoffe verändern und sie damit zur vermeintlichen Gefahr für das Immunsystem werden lassen. Zum anderen belasten sie die Gesundheit und halten die Erregeranzahl im Umfeld unnatürlich gering, wodurch das Immunsystem keine Gelegenheit für erforderliche Abwehrreaktionen hat und in der Folge überreagiert. Alle möglichen Auslöser der Neurodermitis sind mit diesen Theorien jedoch nicht erklärbar.

Auslöser der Neurodermitis

Die Auslöser der Neurodermitis sind so verschieden, wie die Formen der Hauterkrankung. Zu ihnen gehören:

Mit Dokumentation gegen Neurodermitis

Wer um die möglichen und teils sehr individuellen Auslöser der Neurodermitis weiß, kann gezielt gegensteuern. Zum einen können die ungünstigen Stoffe und Situationen vermieden werden, zum anderen lässt sich die persönliche Pflege und Therapie so zielgerichtet angehen und ist dadurch effizienter. Zu diesem Zweck empfiehlt es sich, ein detailliertes Tagebuch zu führen oder eine Atopiker-App herunterzuladen. In diesen Medien sollten täglich folgende Fragen so eingehend wie möglich beantwortet werden:

Sind Kinder betroffen, sollten Sie als Eltern natürlich zunächst die Tagebuch- oder App-Führung  übernehmen, das Niederschreiben aber als festes Ritual in den Alltag integrieren. Dies kann spielerisch erfolgen und zusätzlich zu einem besseren Austausch und einer festeren Eltern-Kind-Bindung führen. Keinesfalls sollte es zur lästigen Pflicht werden. Dann nämlich besteht die Gefahr, dass entscheidende Fakten verschwiegen und der Kürze halber ausgelassen werden.

Ernährung bei Neurodermitis

Die Ernährung kann durchaus eine entscheidende Rolle beim Hautbild von Neurodermitis spielen. Zum einen können in ihr Auslöser in Form von bestimmten Eiweißen, wie Kuhmilch, Nüssen und Getreiden oder Meeresfrüchten stecken. Zum anderen kann ein Mangel an bestimmten Nähr- und Vitalstoffen einen Neurodermitis-Schub begünstigen oder verschlimmern.

Fett und Vitamine gegen Neurodermitis

Da der Haut bei Neurodermitis meist Fett fehlt, lohnt sich ein Blick auf die Versorgung mit diesem energiereichen Nährstoff. Günstige und gesunde Quellen sind fetter Seefisch und Pflanzenöle. Zusätzlich sollte eine abwechslungsreiche und ausgewogene Versorgung mit Vitaminen sichergestellt sein. Das bedeutet in der Praxis täglich viel frisches, möglichst rohes Obst und Gemüse. Zudem sollten durch Ausschlussdiäten und Tests eventuelle Unverträglichkeiten herausgefunden werden.

Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren

Omega-3-Fettsäuren haben einen entzündungshemmenden Effekt, wirken sich auf die Gesundheit des Herzens und der Gefäße aus, unterstützen das Immunsystem und können Krankheiten vorbeugen. Zudem haben die essenziellen Fettsäuren auch eine Auswirkung auf die Haut und sind insbesondere bei chronischen Erkrankungen wie Neurodermitis sehr wichtig.

Omega-3-Fettsäuren in der Ernährung

Omega-3-Fettsäuren finden sich lediglich in wenigen Nahrungsmitteln, die häufig auf dem üblichen Speiseplänen landen. Enthalten sind die Fettsäuren in:

Aus tierischen Quellen wie Fischöl und Fisch sind die Fettsäuren in ausgewogenem Maße direkt verwertbar. Bei pflanzlichen Lebensmitteln wie Ölen steht hingegen nur eine der Omega-3-Fettsäuren zur Verfügung. Aus dieser können die restlichen Fettsäuren dieser Gruppe zwar im menschlichen Körper hergestellt werden, der Umsatz ist allerdings stark begrenzt. Um den täglichen Bedarf zu decken, müssten selbst bei einem geringen Verbrauch 30 bis 200 Milliliter entsprechenden Pflanzenöls aufgenommen werden. Realistisch ist das -zumindest auf lange Sicht - nicht.

Omega-3-Fettsäuren-Bedarf bei Neurodermitis decken

Wer unter Neurodermitis leidet, hat einen erhöhten Omega-Fettsäuren-Bedarf. Da dieser über die Ernährung allein ohnehin schon schwierig zu decken ist, ist der erhöhte Bedarf häufig problematisch und hat zumeist einen Mangelzustand zur Folge.

Um das Hautbild positiv durch die ungesättigten Fettsäuren zu beeinflussen, muss die Aufnahme also gezielt erhöht werden. Dies kann durch mehrere Portionen fetten Seefisch pro Woche, durch die tägliche Aufnahme von etwa zwei Esslöffeln Chia-Samen oder entsprechende Nahrungsergänzungsmittel erfolgen:

Walnüsse, die genannten Pflanzenöle und Hanfsaat dürfen und sollten natürlich dennoch auf dem Speiseplan stehen. Dies ist allein in Hinblick auf sekundäre Pflanzenstoffe und unterstützende Substanzen wichtig.

Das richtige Verhältnis zwischen Omega-3 und Omega-6-Fettsäuren

Die Empfehlung zum Verhältnis zwischen Omega-6 und Omega-3-Fettsäuren lautet 5 zu 1. Im Durchschnitt liegt das Verhältnis aber - selbst bei einer verhältnismäßig gesunden und ausgewogenen Ernährungsweise - bei 20:1.

Gerade bei Neurodermitis ist das Überangebot von entzündungsfördernden Omega-6-Fettsäuren denkbar ungünstig. Diese stecken allerdings in zahlreichen Lebensmitteln. Darunter:

Wer Neurodermitis also positiv durch die Ernährung beeinflussen möchte, sollte diese Nahrungsmittel deutlich einschränken und die Omega-3-Zufuhr entsprechend erhöhen.

Ausgewogen und individuell

Aufgrund der individuell verschiedenen Auslöser und Unverträglichkeiten gibt es nicht den einen Neurodermitis-Ernährungsplan. Stattdessen ist hier Geduld und Disziplin gefragt, wobei das Tagebuch ein wichtiges und erleichterndes Hilfsmittel bei der Suche nach der persönlich besten Ernährung ist.

Nährstoffempfehlungen bei Neurodermitis

Bestimmte Nährstoffe können das Hautbild bei Neurodermitis verbessern und die Häufigkeit von Schüben verringern. Dazu sollten sie täglich in ausreichender Menge und idealerweise über eine ausgewogene Ernährung aufgenommen werden. Der Bedarf kann durch die Hautkrankheit allerdings so erhöht sein, dass die Zufuhr über Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll ist. Empfohlen wird Folgendes:

Vitamin B-Komplex

B-Vitamine sind entscheidend für die Gesundheit von Haut, Haaren und Nägeln. Optimal ist die tägliche Einnahme eines ausgewogenen Präparates, das zudem 100mg Pantothensäure (Vitamin B5) enthält. Dieses baut die Darmschleimhaut auf und kann daher zusätzlich einen positiven Einfluss auf Neurodermitis haben.

Vitamin C

1 bis 3g Vitamin C pro Tag wirkt Entzündungen entgegen und senkt den Histaminspiegel im Blut, zudem stärkt es das Immunsystem.

Vitamin E

400 bis 800 I.E. regulieren das Immunsystem und hemmen Entzündungen. Dazu wirkt Vitamin E ebenso wie Vitamin C antioxidativ und kann Zellen so vor schädlichen Einflüssen schützen.

L-Glutamin

2 bis 4g dieser Aminosäure schützen den Darm und bauen die Darmschleimhaut auf. Gerade bei Stoffwechselstörungen oder einer erhöhten Durchlässigkeit der Schleimhaut kann die unterstützende Wirkung von L-Glutamin entscheidend für das Hautbild sein.

Calcium

500 bis 1000mg senken das Risiko für allergische Reaktionen. Zudem tritt ein Calciummangel bei Neurodermitis häufig auf.

Gamma-Linolensäure

Diese Fettsäure kann den Juckreiz lindern, verringert Rötungen, Wassereinlagerungen und die Bildung von Krusten. Nachtkerzenöl ist ein guter Gamma-Linolensäure-Lieferant. Aufgrund dieser Wirkungen kann eine Einnahme von 3g Nachtkerzenöl den Bedarf an Cortison reduzieren. Für die positiven Effekte muss aber ein wenig Geduld mitgebracht werden, denn diese treten meist erst ein bis zwei Monate nach dem Beginn der erhöhten Aufnahme ein.

Magnesium

Ebenso wie Calcium reduziert Magnesium die Anfälligkeit für Allergien. Zudem besteht auch hier häufig ein Mangel, der mit Neurodermitis einhergeht.

Omega-3-Fettsäuren

Die ungesättigten Fettsäuren stärken das Immunsystem und die Gewebe, sie wirken sich positiv auf das Hautbild aus und erhöhen den körpereigenen Schutz. Eine erhöhte Zufuhr durch Chia-Samen oder die Aufnahme von 1,5 bis 2g über Fischölkapseln ist optimal.

Selen

Das Spurenelement kann eine gesamte Verbesserung des Hautbildes bewirken, wirkt antioxidativ und damit schützend. Für einen positiven Einfluss auf Neurodermitis sollten Kinder täglich 7,5 bis 15µg Selen pro Kilogramm Körpergewicht aufnehmen, Erwachsene eine Dosis von 200 bis 300µg.

Zink

Das Spurenelement wirkt gegen Entzündungen und antiallergisch, zudem reguliert es das Immunsystem. Die empfohlene Tagesdosis bei Neurodermitis liegt für Zink bei 30 bis 60mg.

Bevor die Zufuhr dieser Stoffe gezielt erhöht wird, ist es sinnvoll die aktuelle Versorgung - also den Blutspiegel - zu untersuchen.

Neurodermitis behandeln

Bei der Behandlung von Neurodermitis werden oftmals zwei Linien verfolgt. Die äußere Therapie (topische Behandlung) sowie die innere Therapie (systemische Behandlung).

Topische Therapie erfolgt äußerlich

Die topische Behandlung bezieht sich auf den Einsatz von Salben, Cremes und Lotionen. Mit Hilfe dieser soll die Haut geschützt und der Feuchtigkeitshaushalt stabilisiert werden. Ziel ist es, das trockene Hautbild zu verbessern und die Entzündungen abklingen zu lassen. Je nach Schweregrad und individuellen Faktoren stehen eine Beruhigung der Haut und eine Linderung des Juckreizes im Vordergrund.

Kortisonpräparate: Schon seit Jahrzehnten werden Kortisonsalben zur Behandlung von Neurodermitis eingesetzt. Denn das Kortison unterdrückt die Überreaktion des Immunsystems und führt so zum Rückgang der Entzündung. Der Juckreiz wird gelindert und die Haut stabilisiert. Allerdings lässt das Kortison die Haut nach längerer Anwendung dünner werden und ist so durchlässiger für Bakterien oder Pilze. Zudem kann mit der Zeit ein Wirkungsverlust eintreten.

Zinkschüttelmixturen und Teere: Spezielle Salben oder Emulsionen können bei richtiger Anwendung wirkungsvoll die Entzündung hemmen und den Juckreiz mildern. Aber durch ihre extrem kosmetischen Nachteile, wird ihre Verwendung im Alltag stark eingeschränkt.

Ectoin: Der Wirkstoff Ectoin besitzt zellschützende, wasserbindende und entzündungshemmende Eigenschaften. Zudem  fördert er den Regenerationsprozess der Haut, reduziert Rötungen, schützt vor neuer Schädigung, glättet raue Haut und kann Juckreiz reduzieren. Ectoin-haltige Cremes werden zur symptomatischen Behandlung von entzündlichen Hauterkrankungen wie z.B. Neurodermitis oder Psoriasis eingesetzt.  Dabei kann Ectoin sowohl während eines Schubs als auch in den schubfreien Phasen angewendet werden. Darüber hinaus findet der Wirkstoff Ectoin aber auch in der symptomatischen Behandlung von Allergien, Atemwegserkrankungen,  Erkältungskrankheiten oder trockenen Augen/trockene Nase Anwendung.

Alle Präparate zur äußeren Anwendung bei Neurodermitis anzeigen.

Systemische Therapie erfolgt von innen

Bei der systemischen Therapie erfolgt die Neurodermitis-Behandlung der Haut von innen heraus. Der Fokus liegt zumeist auf einer Reduzierung der Entzündung, aber auch des Juckreizes. Für die innere Anwendung stehen sowohl rezeptfreie als auch rezeptpflichtige Präparate zur Verfügung. Gängige Wirkstoffe zur Juckreiz- und Entzündungshemmung sind zum Beispiel Cetirizin, Loratadin oder Dimetinden. Bei schweren Fällen kann der Arzt beispielsweise Präparate mit dem Wirkstoff Ciclosporin A verschreiben. 

Cetirizin bei Neurodermitis

Cetirizin ist als wirksames Mittel bei Allergien bekannt, kann aber auch bei Neurodermitis gute Resultate erzielen. Das Antihistamin verhindert oder lindert zumindest den Juckreiz und kann so den Leidensdruck mindern. Der Wirkstoff ist in Form von Tabletten, Saft, Tropfen und Salbe erhältlich und kann bei Neurodermitis oder zusätzlich bestehenden Allergien individuell und gezielt angewendet werden.

Cetirizin und Neurodermitis bei Kindern

Leiden Kinder unter Neurodermitis, kann der Wirkstoff Cetirizin ebenfalls eingesetzt werden. Zugelassen sind cetirizinhaltige Präparate in entsprechend angepasster Dosierung für Kinder ab zwei Jahren. Allerdings sollten hier die möglichen Nebenwirkungen genau kontrolliert werden, da Cetirizin Müdigkeit und Benommenheit erzeugen kann.

Zum Arzt bei den ersten Auffälligkeiten

Da Neurodermitis zwar behandelt, aber nicht geheilt werden kann, ist die frühzeitige Erkennung ausschlaggebend für einen schnellen Behandlungserfolg. Treten bei Ihnen daher ein oder mehrere der erwähnten Anzeichen auf, leiden Sie unter anhaltendem Juckreiz oder Ekzemen, sollten Sie umgehend einen Hautarzt aufsuchen. Dieser kann oftmals schon auf Sicht und unter Berücksichtigung der Symptome eine erste Diagnose stellen und entsprechende Therapieschritte einleiten oder notwendige Tests beauftragen.

Bei schweren Formen der Neurodermitis kann der Arzt auch zu empfehlenswerten Veränderungen, wie beispielsweise einer Kur im Reizklima, raten.

Alternativen und begleitende Behandlung

Zusätzlich zu der Behandlung mit Cremes und Medikamenten stehen Alternativen für ein verbessertes Hautbild trotz Neurodermitis parat. Zu diesen gehören:

Hautpflege bei Neurodermitis

Je nach Ausprägung und Schweregrad der Neurodermitis sollten bei der Hautpflege verschiedene Wirkstoffe eingesetzt werden.

Bei trockener, rissiger und schuppiger Haut kommt es auf eine rückfettende und feuchtigkeitsspendende Wirkung an.  Empfehlenswert sind dann Pflegepräparate mit Harnstoff (Urea) und Linolensäure. Allerdings nur, wenn keine Entzündungen bestehen. Ebenfalls haben sich Cremes und Salben mit Eichenrindenextrakt, Omega-6-Fettsäuren aus Nachtkerzensamen- oder Traubenkernöl bewährt, welche den hauteigenen Barriereschutz stärken.  Präparate mit dem Wirkstoff Polidocanol wirken lokal betäubend und können so den Juckreiz lindern. Außerdem sollte die Basispflege auch den Wetterlagen angepasst sein: Im Sommer eignen sind in der Regel etwas weniger fettreiche, hautberuhigende Cremes oder Lotionen. Im Winter sowie bei starker Hauttrockenheit ist dagegen eine Creme oder ein Balsam mit hohem Fettanteil angebracht. Verwenden Sie auch bei der Hautreinigung rückfettende Badezusätze wie Ölbäder, statt Seifen, da diese die Haut austrocknen. Das Wasser sollte aber lieber lauwarm statt heiß sein.

Generell sollten alle verwendeten Pflegeprodukte frei von Duft- und Konservierungsstoffen sein. Zudem ist es sehr wichtig, dass Sie die Haut selbst in den beschwerdefreien Zeiträumen pflegen, um neuen Schüben der Krankheit vorzubeugen.

Vor einer Behandlung steht aber der Besuch beim Arzt. Nur mit diesem kann ein sinnvoller und individuell abgestimmter Therapieplan aufgestellt werden.

Sonnenschutz bei Neurodermitis

Sonnenschutzmittel haben bei Neurodermitis einen besonderen Stellenwert. Sie sollten frei von Duftstoffen und Konservierungsmitteln sein, eine besonders hohe Hautverträglichkeit aufweisen und am besten auf der Basis von Wasser in Öl hergestellt worden sein. Auf diese Weise wirken sie feuchtigkeitsspendend und rückfettend.

Zusätzlich zum Sonnenschutz in Cremeform sollten lange Aufenthalte im direkten Sonnenlicht vermieden und die Haut mit leichtem Baumwollgewebe geschützt werden.

Duschen und Baden bei Neurodermitis

Lieber häufig dafür kühl und kurz duschen, als lange heiß baden. Aufgrund des häufigen Eincremens bildet sich auf der Haut ein Film aus Pflegemitteln, Bakterien, Hautschuppen und Schweiß. Die tägliche Reinigung mit klarem Wasser ist daher entscheidend für die Gesundheit. Zudem sollten, allerdings nur wenn nötig, milde Zusätze und Reinigungsprodukte Verwendung finden. Ansonsten reicht Wasser vollkommen aus.

Im Anschluss an die Reinigung wird die Haut trockengetupft, nicht gerieben oder gerubbelt. Um zusätzliche Reizungen auszuschließen, achten Sie auf die folgenden Hinweise:

  Neurodermitis bei Babys & Kindern

Eine der wichtigsten vorbeugenden Maßnahmen gegen den Ausbruch von Neurodermitis ist das Stillen bis mindestens zum vierten, besser noch bis zum sechsten Lebensmonat. Auch sollte bis zu diesem Zeitpunkt Beikost komplett vermieden werden. Selbst der bei vielen als erste Zusatzkost so beliebte Getreidebrei, gehört dann noch nicht auf den Speiseplan des Säuglings. Denn auch er kann ein Auslöser für die Neurodermitis sein.

Neurodermitis bei Säuglingen und Kindern stellt eine besondere Belastung für alle Beteiligten dar. Der Juckreiz sorgt beim Nachwuchs für schlaflose Nächte, Sorge und Hilflosigkeit bei den Eltern. Die folgenden Tipps können helfen:

Studien und Erkenntnisse

Neurodermitis-Medikament Dupilumab hilft auch bei schwerem Asthma!
Seit Dezember 2017 ist der Antikörper Dupilumab in Deutschland zur Behandlung der Neurodermitis zugelassen. Der Antikörper bindet an die Alpha-Untereinheit des Botenstoffes Interleukin-4 und blockiert so die Wirkung der Interleukine 4 und 13. Diese Interleukine spielen auch eine wichtige Rolle beim allergischen Asthma. Deshalb veranlasste der Hersteller die QUEST-Studie, in deren Rahmen fast 2000 Patienten entweder den Antikörper oder ein Placebo zusätzlich zu ihrer vorherigen Asthma-Medikation erhielten. Die starken Asthma-Ausbrüche (Exazerbationen) reduzierten sich um 48 % und die Einsekundenkapazität (FEV 1) stieg um 0,13 bis 0,2 L an! In einer anderen Studie des Herstellers, der VENTURE-Studie, wurde die Verringerung des Steroid-Bedarfs durch Gabe des Antikörpers belegt.

Aufgrund der Ergebnisse wurde ein Antrag auf Zulassungserweiterung für allergisches Asthma bronchiale gestellt. Eine Zustimmung wird erwartet. Hier geht's zur Studie.

Spray mit Hautbakterien lindert Beschwerden bei Neurodermitis
Neurodermitis (auch: Atopische Dermatitis) betrifft heutzutage jedes 5. Kind. Einer Vermutung nach führt eine Veränderung der Hautflora zu einer gestörten Barrierefunktion der Haut, sodass die Haut trocken wird und juckt. Bei Neurodermitis lassen sich vermehrt Kolonien des Bakteriums Staphylococcus aureus nachweisen, während das Bakterium Roseomonas mucosa in verringerter Anzahl aufzufinden ist. Forscher überprüften daher, ob ein Spray mit diesen Roseomonas mucosa Bakterien die Hautflora normalisieren könnte. Bei vier von fünf Kindern und sechs von zehn Erwachsenen gingen die Neurodermitis-Beschwerden zurück. Weitere Studien sind notwendig, um die Wirksamkeit des Bakterien-Sprays sicher zu belegen. Hier geht´s zur Studie.


Bitte beachten Sie: Die ggf. im Ratgeber aufgeführten Medikamente stellen keine Empfehlungen dar. Es handelt sich hierbei lediglich um eine lose Auswahl von Präparaten, die einen bestimmten Wirkstoff enthalten und/oder einer speziellen Produktkategorie zugeordnet werden. Diese werden über unsere Seite direkt eingepflegt und sind keineswegs eine Aufforderung zum Kauf eines bestimmten Medikaments.


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